Wesel macht es vor: Durch betreute Vogelhäuser und Austausch der Eier werden die Zahl der Tiere und der Schmutz verringert.

Wesel macht es vor: Durch betreute Vogelhäuser und Austausch der Eier werden die Zahl der Tiere und der Schmutz verringert.
Auf dem Neumarkt finden die Stadttauben Brot- und Pommes-frites-Reste. Kein Wunder also, dass sie dort so zahlreich sind. Archiv

Auf dem Neumarkt finden die Stadttauben Brot- und Pommes-frites-Reste. Kein Wunder also, dass sie dort so zahlreich sind. Archiv

Andreas Bischof

Auf dem Neumarkt finden die Stadttauben Brot- und Pommes-frites-Reste. Kein Wunder also, dass sie dort so zahlreich sind. Archiv

Mitte. Trotz des Fütterungsverbots für Stadttauben, finden die Vögel in der Innenstadt genügend Fressbares. Vor allem rund um den Neumarkt wächst der Unmut von Geschäftsleuten, Café-Betreibern und Hauseigentümern. Für viele sind sie zu einer Plage geworden. Dabei muss das nicht sein. Der Nabu wirbt schon seit Jahren für eigens eingerichtete und betreute Taubenschläge. In Wesel beispielsweise sind drei Taubenhäuser eingerichtet worden, deren Existenz sichtbare Erfolge zeigen. Vertreter des Krefelder Stadtmarketings und Thomas Lücking, Geschäftsführer von Galeria Kaufhof in Krefeld, haben sich gestern vor Ort das Taubenprojekt angeschaut.

Bis zu 80 Prozent des Tages bleiben die Vögel im Verschlag

Da Tauben von Natur aus eher bequem sind, ziehen sie sich laut der Vogelexperten zu 80 Prozent des Tages dorthin zurück, paarten sich und brüteten dort auf ihren Eiern. Diese werden in den betreuten Taubenschlägen regelmäßig gegen Attrappen aus Gips oder Plastik ausgetauscht, ohne dass die Tiere es bemerken.

„Der Effekt stellt sich sofort ein“, sagt Ulrich Cloos vom Stadtmarketing. Die Verkotung gehe zurück, die Verunreinigung von Sitzgelegenheiten nehme sofort ab. Durch den Austausch der Gelege, verringere sich auch die Tauben-Population. Sozusagen eine gesteuerte Geburtenkontrolle bei den Stadttauben. Durch die gezielte Fütterung der Tiere mit artgerechten Körnern in ihren Unterkünften würden auch die Tauben selber gesünder werden und damit weniger zu Überträgern von Krankheiten. Nicht von ungefähr werden Tauben als die „Ratten der Lüfte“ verunglimpft.

Mit Hilfe des erarbeiteten, neuen identitätsstiftenden Handlungskonzeptes hat es sich das Stadtmarketing zur Aufgabe gemacht, die Innenstadt attraktiver zu gestalten. In Gesprächen mit Anwohnern und Geschäftsleuten wird deshalb auch immer wieder die Taubenplage angesprochen. „Wir haben deshalb vor Monaten die Initiative ergriffen und uns von Fachleuten beraten lassen“, sagt Cloos.

Im Austausch mit dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu), dem Tierschutzverein sowie Ehrenamtlichen sei rasch deutlich geworden, dass nur durch die Installation von Taubenhäusern eine weitreichende und langfristige Lösung zu erzielen sei. Alle anderen üblichen wie teils auch verbotenen Methoden zur Tauben-Dezimierung wie Abschuss, Käfigfang mit Tötung, Vergiften mit Blausäure oder Schlafmitteln, „Tauben-Pille“, Ultraschall, elektromagnetische Felder, Taubenpasten oder mechanische Mittel wie Gitter, Drähte, Nägel uns so weiter, seien nicht nur bedenklich, sondern auch uneffektiv. Auch Fütterungsverbote zeigen kaum Wirkung, wie auf dem Neumarkt zu beobachten ist. Dort ernähren sich die Tauben hauptsächlich runtergefallenen Brot- und Pommes-frites-Resten.

Kaufhof in Krefeld überlegt, einen Taubenschlag einzurichten

Ziel in Krefeld soll es sein, die Taubenpopulation spürbar zu verringern, ohne den Tieren wehzutun. Zusammen mit der 24-jährigen Studentin und Tierfreundin Alica Gebel ist das Stadtmarketing auf die Stadt Wesel aufmerksam geworden. Auf dem Parkdeck des dortigen Kaufhof-Gebäudes bevölkern 80 Tiere das 18 Quadratmeter große Taubenhaus. 500 Eier werden im Jahr dort ausgetauscht. Damit die Vögel ihren Schlag auch annehmen, müssten sie zuvor über eine längere Zeit angefüttert werden. Das zeigt aber laut Silja Meyer-Suchsland, die das Weseler Taubenprojekt leitet, Erfolg: Im Parkdeck nisten keine Tauben, der Boden ist kotfrei, die üblichen Schlupfwinkel in den Deckenverstrebungen fehlen.

Thomas Lücking überlegt, in seiner Krefelder Geschäft einen Taubenschlag einzurichten. Und eine ehrenamtliche Helferin, die alle zwei Tage die Tiere betreuen würde, ist auch schon in Aussicht.

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