Marion und Michael Schillings teilen die Leidenschaft für alte Schätzchen. Ihren Laden in Fischeln geben sie auf, trödeln aber weiter.

Marion und Michael Schillings teilen die Leidenschaft für alte Schätzchen. Ihren Laden in Fischeln geben sie auf, trödeln aber weiter.
Michael und Marion Schillings packen: Sie geben den Laden an der Hafelsstraße auf. Auch der Zigarettenspender (unten) kommt in die Umzugskiste.

Michael und Marion Schillings packen: Sie geben den Laden an der Hafelsstraße auf. Auch der Zigarettenspender (unten) kommt in die Umzugskiste.

DJ

Michael und Marion Schillings packen: Sie geben den Laden an der Hafelsstraße auf. Auch der Zigarettenspender (unten) kommt in die Umzugskiste.

Krefeld. Im hölzernen Kinderhochstuhl sitzt eine Puppe, ein großer Spiegel im Holzrahmen steht in der Ecke und in einem Regal stehen Sammeltassen ordentlich nebeneinander. Nicht mehr lange. Michael und Marion Schillings packen Kisten: Zum Jahresende geben sie ihren Trödelladen Aal Duos an der Hafelsstraße auf. Künftig müssen die Kunden zur Mengshofstraße 33 in den Krefelder Süden kommen – oder sie machen es wie bisher, rufen die Schillings an oder treffen sie auf Märkten in der Region.

„Es war zu viel hin und her“, begründen die Fischelner die Kündigung. „Zu viel Zeit, die verloren ging.“ Denn das Lager an der Mengshofstraße existiert parallel. Dort lagert die Ware aus Haushaltsauflösungen, dort werden die Kisten für Trödelmärkte in der Region gepackt oder öffnet sich die Tür für Händler aus der Szene.

Die ist in Krefeld groß und lebendig – obwohl alle über einen massiven Preisverfall klagen – „seit der Umstellung auf den Euro“. Für manches fehle den Menschen heute der Sinn, anderes gebe es im Überfluss und für einen Bruchteil des Preises, der ursprünglich verlangt wurde, erzählt Michael Schillings. „Ein Rosenthal-Weihnachtsteller hat früher so viel gekostet wie die Miete einer 95-Quadratmeter-Wohnung plus fünf Mark“, sagt Michael Schillings. „Heute bekommt man ihn für 18 Euro.“ Die Konkurrenz durchs Internet und das Warenangebot sei riesig, Angaben wie „limitierte Auflage“ seien relativ. „Mittlerweile findet man an jedem Tag der Woche irgendwo einen Trödelmarkt.“

„Ich gehe auch im Urlaub auf Trödelmärkte. Und es kann vorkommen, dass ich Brötchen fürs Frühstück holen will und beim Roten Kreuz in der Kleiderkammer lande.“

Michael Schillings

Auch die Schillings sind auf einigen zu finden. Mit einem Auto und 70 Bananenkartons machen sie sich auf den Weg, verkaufen Stücke und verschenken am Ende „Kistenware“ an jeden, der kommt. Und die Leute kommen: „Wenn etwas verschenkt wird, sind sie da.“ Manche durchwühlten die Kartons, als würden sie nach einem Goldbarren suchen, nehmen aber alles mit. Für die Schillings ist das bequem: „Wir sparen die Entsorgungskosten.“

Dass Trödler trotz aller Schwierigkeiten überleben, hängt mit dem unterschiedlichen Geschmack zusammen: Für Eiche und Mahagoni gibt es zwar in Deutschland keinen Markt, aber die Letten erfreuen sich daran. Altmodisches Porzellan – wie die Sammeltassen – kommt in Polen auf den Tisch – „und Schuhe sowie das ganze Frauen-Verwöhn-Programm gehen immer“, scherzt Schillings.

Eine Leidenschaft teilen die zwei: Beide lieben Papier, und stehen deshalb vor einem Problem, für das sie noch keine Lösung gefunden haben. Der Trödelladen fungiert bisher auch als Bücherbörse. Für einen Euro können Kunden ein Buch mitnehmen, irgendwann zurückbringen und neue ausleihen. „Manchmal“, sagt Marin Schillings, „gaben sie auch andere Bücher zurück oder eines zu wenig. Wir haben da nicht Buch geführt und keine Strichliste gemacht.“ Hausbewohner und Menschen aus der Nachbarschaft griffen zu – und werden das Angebot vermissen, auch wenn es mittlerweile das offene Bücherregal im Café Max und Moritz an der Kölner Straße gibt. „Aber das ist nicht barrierefrei erreichbar“, sagt Marion Schillings.

Ihren Mann ziehen weniger dicke Konsaliks oder Taschenbücher mit möglichst großer Schrift als Lesestoff an. „Ich sammle jeden Zipfel Papier, der mit Krefeld zu tun hat.“ Bei Haushaltsauflösungen stößt er darauf, und hat für vieles Verwendung. Totenzettel gibt er an Ahnenforscher, und ein historisches Foto fasziniert ihn so, dass er keine Ruhe gibt, bis er den Menschen auf dem historischen Bild ausfindig gemacht hat. Für vieles haben die Schillings Kunden: Der eine sammelt alles rund ums Militär, der andere Postkarten. Manchen Schatz hat Michael Schillings schon für sich oder einen Kunden aufgespürt. „Ich habe einen Video-8-Film, auf dem die Sprengung des alten Wasserturms dokumentiert ist.“

Geschäftlich sind die Schillings Jäger und Sammler aus Leidenschaft – Quereinsteiger, die ihr Hobby zum Beruf gemacht und schon ihre Kinder, neun und zwölf Jahre alt, damit angesteckt haben. „Aber zuhause sind wir das Gegenteil“, sagt Marion Schillings. Es gebe keine übervollen Schränke, keine Wände voller Bilder. „Aber es dauert nie lange, dann hängt da was Neues“, sagt Michael Schillings lächelnd, und seine Frau ergänzt: „Wir gucken gerne, aber wir können auch weiterreichen.“

Das werden sie ab Januar auch an der Mengshofstraße 33 tun: Im Winter an jedem letzten Freitag im Monat gibt es den Lagerverkauf.

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