Mehrere Projekte wollen den Passanten wieder zu ihrem Recht verhelfen.

Am Umsteigepunkt Rheinstraße können die Fußgänger die Straße überirdisch queren. An zu vielen Stellen in der Innenstadt werden die Passanten jedoch an den Rand gedrängt.
Am Umsteigepunkt Rheinstraße können die Fußgänger die Straße überirdisch queren. An zu vielen Stellen in der Innenstadt werden die Passanten jedoch an den Rand gedrängt.

Am Umsteigepunkt Rheinstraße können die Fußgänger die Straße überirdisch queren. An zu vielen Stellen in der Innenstadt werden die Passanten jedoch an den Rand gedrängt.

Andreas Bischof

Am Umsteigepunkt Rheinstraße können die Fußgänger die Straße überirdisch queren. An zu vielen Stellen in der Innenstadt werden die Passanten jedoch an den Rand gedrängt.

Krefeld. Es ist die ursprünglichste aller Fortbewegungsarten - das Gehen. Dennoch ist der Fußgänger mit dem Siegeszug des Autos immer mehr in Vergessenheit geraten, zumindest in der Verkehrsplanung. Dabei durfte er sich bis 1934 auf den Fahrwegen noch frei bewegen. Mit der Reichs-Straßenverordnung war damit Schluss.

Natürlich sollte heute ein Geher, schon allein aus Liebe zum eigenen Leben, nicht mehr kreuz und quer die Straße nutzen. Moderne Verkehrsplanungen entdecken aber den flanierenden Menschen - auch jenseits des Geher-Biotops Fußgängerzone - neu, versuchen, ihm wieder zu seinem Recht zu verhelfen.

Mutig geht da die Schweiz voran, wo mittlerweile sogenannte Begegnungszonen entstanden sind. Fußgänger haben hier gegenüber den Autos Vortritt, dürfen jederzeit die Fahrbahn queren, allerdings die Wagen auch nicht unnötig behindern. Ein Modell, das Ähnlichkeiten mit Shared Space hat, das auch in manchen deutschen Gemeinden schon existiert.

Beide Ansätze sind nicht unumstritten. Kritiker halten das Modell zum Beispiel nicht für sicher genug. In Bohmte (Niedersachsen) haben die Bewohner die neu gestaltete Shared-Space-Zone tatsächlich als weniger sicher wahrgenommen. Gleichzeitig lobten sie die neue Aufenthaltsqualität. Außerdem spricht die Unfallstatistik eine andere Sprache: Im Gegensatz zu rund 40Unfällen in den Vorjahren ereigneten sich nur noch Bagatellunfälle.

Nun ist Bohmte eine sehr kleine Gemeinde mit gut 13000Einwohnern, die Begegnungszonen in der Schweiz werden längst auch in großen Städten wie Bern und Zürich angelegt, so in Geschäftsstraßen und innerstädtischen Wohnquartieren.

Auch Berlin hat übrigens den Fußgänger entdeckt. So ist geplant, 20 grüne Hauptwege einzurichten, die auch den täglichen Einkauf unbehelligt vom Autoverkehr ermöglichen sollen. Rund 500Kilometer sind dafür vorgesehen. Nicht zu verschweigen ist allerdings, dass auch Berlin angesichts knapper Kassen Schwierigkeiten hat, Lücken in den Streckenführungen zu schließen. Ein Projekt, das an die geplante Krefelder Promenade entlang der Bahntrasse erinnert. Dieses kommt allerdings erst langsam und stückweise in die Gänge.

Im niederländischen Houten haben die Planer die Stadt zugunsten von Fußgängern und Radlern in Sektoren aufgeteilt. Autofahrer können nur über einen Umweg über die umlaufende Ringstraße in einen anderen Sektor wechseln. Für Geher und Radler sind dagegen die kurzen Wege offen.

Das Projekt "Walking Bus" geht das Problem an, dass Eltern ihre Kinder aus Sorge um deren Sicherheit mit dem Auto zur Schule bringen. Bei der von Professor Wolf-Dietrich Brettschneider entwickelten Alternative werden die Kinder, derzeit rund 500 in Paderborn, von Erwachsenen auf dem Schulweg begleitet. Wie ein Bus laufen sie nach Fahrplan Haltestellen ab, an denen weitere Kinder "zusteigen" können. Eine Aktion, die von der Landesregierung unterstützt wird. nic

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