AOK präsentiert die Arbeitsunfähigkeitsdaten des ersten Halbjahres. Gerade psychische Erkrankungen werden häufiger erkannt.

AOK präsentiert die Arbeitsunfähigkeitsdaten des ersten Halbjahres. Gerade psychische Erkrankungen werden häufiger erkannt.
Es bleiben mehr Menschen wegern psychischer Erkrankungen zu Hause, weil Ärzte diese häufiger erkennen. F: dpa

Es bleiben mehr Menschen wegern psychischer Erkrankungen zu Hause, weil Ärzte diese häufiger erkennen. F: dpa

Es bleiben mehr Menschen wegern psychischer Erkrankungen zu Hause, weil Ärzte diese häufiger erkennen. F: dpa

Krefeld. Ein Trend ist deutlich erkennbar, wie die Statistik der Gesamtkrankenstände der AOK–Versicherten der letzten fünf Jahre zeigt: Prozentual gesehen steigt der Gesamtkrankenstand stetig an.

„Wir befinden uns in wirtschaftlich gesicherten Zeiten, da bleiben die Leute eher einmal zuhause.“

Hans-Werner Stratmann, Regionaldirektor AOK Rheinland

Gründe dafür sind aber einfach zu finden, wie Hans-Werner Stratmann, Regionaldirektor der AOK Rheinland/Hamburg erklärt: „Wir befinden uns in wirtschaftlich gesicherten Zeiten, da bleiben die Leute eher einmal zuhause, als wenn sie so stark um ihren Arbeitsplatz bangen müssen.“

Bei den AOK–Versicherten steigt zudem der Krankenstand ab 55 Jahren deutlich an, was Stratmann wie folgt erklärt: „Im Alter ist der Verschleiß einfach höher und damit auch die Wahrscheinlichkeit für einen krankheitsbedingten Ausfall.“ Auffällig ist aber auch, dass die Altersgruppe der bis 24-jährigen häufiger krank ist, als die Altersgruppe der 25 bis 35-Jährigen: „Ob man arbeiten geht, hat oft mit der emotionalen Bindung an das Unternehmen zu tun. Wenn keine Bindung besteht, bleiben die meisten eher mal zuhause und dass ist bei der Altersgruppe der bis 24-Jährigen der Fall,“ erklärt Stratmann.

Schaut man sich die Falldauer der Erkrankungen an, zeigt sich, dass neben Arbeitsunfällen, psychische Erkrankungen eine große Rolle spielen: „Jemand der wegen psychischen Problemen krankgeschrieben wird, bleibt im Durchschnitt 27 Tage zuhause“, so Stratmann.

Neben psychischen Erkrankungen sind vor allem Atemwegserkrankungen und Muskel- und Skeletterkrankungen Hauptauslöser der Krankenstände im ersten Halbjahr 2016: „Von 100 Fällen, fallen 60 auf eine Atemwegserkrankung. Das ist allerdings mit der Grippewelle Anfang des Jahres zu erklären“, stellt Stratmann klar.

Genaueres Hinterfragen der Ärzte führt zu anderen Diagnosen

Insbesondere bei den psychischen Erkrankungen sei aber in Frage zu stellen, ob wirklich viel mehr Menschen erkranken, oder eine genauere Diagnose zu diesem Ergebnis führe: „Mittlerweile hinterfragen viele Ärzte genauer. Kommt jemand mit Schulterschmerzen, wird genau hinterfragt, ob es vielleicht psychische Probleme sind, die die Schmerzen auslösen – die bekannte Last, die auf den Schultern liegt.“

Um aber vorab anzusetzen und dafür zu sorgen, dass die Arbeitnehmer erst gar nicht so lange krank werden, rät Stratmann zur betrieblichen Gesundheitsförderung: „Ziel soll es sein, dass man mit 67 gesund in die Rente geht. Damit das klappt, bieten immer mehr Unternehmen betriebliche Gesundheitsförderung an.“ Der Gewinn liegt für alle auf der Hand: „Die Beschäftigten fühlen sich wohler und werden weniger häufig krank und die Arbeitgeber haben dadurch verringerte, krankheitsbedingte Ausfälle. Eine Win-Win-Situation also.“ Zudem führe ein, im wahrsten Sinne des Wortes, gesundes Betriebsklima dazu, dass die Mitarbeiter sich eher ans Unternehmen binden „und das ist wiederrum sehr aussagekräftig für die Fehltage“, so Stratmann.

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