Bernd Kalwa geht zum Jahreswechsel in den Ruhestand. Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates erinnert sich an Kämpfe und bittere Tränen, aber auch an Solidarität.

Edelstahl

Bischof, Andreas (abi)

Krefeld. „Es waren Tränen, die geweint werden mussten“, sagt Bernd Kalwa, wenn er an den 6. Dezember zurückdenkt. Da waren der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, jetzt der Outokumpu-Nirosta GmbH, vorher der Edelstahlsparte Inoxum von Thyssen-Krupp, und rund 300 ehemalige und jetzige Kollegen beim letzten Abstich zugegen.

Dann ging in der Flüssigphase des Stahlwerkes auf dem Areal an der Oberschlesienstraße nach über 110 Jahren der Ofen, in diesem Fall der Elektrolichtbogenofen, aus. Es war für alle Beteiligten ein höchst emotionaler Moment. „Auch für mich persönlich ein sehr bewegender Moment, eine Zäsur – und eine Niederlage“, gesteht Bernd Kalwa im Gespräch mit der WZ. Denn er ist der Meinung, dass die Schließung der Flüssigphase eine falsche Entscheidung war.

Das letzte Jahr war auch das schwierigste

Der gelernte Dreher geht zum Jahreswechsel in den Ruhestand. Und er bezeichnet das auslaufende Jahr 2013 als das schwierigste in seiner Arbeit als Betriebsratsvorsitzender.

Am 28. Dezember 2012 waren die Unterschriften zum Verkauf der Edelstahlsparte geleistet worden, auch die Nirosta GmbH von Thyssen-Krupp ging mit an den finnischen Konzern Outokumpu über. Für die Nirosta waren die Bedingungen für den Übergang in Tarifverträgen zwischen Outokumpu und der IG Metall festgelegt worden.

„Die Belegschaft hatte eine große Erwartung an den neuen Besitzer Outokumpu, die leider enttäuscht worden ist“, sagt Kalwa auch mit einem Blick auf die jetzige Situation. „Der Tarifvertrag und die Hoffnung, dass es ohne weitere Auseinandersetzung in die Umsetzung geht, hielt bis März 2013. Noch heute streiten wir mit Outokumpu, um die Einhaltung der Tarifvertragsvereinbarungen.“

Bernd Kalwa begann 1965 seine dreijährige Ausbildung zum Dreher bei den Deutschen Edelstahlwerken.

Kalwa, Jahrgang 1950, wurde 1985 Vertrauenskörperleiter, 1994 wurde er Betriebsratsmitglied, 1995 Vorsitzender des Betriebsrates von Thyssen-Krupp Nirosta in Krefeld, 2004 Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates von Thyssen-Krupp Nirosta und 2005 Vorsitzender der Betriebsräte-Arbeitsgemeinschaft der Thyssen-Krupp Stainless AG. Mitglied in der IG Metall ist er seit 1972. Nach dem Verkauf der Thyssen-Krupp-Edelstahlsparte Inoxum 2012 an das finnische Unternehmen Outokumpu war er Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Outokumpu-Nirosta GmbH

Geboren ist Bernd Kalwa in Glücksburg. Verheiratet ist er mit Gerlinde Kalwa. Ohne sie hätte er nach eigenen Worten all das nicht leisten können.

Seit 1965, mit dem Beginn seiner dreijährigen Ausbildung zum Dreher bei den damaligen Deutschen Edelstahlwerken, ist er mit dem Edelstahl-Standort an der Oberschlesienstraße verbunden – und nicht nur er. „Nirosta ist ein klassischer Familienbetrieb. Hier sind heute oftmals die Enkel der damaligen Stahlarbeiter beschäftigt. Die Nirosta-Standorte Krefeld und Dillenburg sowie die Flüssigphase in Bochum sind meiner Meinung nach unverzichtbar für den Outokumpu-Konzern.“

1972 trat er in die IG Metall ein, 1982 wurde er zum ersten Mal Vertrauensmann seiner Abteilung. 1985 wurde er Vertrauenskörperleiter – und wollte eigentlich gar kein Betriebsrat werden. „Ich wollte durch die Arbeit als Vertrauensmann Unterstützer für den Betriebsrat sein. Aber 1994 stand ich durch die Abspaltung des Schmiedebereiches vor der Entscheidung, auch für den Betriebsrat zur Verfügung zu stehen. Ich konnte nicht mehr ,Nein’ sagen und wurde 1994 Betriebsrat, 1995 dann Vorsitzender des Nirosta-Betriebsrates.“ Das blieb er bis heute, andere Funktionen kamen hinzu.