Die komödiantische Gruppe wartet in ihrer Historie mit legendären Festen und Aufsehen erregenden Aktionen auf.

Die Hinterhöfler (v.l.): Klaus Schäfer, Bob McCrory, Gerd Rudolph und Karl Malutzki.
Die Hinterhöfler (v.l.): Klaus Schäfer, Bob McCrory, Gerd Rudolph und Karl Malutzki.

Die Hinterhöfler (v.l.): Klaus Schäfer, Bob McCrory, Gerd Rudolph und Karl Malutzki.

Andreas Bischof

Die Hinterhöfler (v.l.): Klaus Schäfer, Bob McCrory, Gerd Rudolph und Karl Malutzki.

Krefeld. „Wir sind Spontankomiker“, so stellen sich die Hinterhöfler vor. In den vergangenen 30 Jahren des vorigen Jahrhunderts haben sie besonders im Westbezirk allerlei Unfug getrieben und Menschen zusammengeführt. Elf Gleichgesinnte hatte 1971 der humorvolle Schreinermeister Gerd Kämper, der erste „Chef“, um sich versammelt. Im Hinterhof des Gebäudes Lehmheide 5 in der Nähe des Zentralfriedhofs traf man sich zu spektakulären Hoffesten. Und schon 1973 stand der Namen der komö-diantischen Gruppe fest. Mehrere „allerletzte Kostümbälle“ feierte man mit Unterstützung der Schmackes Symphoniker, wie die heute noch existierende Schmackes-Band sich seinerzeit nannte.

Das Markenzeichen der Hinterhöfler war die gute Garderobe: Frack, Stresemannhose und Melone. Der jetzige Sprecher Gerd Rudolph verfügt über einen halben Meter Ordner und einen Keller voller Bilder. Er berichtet: „Wir lasen damals eine Kleinanzeige, in der es hieß: ,Gute Garderobe wegen Sterbefall abzugeben’. Da war für uns klar: Wir kleiden uns vornehm und tragen nur geschenkte Klamotten.“

Der Hinterhof verschwindet für einen Supermarkt

Drei Jahre hat es gedauert, bis alle eingekleidet waren. Dafür fielen sie bei ihren Kostümbällen und Fahrrad-Aktionen richtig auf. Ihren wohl größten Erfolg hatten sie bei einem Ausflug nach London. Am berühmten Speakers’ Corner im Hyde Park ließen sie sich fotografieren, denn alle wollten doch typisch englische Gentlemen abbilden. Da erfuhren sie auch, dass ihre historischen Melonen nicht unter 400 Mark pro Stück zu bekommen waren.

Obwohl der Hinterhof inzwischen mit einem Supermarkt bebaut wurde, behielt die begabte Truppe ihren Namen und beteiligte sich am heimischen Karneval, erfand für den Nordbezirk das Kappesfest und trat spontan in Kneipen auf. Man protestierte gegen den Abriss des Wasserturms an der Kreuzung Gladbacher/Heideckstraße und stellte später dort einen Gedenkstein auf. Weil zwei ihrer Mitglieder, Werner Coelen und Rüdiger Tiefers, auch beim Marionetten-Theater Krieewelsche Pappköpp mitmischten, spendeten sie das erste Schild für die Matthes-on-Schäng-Jatz.

Übergroße Fischgräte ist Stadtgespräch

Bei der Installation der neuen Schilder vor einigen Wochen traf man die vier hinterbliebenen Hinterhöfler Bob, Gerd, Karl und Klaus. Natürlich im Hinterhöfler-Outfit. Im Alter sind sie etwas ruhiger geworden. Über den größten Gag der Truppe sprach man in Krefeld fast ein ganzes Jahr. Am 11. Februar 1999, dem Altweibertag, erblickten die erstaunten Anwohner des Bismarckplatzes auf dem Sockel des Bismarckdenkmals eine Skulptur. Die übergroße Fischgräte bekam sofort den Namen Bismarckhering, und die Suche nach dem Schöpfer ging los.

Im April des Jahres konnte die WZ das Geheimnis lüften: Verantwortlich waren die Hinterhöfler, und der Künstler hieß Rüdiger Tiefers. Die damalige Bezirksvertretung diskutierte, ob das „Kunstwerk“ entfernt werden müsse, die Stadtverwaltung schwieg amüsiert.

Im Karnevalszug war der Hering ein Thema. Nach acht Monaten wurde die Skulptur entfernt, ein Forstwalder hatte sie gegen eine großzügige Spende für die Krefelder Tafel übernommen. Tiefers und seine Freunde wollten in keinem Fall den Reichskanzler verunglimpfen und nannten ihr Werk nur Katerfrühstück. Doch der Name Bismarckhering war nicht auszurotten.

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