Die Westdeutsche Zeitung stellt Ihnen die Krefelder Kandidaten für den Bundestag vor: Heute die Grünen.

Krefeld. Es ist ein junges Team, das da für die Grünen in den beiden Krefelder Bundestagswahlkreisen antritt: Ulle Schauws (Krefeld) und Hans Christian Markert (Kaarst) sind beide Anfang 40 und zeigen sich motiviert. Wobei die Geschäftsführerin der Krefelder Grünen-Fraktion mit dem Listenplatz 15 nicht die schlechtesten Aussichten hat, auch in den Bundestag einzuziehen. Markert müsste schon das Direktmandat holen: "Ich gehe mal davon aus, dass ich das knapp verpassen werde", sagt er augenzwinkernd.

Egal, im Wahlkampf geht es für sie auch darum, den grünen Positionen ein Gesicht zu geben. Was also würden die Kandidaten in Berlin für Krefeld bewirken wollen? Hängt doch etwa die Frage, ob Krefeld einen Tunnel für die A57 erhält, von den Entscheidungen des Bundes ab.

Grundsätzlich sind die Grünen gegen einen Ausbau, sondern für flächendeckende Geschwindigkeitsbegrenzung. Da Schauws aber davon ausgeht, "dass es nicht für eine Regierungsbeteiligung reichen wird", will sie sich in Berlin dafür einsetzen, dass Mittel für die Tunnel-Trog-Lösung bereitgestellt werden. "Das wäre optimal für den gesundheitlichen Schutz und unter dem städtebaulichen Aspekt."

Denn die Grünen sehen nicht nur eine solche Finanzierung als Investition vor dem Hintergrund künftiger Herausforderungen. So werfen Schauws und Markert neben den Stichworten Feinstaub- und Lärmbelastung auch in punkto Eiserner Rhein und Kohlekraftwerk die Themen Klimawandel und Finanzkrise in die Waagschale. "Da kommen die drei großen E’s, Energieeffizienz, -sparen und erneuerbare Energien ins Spiel", sagt Schauws. Der so genannte "Green New Deal" also, mit dem sich die Grünen auf den Ökonomen Thomas L. Friedman beziehen. Vereinfacht gesagt sollen dabei durch eine Stärkung ökologisch ausgerichteter Industrie mehr Arbeitsplätze geschaffen, die Wirtschaft angekurbelt und gleichzeitig der Klimawandel gebremst werden.

Sprich, für Bayer schwebt Markert nicht nur ein Gas- und Dampfkraftwerk vor - "die sind einfach effizienter", sondern "ein Chemiekraftwerk auf erneuerbarer Basis". Denn der Kaarster ist überzeugt, dass dies auch finanzierbar wäre: "Wenn man den Markt wirklich entscheiden lassen würde, wären Kohle und Atomkraft schnell abgeschrieben. Sie erfordern ein gehöriges Maß an Subventionen." Die Schauws im Falle einer schwarz-gelben Koalition in Sachen Steinkohle kippen sieht: "Dann wäre der Bau eines Kohlekraftwerks obsolet."

Auch den Eisernen Rhein sieht die Krefelderin noch nicht im Bau: "Die Holländer wollen das nicht zulassen." Und so sei die Wiedergeburt dieser klassischen Güterlinie in den nächsten Jahrzehnten wahrscheinlich "kein Thema". Nichtsdestotrotz rollt es schon jetzt fleißig durch Krefeld und so fordert Schauws "größtmöglichen Lärmschutz für die Bürger". Da sehe sie auch den Bund ein Stück weit in Verantwortung.

Die Kinder müssen in den Mittelpunkt gestellt werden

Ganz anderes Thema: die finanzielle Belastung, die auf die Stadt durch den Ausbau der U3-Betreuung zukommt. "Über die Finanzklemme der Kommunen muss noch geredet werden", findet Schauws, die das Gesetz grundsätzlich unterstützt. "Wir brauchen eine flächendeckende Betreuung." Auch das grüne Programm fordere, die Kinder als Ressource der Zukunft in den Mittelpunkt zu stellen, unter anderem mit einer Kindergrundsicherung. Zur Finanzierung verweist Markert auf das Konzept der Grünen, einen Bildungssoli oder -fond zu schaffen, das so genannte Ehegattensplitting abzuschmelzen.

Anders die Belastung der Kommunen durch die Unterbringung der Hartz-IV-Empfänger: "Ich habe da keine Lösung", gibt Schauws offen zu. Schließlich ist der Finanzierungsschlüssel gesetzlich geregelt. Die steigenden Kosten sieht sie als Folge der Finanzkrise, "aus der wir noch lange nicht ’raus sind". Und so glaubt sie, dass darüber noch einmal ganz neu nachgedacht werden müsse.

Alles Fragen, die sie in Zukunft womöglich weiter als Bundestagsmitglied beschäftigen werden. Schauws und Markert jedenfalls gehen von einem zweistelligen Wahlergebnis aus. "Zwölf Prozent wären klasse", findet der Jurist. "Dann schauen wir mal, was wir draus machen werden."

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