Im letzten Teil der WZ-Serie geht es um die Pappköpp und ihr zauberhaftes Theater an der Peter-Lauten-Straße.

wza_1500x1062_559656.jpeg
Manfred Coelen, Ralf Kochann und Matthes (von links) gehören bei den Pappköpp zu den Hauptfiguren.

Manfred Coelen, Ralf Kochann und Matthes (von links) gehören bei den Pappköpp zu den Hauptfiguren.

A. Bischof

Manfred Coelen, Ralf Kochann und Matthes (von links) gehören bei den Pappköpp zu den Hauptfiguren.

Krefeld. Zurzeit bereitet Matthes sich auf seinen großen Heldenauftritt vor. Als Siegfried will er es mit dem Drachen aufnehmen. Historisch nicht ganz korrekt, wird Burg Linn Schauplatz dieser großen Ereignisse sein: Die "Krieewelungen" nehmen ihren Lauf.

So heißt das neue Stück der Pappköpp, im November startet die neue Spielzeit. Seit 31 Jahren gibt es das Marionetten-Theater, das Krefelder Mundart mit niveauvollem Humor pflegt. Hinter der Galionsfigur Matthes, der auch in der WZ regelmäßig seine Kommentare abgibt, stehen zwei Männer, die ihn auf der Bühne lebendig werden lassen. Manfred Coelen verleiht seine unverwechselbare Stimme, Ralf Kochann bedient als Spielführer die Fäden.

Kochann ist der Vater der Pappköpp. Mit ihm und einer Marionette fing alles an. Um mit Kindern im sprachlichen Bereich besser arbeiten zu können, benutzte der damalige Lehramtsanwärter eine Marionette. "Das hat wunderbar funktioniert" sagt Kochann, der bis heute im Schuldienst tätig ist. Sein Marionettenspiel kam auch bei Erwachsenen gut an, und so gab es im Juni 1979 im Jazzkeller eine erste Aufführung vor Publikum.

Auf dem Programm stand "Der internationale Käseschoppen", inspiriert von der damals populären Fernsehsendung mit Werner Höfer. Die Resonanz war unglaublich groß, weitere Auftritte und Stücke folgten. Eine Gruppe von zehn Spielbegeisterten fand sich zusammen, die Pappköpp waren geboren.

Eine feste Spielstätte gab es viele Jahre nicht. "Wir sind von Hüls bis Linn durch Krefelds Säle gezogen, teilweise mit drei Lkw-Ladungen voll Material", erzählen beide. 2004 bot sich die Gelegenheit: Eine ehemalige Kirche, die zuletzt als Turnhalle benutzt wurde, stand leer. Die Pappköpp konnten das Gebäude von der Stadt mieten und in ein zauberhaftes Theater verwandeln.

Eine Stuckdecke schmückt den langen Raum; wo früher die Orgel stand, ist jetzt die Bühne. An Tischen finden 160 Zuschauer Platz. Marionettentheater mit Mundart ist bis heute ein Erfolgsrezept: Die Vorstellungen sind immer ausverkauft.

Geschichten erzählen, niveauvoll unterhalten, lautet das Credo. "Wir sind zwar Laien, arbeiten aber professionell wie im richtigen Theater" erklärt Coelen. Jedes neue Stück erfordert sorgfältige Proben. Für die liebevoll gestalteten Bühnenbilder haben die Pappköpp einen Profi zur Verfügung. Rüdiger Tiefers war jahrelang am Stadttheater.

Ein Besuch hinter den Kulissen offenbart Ähnlichkeiten mit einem normalen Theaterbetrieb, aber auch Unterschiede. Von der Bühne getrennt befinden sich an beiden Seiten die Pulte für die Sprecher. Sprache und Figur müssen verschmelzen, in dem eingespielten Team verlässt sich jeder auf jeden. Das Spiel mit der Illusion führt dazu, dass das Publikum die starre Mimik der Marionetten vergisst und von dem direkten Kontakt begeistert ist. Das wird zweifellos auch bei Matthes’ Drachenkampf der Fall sein.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer