Dr. Renate Pirling wird am Montag 80 Jahre alt. Das Museum Burg Linn würdigt die ehemalige Direktorin mit einer Schau.

Krefeld. Es war ein Zufall, der Renate Pirling 1949 zur Archäologie brachte. Die für Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Tübingen eingeschriebene Studentin aus Nürtingen landete in einer Vorlesung über Archäologie in Mesopotamien. Seither ließ sie das Forschungsgebiet nicht mehr los.

Zwischen 1961 und 1994 leitete Professor Dr. Renate Pirling als Direktorin das Krefelder Museum Burg Linn. Bereits seit 1958 war sie mit den archäologischen Ausgrabungen im römisch-fränkischen Gelduba am Rhein beschäftigt, die ihr 1962 den Goldhelm des Frankenfürsten Arpvar in dessen reich ausgestattetem Grab bescherten.

Und so würdigt das Museum Burg Linn ihren 80. Geburtstag am Montag mit einer Sonderausstellung über die Ausgrabungen in den Gräberfeldern. Diese beginnt am Sonntag um 11 Uhr. Pirling, die sich weiterhin häufig in Krefeld aufhält und auch im Ruhestand die Dokumentation der Funde weiterführt, wird die Ausstellung mit einem Vortrag eröffnen.

Renate Pirling war 1955 als Assistentin von Professor Dr. Albert Steeger nach Krefeld gekommen, der insgesamt 1198 Gräber freilegen konnte. Als Steeger 1958 starb, wurde ihr zunächst kommissarisch die Weiterführung der archäologischen Forschungen übertragen. Was zu Zeiten Steegers noch als undenkbar gegolten hatte, konnte die Wissenschaftlerin durch ihre über fünfzigjährige Arbeit nachweisen: Rund um das ehemalige Römer-Kastell Gelduba haben Römer und später nahtlos anschließend die Franken Jahrhunderte lang ihre Toten bestattet.

Pirling hatte in Krefeld Pionierarbeit an mehreren Fronten zu leisten. Experten wie Harald von Petrikovits und Kurt Böhner sahen nämlich in Linn wenig archäologische Zukunft. Viel konnte da nicht mehr entdeckt werden, meinten die Fachleute vom Rheinischen Landesmuseum.

Dass dann noch fast unendliche Zahlen von antiken Gräbern, teils mit Broschen, Gläsern, Spangen, Münzen und Pferdeskeletten ausgestattet, unter den Spaten auftauchten, hatte niemand geahnt. Erst recht nicht, dass nach und nach das größte antike Gräberfeld nördlich der Alpen freigelegt wurde. In der Reihe "Das Römisch-Fränkische Gräberfeld von Krefeld-Gellep" hat die Archäologin acht Bände herausgegeben. Für Renate Pirling ist die Arbeit aber noch nicht zu Ende: "Wir brauchen dringend noch den neunten Band, der die historische Auswertung liefert."

Die Bedeutung der Gelleper Funde ist in vielerlei Hinsicht richtungsweisend: So gelten bestimmte Keramik- und Glasformen, die in "Gelduba" zuhauf freigelegt wurden, für die Archäologen gewissermaßen als "Leitfossilien" und werden in der Literatur als "Gellep-Typen" bezeichnet. Ausschlaggebend ist dabei, dass Gellep mit seiner lückenlosen Belegung über sechs Jahrhunderte hinweg genaue chronologische Daten liefert.

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