Michael Passon
Michael Passon,

Michael Passon,

Jochmann, Dirk (dj)

Michael Passon,

Zirkus-Leute sind nicht automatisch Tierquäler, engagierte Tierschützer nicht automatisch bessere Menschen. Und Gras ist grün.

Warum erwähnen wir das an dieser Stelle? Wer die Debatte um den Auftritt der Demonstranten vor dem Zirkus Probst verfolgt, muss den Eindruck gewinnen, dass zwischen diesen Parolen kein Platz ist. Dabei erweist sich das Internet, insbesondere unser geschätztes Facebook, als wahrer Hort für Schreierei, haltlose Beschuldigungen und Blitzableitung. Ein bisschen weniger Schaum vorm Mund wäre der Sache dienlich. Wenn es allen Beteiligten wirklich um die Tiere geht.

Zirkusfamilien leben nicht nur von, sondern auch für die und mit den Tieren. Im Falle Probst seit über 100 Jahren. Sie unterliegen Vorschriften, die immer strenger werden und die sie entweder umsetzten müssen oder für immer einpacken können. Und mit Ihnen hunderte von Angestellten. Und sie haben ein Publikum. Es gibt immer noch tausende von Besuchern, die gern in die Manegen kommen, besonders Familien mit kleinen Kindern.

Natürlich muss ein Zirkusbetreiber damit rechnen, dass es Proteste und eine berechtigte konträre Sichtweise zur Tierhaltung in Wanderzirkussen gibt. Das konnte Probst nach seiner Krefeld-Erfahrung aus den Vorjahren gar nicht anders erwarten. Die einen haben das Recht, ihre Meinung dazu zu sagen, der andere hat das Recht, seinem Geschäft nachzugehen. Solange sich das Recht nicht ändert.

An dieser Stelle kommt die Stadt ins Spiel. Warum hat Krefeld nicht längst die Reißleine gezogen und wie Köln, Solingen oder Viersen ein Wildtierverbot ausgesprochen? Die Stadt hat als Zoo-Betreiberin für die Haltung von Wildtieren einen hohen Qualitätsanspruch. Und dieser muss konsequenterweise auch der Maßstab für Unterhaltungsveranstaltungen sein. Der Weg zum Wildtierverbot in Krefeld führt nicht über lärmenden Aktionismus, sondern über die Fraktionen im Rat.

Dort gehört die Debatte hin, nicht auf die Straße.

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