Gräber sind immer weniger gefragt. Der Trend geht zu alternativen Formen der Bestattung. Ethik und Würde stehen auf dem Prüfstand. Eine Diskussion in der Lutherkirche.

Gräber sind immer weniger gefragt. Der Trend geht zu alternativen Formen der Bestattung. Ethik und Würde stehen auf dem Prüfstand. Eine Diskussion in der Lutherkirche.
In Urnen wie dieser wird die Asche Verstorbener zum Verstreuen an Plätze wie den Bodensee gebracht.

In Urnen wie dieser wird die Asche Verstorbener zum Verstreuen an Plätze wie den Bodensee gebracht.

dpa

In Urnen wie dieser wird die Asche Verstorbener zum Verstreuen an Plätze wie den Bodensee gebracht.

Krefeld. „In der Bestattung hat sich in den letzten Jahren unglaublich viel bewegt – wir erleben einen Kultur- und Wertewandel“, sagte Landeskirchenrat Pfarrer Eckart Schwab am Donnerstag in seinem Vortrag vor Mitgliedern des Krefelder Begräbnisbundes in der Lutherkirche. Sabina Busmann, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Krefeld-Süd, hatte dazu eingeladen. „Ich hatte diese Woche drei völlig unterschiedliche Beerdigungen“, nannte sie ein Beispiel dafür, wie vielfältig inzwischen die Arten der Bestattungen sind.

Ein Internetsuchdienst (siehe Kasten) listet allein 24 Bestattungsarten auf: neben traditioneller Erd-, See- und Feuerbestattung auch ausgefallene Formen wie Kryonik (Kältekonservierung). Immer häufiger finden Bestattungen an anderen Orten oder auf andere Weise statt, zum Beispiel durch Verstreuen der Asche im Meer, in der Luft oder in einem Wald.

Zahl der Feuerbestattungen liegt in Deutschland bei über 50 Prozent

Vor 20 Jahren wünschten noch 87 Prozent der Deutschen die Beisetzung in einem Erd- oder Urnengrab, neun Jahre später waren es nur noch 51 Prozent. „Heute liegt die Zahl der Feuerbestattungen schon bei über 50 Prozent und die Zahl der kirchlich Bestatteten ging in der evangelischen Kirche in den letzten 25 Jahren um 20 auf 70 Prozent zurück“, nennt Schwab aktuelle Zahlen. Die katholische Kirche erlaubt Feuerbestattungen erst seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Bestattungen unter einem Baum machen bereits fünf Prozent aus.

Als „Auswüchse“ bezeichnete Schwab manche der neuen Bestattungsarten. Die Grabvariante, bei der aus Kostengründen mehrere Urnen in schmalen Röhren übereinander gestapelt werden, bezeichnete er als „geschmacklos“. Die Bestattungskosten spielen oft eine wichtige Rolle. Viele Hinterbliebene könnten in einer älter werdenden Gesellschaft die Grabstelle ihrer Eltern kaum mehr selbst pflegen und für die externe Grabpflege fehle das Geld. Ein Hinterfragen der Bestattungskosten und ein Vergleich seien empfehlenswert, wirft eine Besucherin ein. Außer in Bayern gebe es in Deutschland zum Beispiel keine Sargpflicht mehr.

Sorgen bereitet dem Kirchenrat, dass die Bestattungen zunehmend anonym von statten gehen. „Viele sterben einsam und die Gemeinde erfährt es erst nach der Beerdigung“, klagte er. Immer öfter werde auf einen Grabstein verzichtet, unter anderem, um den Angehörigen Kosten zu ersparen. „Dabei wissen viele gar nicht, wie schwer sich ihre Angehörigen mit solchen Entscheidungen tun, zum Beispiel, wenn sie auf eine Trauerfeier verzichten“, spricht Busmann aus eigener Erfahrung.

Für Trauerfeiern und Gräber gibt es ausgefallene Wünsche

Man verwehre den Hinterbliebenen damit einen Ort für Abschied und Trauer. Dabei bleibe auch die Wertschätzung für den Toten selbst auf der Strecke. Die Kirche achte jedoch darauf, dass die Menschenwürde eingehalten werde, auch für die, die nicht kirchlich bestattet werden. Busmann: „Keiner lebt anonym und keiner stirbt bei uns anonym.“

Schwab und Busmann sprechen die zunehmende Individualisierung an – von der Bestattungsform über die Trauerfeier bis zur Grabgestaltung. Von einem ganz bunten Sarg bis zu zur Musikauswahl eines Karnevalisten („Am Aschermittwoch ist alles vorbei“) gebe es die ausgefallensten Wünsche.

Man respektiere weitgehend solche Wünsche, nicht aber, wenn bestimmte Familienmitglieder von der öffentlichen Trauerfeier in der Trauerhalle des Friedhofs ausgeschlossen werden sollen. „Angehörige haben ein Recht zum Trauern“, sagt Busmann.

Die Mitglieder des Begräbnisbundes, darunter Pfarrer und Ehrenamtler, die in der Trauerbetreuung tätig sind, brachten ihre Erfahrung in die Diskussion mit ein. So sei es bewährte Praxis, die Namen von Verstorbenen in Wortgottesdiensten und in ausgelegten Trauerbüchern zu nennen. Bestattungen würden unter anderem auch durch das Sozialamt finanziert.

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