Der Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes Ralf Köpke legt sein Ehrenamt in Krefeld nieder. Im Interview verliert er deutliche Worte über Schwarz-Gelb und Krefelder Firmen.

DGB-Geschäftsführer Ralf Köpke legt sein Ehrenamt in Krefeld nieder. Deutliche Worte über Schwarz-Gelb und Krefelder Firmen.
Ralf Köpke ist von der IG Metall Krefeld zum Deutschen Gewerkschaftsbund NRW gewechselt.

Ralf Köpke ist von der IG Metall Krefeld zum Deutschen Gewerkschaftsbund NRW gewechselt.

Archiv D. Jochmann

Ralf Köpke ist von der IG Metall Krefeld zum Deutschen Gewerkschaftsbund NRW gewechselt.

Krefeld. Schneller als erwartet, doch konsequent. Krefelds DGB-Vorsitzender Ralf Köpke, der am 1. Juli 2017 hauptamtlich von der IG Metall Krefeld zum Deutschen Gewerkschaftsbund NRW nach Düsseldorf gewechselt ist, legt sein ehrenamtliches Mandat nieder. Für den DGB Krefeld nach 16 Jahren unter der engagierten Leitung des 56-Jährigen ein Verlust, für Köpke konsequent. Seine Aufgaben als personalverantwortlicher Geschäftsführer im Landesbezirk fordern diesen Tribut. Im WZ-Interview ist Köpke Mensch und Gewerkschafter, beides gewohnt deutlich.

Als Sie im Sommer gewechselt sind, hieß es: Niemals geht man so ganz. Jetzt sind Sie endgültig weg. Tut’s weh?

Ralf Köpke: Ja eindeutig, es schmerzt schon, ich habe fast 16 Jahre als Vorsitzender des DGB in Krefeld wirken dürfen, habe viele Menschen kennengelernt, unzählige meist gute Gespräche geführt, drei Oberbürgermeister miterlebt und fühle mich mit dieser Stadt sehr verbunden. Hier stecken 16 Jahre vorrangig ehrenamtliches Engagement und viel Herzblut drin.

Was macht den neuen Job spannend, welche sind die Herausforderungen?

Köpke: Richtig spannend ist die Möglichkeit für die Gewerkschaften in NRW mitgestalten zu können, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen den DGB als moderne und zukunftsfähige Organisation weiterzuentwickeln.

Die neue Landesregierung wollte vor allem wirtschaftlich alles besser machen. Tut sie’s?

Köpke: Mal ganz ehrlich, vor lauter Sondierungen fällt NRW so ein bisschen hinten herunter. Die ersten Gesetze der Landesregierung, die so genannten Entfesselungspakete, haben nicht für Amüsement bei den Gewerkschaften gesorgt. Tariftreuegesetz nahezu platt gemacht und die Sonntagsöffnungszeiten ausgeweitet. Daneben noch eine völlig missglückte Haltung zu industriepolitischen Themen. Wenn Minister Pinkwart (Andreas Pinkwart, NRW-Wirtschaftsminister, Anm. d. Red.) auch auf unserem DGB-Kongress im Dezember zu ThyssenKrupp die Aussage tätigt, dass es unternehmerische Entscheidungen sind, dann führt das zu Ärger bei uns und den Beschäftigten.

„Eine Landesregierung muss sich an die Seite der Menschen, der Beschäftigten stellen und nicht auf die Seite einiger weniger Vorstände.“

Was erwarten Sie?

Köpke: Eine Landesregierung muss sich an die Seite der Menschen, der Beschäftigten stellen und nicht auf die Seite einiger weniger Vorstände. Und nun die Geschichte mit dem Einkauf von Stahl aus China für die Rheinbrücke in Duisburg, das kann doch wohl nicht eine ernst gemeinte Wirtschaftspolitik sein. Natürlich sind wir aber auch in Gesprächen und im Dialog mit der Landesregierung und es gibt auch gemeinsame Punkte für die Zukunft.

Die IG Metall steht vor ihrem ersten Generalstreik seit 2003, Drohgebärden oder Entschlossenheit?

Köpke: Eindeutig Entschlossenheit, es ist der IG Metall zu verdanken, dass wir endlich eine Debatte darüber führen, wie die Arbeit der Zukunft und wie Flexibilität aussieht und vor allem darüber, wer bestimmt eigentlich die Arbeitszeit. Wenn die Arbeitgeber weiterhin bei dem Thema völlig blockieren, dann wird es auch zu weiteren Streiks führen und das ist das gute Recht von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in diesem Lande.

Bleiben Sie beim wichtigen Dialog „Zukunft durch Industrie“ für Krefeld am Ball?

Köpke: Im Jahre 2009 habe ich nach einem Besuch im Chempark in Uerdingen diese Idee gemeinsam mit dem damaligen Leiter Dr. Dresely und dem damaligen DGB-Vorsitzenden Guntram Schneider geboren. Diese Initiative ist enorm wichtig für die Entwicklung dieser Stadt. Wir haben unzählige Dialoge geführt, Veranstaltungen und Aktionen gemacht – immer mit dem Ziel, auf Augenhöhe mit den Menschen in dieser Stadt einen Dialog über Industrie, über deren Bedeutung, über gute Arbeit und Wohlstand zu führen. Mit noch 22 000 Beschäftigten in Industrie und Produktion ist es das Herzstück und die Basis für Wertschöpfung in dieser Stadt. Diese Initiative möchte ich gemeinsam mit allen Mitstreitern in Krefeld weiterführen.

Es gibt in Krefeld Baustellen, für die sie sich mit viel Leidenschaft eingesetzt haben. Aus der Ferne: Was fällt Ihnen ein zu Siempelkamp?

Köpke: Zu Siempelkamp fallen mir viele betriebliche Auseinandersetzungen ein. Dieses Unternehmen hat eine zentrale Bedeutung in dieser Stadt und die Beschäftigten, die den Mehrwert erarbeitet haben, sollen das Recht haben, weiter unter guten und tariflichen Bedingungen zu arbeiten.

Siemens?

Köpke: Es ist eine Schande, dass das modernste und effizienteste Schienenfahrzeugwerk der Welt immer wieder durch kurzfristige Profit- und Aktionärsentscheidungen zur Disposition steht. Hier hat sich auch für mich der Slogan eingebrannt: „Mensch vor Marge.“

Fressnapf?

Köpke: Das empfinde ich als große Niederlage. Dass es in unserem Land anscheinend möglich ist, auf Mitbestimmung und Betriebsverfassung zu pfeifen und die Demokratie am Werkstor endet, macht mich wütend.

Schulz?

Köpke: Das ist eine ähnliche Geschichte nur mit besserem Ausgang. Jahrelang hat die Schulz GmbH alles getan, um Gewerkschaft und Betriebsrat fernzuhalten. Nun sind es die angeblich immer so bösen Amerikaner, die mehr Verständnis für Arbeitnehmerrecht in diesem Land zeigen. Die Betriebsratswahlen sind eingeleitet. Wir werden aus diesem Unternehmen in Krefeld aber noch viel hören.

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