Anfang Mai hatte die WZ eine Bürgeraktion zur Rettung des Stadtbades angeregt, um das Gebäude vor weiteren Schäden zu schützen. Vorgestellt hatten wir auch die Stiftung, die sich in Leipzig um eine Reaktivierung ihres historischen Bades bemüht. Doch die Stadt lehnte es mit Verweis auf die laufende Ausschreibung ab, jemanden auf das Gelände zu lassen.

Jetzt, einen Monat später, steht die Verwaltung vor dem Scherbenhaufen der nunmehr vierten Ausschreibung für das historische Gebäude an der Neusser Straße. Jetzt kommt der Frust wieder hoch: Bei den Bewahrern darüber, dass erneut eine Chance und viel Zeit vertan wurde, bei den Gegnern der Wunsch das Gebäude umgehend abzureißen.

Dabei steht das Stadtbad unter Denkmalschutz und damit die Stadt in der Sicherungspflicht. Nach der Wahl soll neu beraten werden. Doch dann wird die Entscheidung nicht einfacher. Möglicherweise sind die Mehrheiten im Rat noch komplizierter, das Geld aus dem Konjunkturpaket ist verteilt. Jetzt gilt nur noch: selbst anpacken oder verschenken.

Leider ist dieses Zaudern nicht nur bei Gebäuden zu beobachten, sondern auch da, wo es um Menschen und deren Arbeitsplätze geht. Das erneute Gerangel um das Kohlekraftwerk ist dem Ernst des Themas nicht angemessen.

Während die Befürworter um ihre Arbeitsplätze, die Gegner um ihre Gesundheit fürchten, schieben Politiker und Verwaltung sich den schwarzen Peter zu, wer denn die Schuld an neuerlichen Verzögerungen beim Genehmigungsverfahren trägt. Das ist auch nicht mit Wahlkampf zu entschuldigen, denn unter anderem kritisiert die CDU "ihren" Oberbürgermeister in seiner Eigenschaft als Chef der Verwaltung.

Man kann sowohl über den Erhalt des Stadtbads als auch über den Bau des Kohlekraftwerkes unterschiedliche Meinungen haben, aber irgendwann muss man eine Entscheidung treffen und auch umsetzen.

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