Schulrat Detlev Stein wünscht sich zügige Entscheidungen von der Landregierung.

Bildung
Der Krefelder Schulrat Detlev Stein.

Der Krefelder Schulrat Detlev Stein.

Dirk Jochmann

Der Krefelder Schulrat Detlev Stein.

Krefeld. Wie wird die Schullandschaft in NRW und damit in Krefeld in Zukunft aussehen? Bleibt es beim dreigliedrigen System mit Gesamtschule? Wohl eher nicht, angesichts schwindender Schülerzahlen und einer bei Eltern wenig beliebten Hauptschule. Hat diese Schulform überhaupt eine Überlebenschance oder ist sie praktisch ein Auslaufmodell? Vieles spricht dafür, dass in Zukunft ein Zwei-Säulen-Modell eingerichtet wird, mit einem Gymnasium und einer Mittel-, Gemeinschafts- oder Stadtteilschule, ganz gleich, wie sie benannt wird.

Das Land muss beschließen, wohin der Weg geht

Es sind Fragen, auf die es zurzeit keine konkreten Antworten gibt. Die Verantwortlichen in den Kommunen müssen vor dem Hintergrund einer noch unklaren Entwicklung planen. „Wir würden uns freuen, wenn es im Land zügig zu nachhaltig wirksamen politischen Beschlüssen kommt, damit wir wissen, wohin der Weg geht“, sagt der Krefelder Schulrat Detlev Stein. Die Entscheidung ist jedoch bei schwachen Mehrheitsverhältnissen nicht ganz einfach.

Spannend sei die Entwicklung derzeit allemal. Vielfältige organisatorische und vor allem pädagogische Belange seien für die Schulstruktur der Zukunft zu beachten, so der Fachmann. „Es ist ein komplexes Thema, das sehr differenziert betrachtet werden muss.“

Noch ist die Hauptschule in der Verfassung verankert

Noch ist die Hauptschule in der NRW-Verfassung verankert. Das ist jedoch keine Überlebens-Garantie. „In Krefeld hat es 1975 noch fünfzehn Hauptschulen gegeben. Die Hauptschule an der Hafelsstraße war mit über 1000 Schülern einst für kurze Zeit die größte in NRW. Schon Ende der 80er Jahre zählte sie nur noch rund 400 Schülerinnen und Schüler.“ Die heute noch verbliebenen acht Hauptschulen werden sich auf fünf reduzieren, weil die Einrichtungen an Wehrhahnweg, Danziger Platz und Inrather Straße bald der Vergangenheit angehören werden.

Gründe für das Hauptschul-Sterben sieht Stein neben dem demografischen Wandel darin, dass die Eltern nach der Grundschule zunächst den höchstmöglichen Bildungsabschluss für ihre Kinder wählen. „Außerdem möchten sie eine verlässliche Schule, die Bestand hat.“

Schule der Zukunft wird eine immer größer werdende Herausforderung. „Heterogene Schülerschaften verlangen eine hohe Professionalität; die Lehrer brauchen mehr Unterstützung und Fortbildung, sie dürfen nicht allein gelassen werden“, sagt Schulrat Detlev Stein.

Das ist ein wichtiges Stichwort für die Zukunft. In der „Schule für alle“ soll der gemeinsame Unterricht von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung in Grundschulen wie in weiterführenden Schulen kräftig ausgebaut werden. Hier stellt sich die Frage, wie Schule das bewältigen wird.

NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann hat jetzt erstmals konkrete Schritte zum Aufbau eines inklusiven Bildungssystems angekündigt. Die Ministerin möchte kurzfristig einen Erlass, der verpflichtet, die derzeitige Schulrechtslage konsequent im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention anzuwenden. Damit soll der Ausbau des gemeinsamen Unterrichts angekurbelt werden. Zwangszuweisungen von Kindern und Jugendlichen zu Sonderschulen sollen der Vergangenheit angehören.

Gingen früher rund 70 Prozent eines Jahrgangs auf die Hauptschule, sind es in Krefeld jetzt gerade einmal zwölf Prozent. Die Hauptschulen haben „dünne“ Eingangsklassen und boomen erst ab Klasse sieben, wenn diejenigen Kinder kommen, die an der Realschule oder dem Gymnasium nicht erfolgreich waren.

In dem Fall wird die Hauptschule zum Auffangbecken. Dabei bietet sie mit dem Abschluss der 10 B die Fachoberschulreife und damit gute Voraussetzungen für den Einstieg in das duale System.

Eltern und Schüler sollten Chancen der Hauptschule sehen

„Es muss bei Eltern und Schülern deutlich werden, dass Arbeit bereichernd ist, ein Beruf Spaß machen kann und für die Gesellschaft von außerordentlichem Wert ist“, so Stein. „Anerkennung gebührt allen beruflichen Tätigkeiten, ganz gleich, ob es sich um handwerkliche, soziale oder akademische Berufe handelt.“

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