Friedrich spielt Detektiv – und fasst einen Serienräuber.

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Friedrich im Einsatz: Am Mittwoch machte er seinen ersten großen Fang.

Friedrich im Einsatz: Am Mittwoch machte er seinen ersten großen Fang.

Dirk Jochmann

Friedrich im Einsatz: Am Mittwoch machte er seinen ersten großen Fang.

Krefeld. Friedrich hat einen ganzen Koffer voller Detektiv-Utensilien. Lupe, Taschenlampe, Fernglas und sogar UV-Licht - "eine kleine Ausrüstung für Anfänger-Detektive", sagt der Zehnjährige.

Er kann jetzt wohl aufrüsten, denn spätestens seit Mittwoch ist klar, dass der Fünftklässler alles andere als ein Anfänger ist. Da hat Friedrich der Polizei geholfen, einen Serienräuber zu fassen (die WZ berichtete).

"Ich war gerade auf dem Weg zu meinem Freund, mit dem ich Detektiv spielen wollte", erzählt der Junge, und es klingt immer noch ein wenig Aufregung in seiner Stimme mit.

Kurz vor dessen Haus an der Tiergartenstraße kam ihm ein Radfahrer entgegen, den der Zehnjährigen merkwürdig fand: "Er fuhr so schnell. Und er war ein komischer Typ."

Was Friedrich nicht ahnte: Der Mann hatte wenige Minuten zuvor ein Kosmetikstudio an der Kaiserstraße ausgeraubt. Und in den Tagen zuvor bereits vier weitere Überfälle begangen.

Der Täter stieg ein Stück weiter vom Rennrad, warf es in ein Gebüsch, zog sich Mütze und Jacke aus und lief schnell weiter. Das alles kam dem Jungen sehr verdächtig vor.

Und deswegen nahm er die Verfolgung auf. "Ich hab’ gedacht: Kalle Blomquist - ich bin vor der Polizei", erzählt Friedrich, der ganz vorsichtig war - wie ein echter Detektiv eben: "Der Mann hat sich ständig umgedreht. Deswegen bin ich immer zur Seite gegangen, damit er mich nicht sieht."

An der Grenzstraße verlor er den Flüchtenden aus den Augen. Dafür sah er auf der Uerdinger Straße Streifenwagen, "richtig laut und mit Blaulicht". Deshalb schaute er nach, wo sie hinfuhren. Und entdeckte sie vor dem Kosmetikstudio an der Kaiserstraße.

Dort sprach er die Polizisten an, die sofort mit ihm dorthin fuhren, wo er den Verdächtigen gesehen hatte. Er konnte ihn hervorragend beschreiben. Gemeinsam mit einem Beamten suchte er Mülltonnen ab - möglicherweise hatte der Mann seine Kleidungsstücke auf der Flucht in eine geworfen.

Wenig später wurde der 41-Jährige auf der Hardenbergstraße von einer Zivilstreife gefasst. Zu diesem Zeitpunkt ist Friedrich von den Polizeibeamten schon mit Lob überschüttet worden.

"Wegen des Detektivspiels habe ich vor ein paar Tagen noch zu ihm gesagt: Ich bin in meinem ganzen Leben noch keinem Räuber begegnet. Das wird Dir auch nicht passieren", sagt Friedrichs Mutter und muss schmunzeln.

Der Zehnjährige beobachtet als Detektiv gerne Menschen, macht sich Notizen und sichert Fingerabdrücke. Manchmal steht er auch mit einem Fernglas am Fenster. Ob er mal ein richtiger Detektiv werden will? "Ja! Oder lieber Polizist."

Wie das so ist als Ordnungshüter, davon kann er sich bald selbst überzeugen. Denn er soll ins Polizeipräsidium eingeladen werden, wo man ihm für seinen mutigen Einsatz danken will.

Vielleicht muss die Polizei auch noch mit in seine Schulklasse kommen, um den Mitschülern die Heldentat von Bockum zu bestätigen. "Als ich das erzählt habe, hat mir keiner geglaubt", sagt Friedrich.

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