Sorgen um das Grundwasser und die Atemwege: Die Gülle aus Holland ist laut Herbert Ruhnau in Traar und Verberg ein Problem.

Sorgen um das Grundwasser und die Atemwege: Die Gülle aus Holland ist laut Herbert Ruhnau in Traar und Verberg ein Problem.
Felder werden mit Gülle gedüngt – in geregelten Maßen spricht da auch nichts gegen. Allerdings sieht die Realität anders aus. Symbol

Felder werden mit Gülle gedüngt – in geregelten Maßen spricht da auch nichts gegen. Allerdings sieht die Realität anders aus. Symbol

dpa

Felder werden mit Gülle gedüngt – in geregelten Maßen spricht da auch nichts gegen. Allerdings sieht die Realität anders aus. Symbol

Herbert Ruhnau hat sie schon oft gesehen. Die Tanklaster aus den Niederlanden, die Gülle nach Krefeld bringen und dort umgeladen werden, bevor die Substanz auf den Feldern in Verberg und Traar verteilt wird. Der Anwohner ist verärgert: „Sollen die Holländer doch selbst ihren Mist bei sich in die Erde tun und selbst Nitratprobleme haben. Bei uns stinkt dann das ganze Dorf. Wir atmen alles ein. Unser Grundwasser wird verseucht.“

Nicht nur Ruhnau dürfte darüber verstimmt sein. Der Ärger mit dem Gestank der Gülle ist so alt wie die moderne Landwirtschaft selbst. Die Mischung aus Kot und Harn von Schwein und Rind ist für die menschliche Nase eine Zumutung – in erster Linie der Schwefelwasserstoff –, für Pflanzen und Äcker jedoch ein Nährstoffträger. Gesundheitsgefährdend sei das Gas aber in den Mengen nicht, die sich gemeinhin in der Düngung befinden und sich in der Luft schnell verflüchtigen, schreibt die Landwirtschaftskammer NRW.

„Sollen die Holländer doch selbst ihren Mist bei sich in die Erde tun und Nitratprobleme haben. Bei uns stinkt das ganze Dorf.“

Herbert Ruhnau, genervter Anwohner

Da die Niederlande einen Überschuss an Gülle haben, wird ein Teil auch ins Nachbarland Nordrhein-Westfalen exportiert, wie Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW erklärt. Es gebe eine Kooperation. Im Jahr 2016 waren es laut Nährstoffbericht NRW etwa 238 000 Tonnen, die Tendenz ist aber rückläufig. „Güllefahren ist zu 99 Prozent erlaubt. Ob die aus Deutschland oder der Europäischen Union kommt, ist egal. Nicht jeder Tankwagen mit gelbem Nummernschild kommt aber aus den Niederlanden. Es ist ökologisch sinnvoll. Das Güllefahren unterliegt aber vielen Auflagen“, sagt Rüb.

Nicht bei jedem Wetter darf gefahren werden. Es braucht bestellte Felder, Wärme und Feuchtigkeit, um den Mineralisierungsprozess in Gang zu setzen. Die Bakterien zersetzen die Substanz, die Pflanzen nehmen die Nährstoffe auf. Später werden sie im Stall wieder an die Nutztiere verfüttert. So ist der Kreislauf gedacht.

Düngeverordnung von 2017 soll helfen, den Boden zu entlasten

Rüb: „Die Anzahl der Tage, an denen man Gülle ausfahren darf, nehmen ab. An wenigen Tagen wird dann also mehr ausgefahren.“ Die neue Düngeverordnung von 2017 (siehe Kasten) soll dabei helfen, das Nitrat im Boden zu reduzieren, das das Grundwasser belastet. Das entsteht durch chemische Prozesse mit dem Gülle-Bestandteil Ammoniak. Das Münsterland und der Niederrhein wiesen in den zurückliegenden Jahren eine hohe Nitratbelastung auf, wie das Landesumweltministerium in Düsseldorf in seinem Fachbericht schreibt.

In beiden Regionen gibt es auch verhältnismäßig viel Viehbestand. Das könnte sich irgendwann auf die Preise für sauberes Leitungswasser auswirken, wenn hohe Anstrengungen erforderlich sind, um das Nitrat auszuwaschen.

Auch daran hat Ruhnau schon gedacht.

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