Die Weihnachtserinnerung, von der WZ-Redakteurin Claudia Kook erzählt, liegt bereits und 40 Jahre zurück.

Beim Gottesdienst zum Reformationstag ist auch die Zusammenarbeit der Konfessionen Thema.
Auf die Weihnachtsandacht freute sich unsere Redakteurin Claudia Kook als Kind immer sehr. Doch einmal wurde ihr eine am Heiligen Abend voll besetzte Kirche zum Verhängnis.

Auf die Weihnachtsandacht freute sich unsere Redakteurin Claudia Kook als Kind immer sehr. Doch einmal wurde ihr eine am Heiligen Abend voll besetzte Kirche zum Verhängnis.

Andreas Bischof

Auf die Weihnachtsandacht freute sich unsere Redakteurin Claudia Kook als Kind immer sehr. Doch einmal wurde ihr eine am Heiligen Abend voll besetzte Kirche zum Verhängnis.

„Es war einmal. . .“ – so fangen nicht nur die Märchen aus meiner Kindheit an und die, die ich heute meiner Tochter vorlese. Weihnachten ist in meiner Familie auch die Zeit, in der sich alle die Geschichten der vergangenen Heiligen Abende erzählen. Wenn es nicht von selbst passiert, kommt spätestens nach einer Stunde gemütlichem Beisammenseins von einem der Jüngeren zum Beispiel die Frage „Wie war das noch mal, als Mama damals das Salz mit dem Zucker verwechselt hat?“, „ . . . als mitten beim Weihnachtsessen der Baum umfiel?“, „ . . . als die CDs mit der Klassik und den Popsongs vertauscht wurden und die Rockmusik als Geschenk zur Tante Nonne ins Kloster geschickt wurde?“ oder „ . . . als der Uropa mitten im Krieg in eine Kirche ging und dort mit den Soldaten, mit denen er sich sonst beschossen hat, Gottesdienst gefeiert hat?“

30 Minuten ging es über die verschneiten Felder

Mein Erlebnis, von dem ich immer wieder berichten muss – und das zugegebenermaßen vielleicht auch jedes Jahr ein bisschen ausgeschmückt wird – ist im Vergleich zu solchen Geschichten eigentlich ein Nicht-Erlebnis. Trotzdem wollen es alle immer und immer wieder hören. Und zwar genau so: Es war einmal vor etwa 40 Jahren, ich war also Grundschulkind. Damals war es noch so, dass man nicht für jeden Weg gleich ins Auto stieg. Zum Gottesdienst am Heiligabend ging es für mich und meine Familie also auch zu Fuß zur Kirche. Obwohl ich mit meinen kurzen Beinen dafür sorgte, dass es ein 30-minütiger Marsch werden sollte. Durch die Felder, dick eingemummelt. Und im besagten Jahr zu meiner großen Freude bei Schnee.

Das war Entschleunigung pur, als das Wort noch niemand kannte. Und es war zu einer Zeit, als es noch dunkel war, wenn man abends spät über Felder ging und wirklich nur die Sterne leuchteten und nicht die Wohngebiete um einen herum auf eine unangenehm penetrante Art.

Die 30 Minuten Marsch kamen mir damals ewig vor. Nicht nur, weil die Kälte langsam durch meine Stiefel und unter meine Handschuhe kroch. Eher, weil ich so gespannt auf den Gottesdienst war. Aus den gleichen Gründen, warum auch heute Menschen, die das ganze Jahr keine Kirche betreten, am Heiligabend die Gotteshäuser fast zum Platzen bringen. Außer dem Krippenspiel freute ich mich auf laut geschmetterte Weihnachtslieder, wie sie nur in einer solchen Akustik zum Klingen und Schwingen gebracht werden.

Während ich kleine Wölkchen in die kalte Luft pustete, war sie dann vom Feldweg aus schon von weitem zu sehen: die Kirche – ihre hell erleuchteten bunten Fenster konnten gar nicht schnell genug immer größer werden. Und endlich waren wir da, fanden nach dem anstrengenden Gestapfe durch den Schnee noch so gerade einen Platz zum Sitzen, in dem muckelig geheizten Raum kroch langsam das Gefühl zurück in meine Hände und Füße. Überall brannten Kerzen. Wundervoll, einfach schön, was für ein Abend. Der Pfarrer begrüßte die Gemeinde. Ich lehnte meinen Kopf an die Schulter meiner Mutter – und schon war ich eingeschlafen.

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