Ihre Familien sehen die Fahrer der Räumfahrzeuge derzeit nur selten. Die Sicherheit der Krefelder geht vor.

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Ein seltenes Bild in Krefeld: Selbst auf der Hochstraße ist alles tief verschneit.

Ein seltenes Bild in Krefeld: Selbst auf der Hochstraße ist alles tief verschneit.

Christoph Vetten und Edmund Sommer (links) schippen die weiße Pracht.

Dirk Jochmann, Bild 1 von 2

Ein seltenes Bild in Krefeld: Selbst auf der Hochstraße ist alles tief verschneit.

Krefeld. Für die Männer der Gesellschaft für Stadtreinigung und Abfallwirtschaft (GSAK) ist "Daisy" eine von vielen ernst zu nehmenden Winterbekanntschaften. Ernst Bongen (47) und rund 90 weitere Kollegen sind seit Samstag früh um drei Uhr im Sondereinsatz. Mit dem 440 PS starken Räum- und Streufahrzeug (eines von insgesamt neun der GSAK) legt Bongen am Wochenende jeweils rund 460 Kilometer auf Krefelds Straßen zurück.

Am Südwall/Ecke Westwall muss er passen. Er kommt mit seinem 2,80 Meter breiten Räumschild nicht zwischen den parkenden Autos durch. Das Fahrzeug mit dem acht Tonnen Sand-Salz-Gemisch muss einen Umweg über die Tannenstraße nehmen. "Das kostet halt alles viel Zeit", sagt Ernst Bongen und hätte noch viel mehr über leichtsinnige Autofahrer zu erzählen.

"Wenn wir zum Beispiel in Formation mit zwei Räumfahrzeugen mehrspurige Abschnitte freimachen, wie den Europaring, dann gibt es immer noch Fahrer, die uns überholen wollen." Philadelphiastraße, Bleichpfad, St.-Anton-Straße, West-, Süd-, Ostwall, Friedrich-, Marktstraße standen auch auf seinem Plan.

Nach dem Räumen fährt Ernst Bongen die Tour nochmal. "Zum Vorstreuen, denn für Nachmittags und Abends sind wieder starke Schneefälle vorhergesagt," erklärt er.

"Das geht jetzt seit über drei Wochen so, seit Weihnachten mit den Sonderschichten", sagt der Familienvater, auf den zu Hause in Bockum Frau Silvia und fünf Kinder warten. "Da wollen wir jetzt nicht ´drüber reden, wie das Familienleben momentan aussieht", meint Bongen.

Selbst zu Heiligabend ruft die Arbeit im Schnee

Holger Funke leitet die Einsätze bei der GSAK. Der in Hüls wohnende 42-Jährige ist seit rund 25 Jahren für die GSAK und war davor für die städtische Müllabfuhr tätig. In "normalen" Jahreszeiten ist Funke Leiter des GSAK-Fuhrparks. Im Einsatz hatte er am Wochenende zudem 20 Mitarbeiter von fünf privaten Unternehmen. Dazu kamen die Fahrer und Mitarbeiter der Müllabfuhr.

Seine Frau jedenfalls bekomme er derzeit nur noch recht selten zu sehen. "Auch an Heiligabend war ich draußen", sagt der Berufskraftfahrer, der Betriebsratsvorsitzender bei der GSAK ist.

Inzwischen haben sich auf seinem Überstunden- und Freizeitkonto rund 90 Stunden angesammelt. Die werden teilweise bezahlt, teilweise kann er sie abfeiern. Er weiß zurzeit bloß nicht, wann er das machen könnte. Am Sonntagnachmittag ging er auf Rufbereitschaft in den Feierabend, um dann am Montag zur Spätschicht ab 3 Uhr zurückzukehren - wenn nichts dazwischen kommt.

Am Südwall sind die Handkolonnen der GSAK unterwegs. Christoph Vetten und Edmund Sommer machen die öffentlichen Gehwege, Fußgängerüberwege an Kreuzungen oder Elektroschaltkästen der SWK frei: Archaisch mit dem Schneeschieber und einem Eimer voller Sand.

Auch sie sind seit fünf Uhr Morgens im Einsatz. "Wenn es um die Sicherheit der Menschen geht, dann muss die Familie eben zurückstehen", seufzt Edmund Sommer und zuckt die Schultern, ehe er schwungvoll und per Hand Sand auf die Gehwegplatten streut. Auch sie legen erst am Nachmittag Schieber und Eimer beiseite und gehen in den Feierabend.

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