Neben Venlo pflegt Krefeld auch Kontakte zu der Stadt an der Nordseeküste – wenn auch sparsam.

Krefeld/Leiden. Es gibt Partnerstädte, mit denen funktioniert der Austausch fast von ganz von alleine. Venlo ist so ein Positivbeispiel. Viele Krefelder machen sich regelmäßig auf den Weg in die rund 40 Kilometer entfernte Stadt an der holländischen Grenze. Sie kaufen dort ein, studieren oder arbeiten dort.

Doch Krefeld hat noch einen weiteren Städtepartner im Nachbarstaat: Leiden, das in der Nähe von Den Haag liegt, nur einen Steinwurf von der Küste entfernt. Doch der Kontakt dorthin ist seit den 80er Jahren spärlich geworden. Karsten Schüller, Leiter des Ratsbüros, in dem die Partnerschaften koordiniert werden, erklärt, wie das passieren konnte.

Herr Schüller, wie kommt es, dass Leiden keiner leiden kann?

Karsten Schüller: So kann man das nicht sagen, Leiden ist eine wunderschöne Stadt. Die Partnerschaft ist leider eingeschlafen, das ist der richtige Ausdruck dafür. Bis Anfang der 1980er Jahre war der Kontakt noch sehr rege, deshalb wurde auch 1974 die Partnerschaft offiziell besiegelt. Damals, als die Mauer noch stand, war Europa aber noch kleiner, die Menschen haben sich stark auf die EU konzentriert. Außerdem ist es meines Wissens beinahe einzigartig für eine Stadt, dass sie Partnerschaften zu zwei Gemeinden in einem Land pflegt. Mir sind nur Dünkirchen und Kayseri bekannt, die neben Krefeld partnerschaftliche Beziehungen zu weiteren deutschen Städten unterhalten. Wahrscheinlich konzentrieren sich viele Krefelder auf Venlo, weil es so nah ist, ohne zu ahnen, dass es da auch noch Leiden gibt. Allerdings wissen wir natürlich auch nicht über jeglichen Austausch Bescheid und würden uns daher freuen, wenn sich Krefelder melden, die Kontakte nach Leiden pflegen.

Wann gab es denn das letzte Lebenszeichen aus Leiden?

Schüller: Da kommt immer mal wieder etwas, aber es haben sich noch keine festen intensiven Kontakte wie zum Beispiel mit Leicester ausgebildet. Da pflegen ja zum Beispiel die Feuerwehrleute eine intensive Beziehung. Letztens wurde uns aber gemeldet, dass es einen Wechsel im Partnerschaftsbüro gab. Und 2005 wurde Krefeld viel Platz im Buch "Leidens wahre Freunde" gewidmet. Daran sieht man, dass die Partnerschaft nur ruht.

Was tut Krefeld denn dafür, um die Städtepartnerschaft wieder wachzuküssen?

Schüller: Oberbürgermeister Gregor Kathstede hat kürzlich einen Brief nach Leiden geschickt, um das anzuschieben. Er hat darin den Wunsch geäußert, der Beziehung wieder Leben einzuhauchen, und dazu den Bürgermeister von Leiden zu einem Besuch eingeladen. Schließlich ist es unser Bestreben, die bestehenden Partnerschaften zu pflegen, weil neben kulturellen und sozialen auch wirtschaftliche Aspekte eine Rolle spielen. Bisher haben wir aber noch nichts gehört.

Was macht Leiden denn besonders reizvoll?

Leiden ist seit Oktober 1974 Partnerstadt von Krefeld.

Mit fast 120000 Einwohnern gehört Leiden zu den größten Städten in den Niederlanden.

Einer der bedeutendsten und bekanntesten niederländischen Künstler, Rembrandt van Rijn, wurde am 15. Juli 1606 in Leiden geboren. Das Geburtshaus ist nicht erhalten.

Wer Kontakt zur Partnerstadt sucht, kann sich im Büro des Rates bei Sandra Hansen unter Ruf 86 15 62 melden.

Schüller: Ich bin persönlich noch nicht da gewesen, obwohl ich gerne an der holländischen Küste bin. Aber ich habe gehört, dass dort die älteste Universität der Niederlande beheimatet ist. Das Hauptgebäude liegt an einer der bekanntesten Grachten in ganz Holland, der Rapenburg. Außerdem gibt es in Leiden viele Museen mit nationaler Bedeutung, die wunderschönen gotischen Kirchen Hooglandse Kerk und Pieterskerk, einen Botanischen Garten, der mehr als 400 Jahre alt ist und in dem 1594 die ersten Tulpen auf holländischem Boden blühten, und die Muurgedichten. Das sind 101 Texte an Häuserwänden in der Innenstadt, die von unbekannten und bekannten Dichtern wie Federico García Lorca geschrieben wurden.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer