Die Debatte ums Theater ist auch ein Kampf um die öffentliche Meinung. Mit zunehmender Besorgnis haben CDU und FDP in den vergangenen Wochen registriert, wie die Proteste gegen den Sparkurs heftiger wurden und eine gefährliche Eigendynamik entwickelten. Um im Jahr der Kommunalwahl dem Volkszorn zu entgehen, haben die Gladbacher nun eine schmerzhafte Wende vollzogen.

Umso bitterer ist die Erkenntnis, dass dies möglicherweise nicht reicht. Schon im Oktober hatte Generalintendant Jens Pesel klar gemacht, dass nur ein vollständiger Ausgleich der Tarif-Erhöhungen das Haus vor einem künstlerischen Desaster retten kann. Nach seiner Rechnung fehlen nach wie vor 600 000 Euro: Als Folge sieht er ein "Horrorszenario", und viele Bürger glauben ihm: In Krefeld und Gladbach bilden sich Initiativen und planen Demonstrationen. Der Albtraum der Wahlkämpfer geht weiter.

In dieser Situation sind die Sparvorschläge der Krefelder CDU eine Flucht nach vorn. Im Wissen, dass Gladbach sich keinen Millimeter mehr bewegen wird, versuchen die Politiker, die öffentliche Wahrnehmung zu verändern und präsentieren ihre eigene Rechnung. Ob sie umsetzbar ist, bleibt zumindest zweifelhaft - denn das Theater ist bislang außen vor. An den dortigen Realitäten müssen sich die Vorschläge messen lassen.

Dennoch hat der CDU-Vorstoß etwas Positives - nicht nur aufgrund des mutigen Versprechens, auf keinen Fall im künstlerischen Bereich zu sparen. Noch wichtiger ist, dass nach Monaten einer absurden Debatte, in der die Politik dem Theater massiv geschadet hat, nun endlich über Inhalte geredet wird. Es ist allerhöchste Zeit. Denn wenn nächste Woche keine brauchbare Entscheidung fällt, ist die Spielzeit 2009/10 abgehakt, bevor sie begonnen hat. Es hat nichts mit "Untergangsstimmung" zu tun, für diesen Fall einen Tod auf Raten zu prophezeien.

Der Anlass für die Demo am Donnerstag hat sich also keinesfalls erledigt. Im Gegenteil: Das Theater hat die Unterstützung so nötig wie nie.

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