Die katholischen Pfarren müssen sich bis 2013 völlig neu organisieren.

Krefeld. Es ist ein schmerzhafter Prozess, den das Bistum Aachen seinen Mitgliedern abverlangt. Ausgelöst durch die wegbrechenden Finanzen in der katholischen Kirche und die immer geringer werdende Anzahl der Pfarrer hat schon vor neun Jahren die Arbeit an einer Umstrukturierung der Pfarren im Bistum begonnen. An dessen Ende soll es in Krefeld nur noch fünf so genannte Gemeinschaften der Gemeinden geben, bestehend aus elf zum Großteil fusionierten Pfarren.

Angesichts der Identifizierung der Gemeindemitglieder mit ihrer Pfarre eine schwierige und damit langwierige Aufgabe. So wurde heftig darüber diskutiert, wo eine Zusammenarbeit überhaupt sinnvoll ist, wo Strukturen der Gemeinden zusammenpassen.

Die größte Gemeinschaft der Gemeinden findet sich im Süden

Mit der Entscheidung Bischof Heinrich Mussinghoffs im März dieses Jahres ist den Diskussionen zumindest offiziell ein Ende bereitet worden. Bis spätestens 2013 erhält das katholische Krefeld demnach ein ganz neues Gesicht.

Dort, wo die meisten Gemeindemitglieder ihrer Kirche den Rücken gekehrt haben - in der Innenstadt - drängen sich auch die meisten Kirchengebäude. Die acht einstigen Pfarren sind mittlerweile zu zweien fusioniert worden. Sie bilden die Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Mitte. Zu Heilig Geist gehören St. Elisabeth, St. Franziskus, St. Stephan und St. Antonius. Letztere, eine Bunkerkirche, ist bereits abgerissen. Die Pfarre Johannes XXIII. setzt sich aus Liebfrauen, St. Josef, St. Dionysius und Norbertus zusammen. Das Kirchengebäude von Norbertus ist verkauft.

Die größte GdG im Hinblick auf die einstigen Pfarren wird die GdG Süd bilden. Bis zum Jahr 2010 sollen St. Johann Baptist, St.Martin, St. Bonifatius, Herz Jesu Königshof und St.Clemens fusionieren. Bis 2013 jeweils St. Mariä Heimsuchung (Forstwald) und St.Michael sowie St.Karl Borromäus, Heilige Schutzengel und Pax Christi. In Forstwald, Lindental und Karl Borromäus (Oppum) wird das so genannte Moderatorenmodell bereits umgesetzt. Will heißen, hier haben die "Laien" das Heft in die Hand genommen.

In einer Gemeinschaft der Gemeinden schließen sich die Gemeinden vor allem zwecks Kooperation auf seelsorgerlicher Basis zusammen. Die Pfarren behalten ihre Eigenständigkeit. Sie haben noch eigene Gremien, bilden aber einen gemeinsamen Kirchengemeindeverband.

Der Kirchengemeindeverband übernimmt die Trägerschaft für das Personal der Gemeinden und/oder für die Kindertages- und Jugendfreizeitstätten. Zu einem KGV gehören alle Pfarren einer GdG. Ab 2010 gehen die Schlüsselzuweisungen des Bistums für Personalkosten an die KGV, für Sachkosten an die Kirchengemeinden.

Ein Verwaltungszentrum soll für die Region Krefeld-Viersen zuständig sein. Das Bistum sieht dies als Dienstleister, der die Pfarren bei der Verwaltung von Finanz-, Personal- und Immobilienangelegenheiten entlasten soll.

Zu einer riesigen Pfarre, die noch namenlos ist, sollen die Gemeinden im Norden zusammenwachsen. Hierzu gehören St.Gertrudis, Herz Jesu (Bockum), Christus König, St.Hubertus und St.Josef (Traar).

Die Pfarre St.Anna, die ursprünglich zum Norden gerechnet wurde, soll nun die GdG Nord-West verstärken. Vorgesehen ist, dass sie mit St.Elisabeth von Thüringen und Thomas Morus bis 2013 zu einer Pfarre fusioniert. Zudem wird die weiter eigenständige Pfarre St.Cyriakus der GdG Nord-West zugeschlagen. In Hüls hatte man eigentlich eine große GdG mit Kempen. St. Hubert und St.Tönis angestrebt.

Bleibt noch die GdG Ost. In Linn sind Maria Himmelfahrt und St.Margareta längst fusioniert. Diese Pfarre bleibt innerhalb der GdG eigenständig, ebenso wie St.Andreas (Gellep). Zusammenschließen sollen sich St.Peter, St.Paul, St.Heinrich, St.Pius X. und St.Matthias.

Ein Kraftakt, in dem für Regionaldekan Johannes Sczyrba vor allem ein Ziel wichtig bleibt: Die Seelsorge vor Ort, die Nähe zum Menschen müsse gewährleistet bleiben. "Es ist jetzt wichtig, dass sich die Menschen an einen Tisch setzen und sehen, wie die kleinen Einheiten mit selbstständigem Leben gestaltet werden können." Das dürfe nicht von oben kontrolliert geschehen. "Kirche lebt schließlich von den kleinen Zellen."

Für Sczyrba ist das Moderatorenmodell ein "Schritt in die richtige Richtung". Die Umstrukturierung solle zwar einer Vereinfachung der Verwaltung dienen, doch: "Wir müssen aufpassen, die Menschen vor Ort nicht zu entmündigen", mahnt der Regionaldekan. "Wenn das passiert, haben wir schon verloren."

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