Karin Mast vermietet eine Wohnung an zwei Flüchtlinge. Jetzt wehrt sich die 72-Jährige gegen den "bürokratischen Wahnsinn", den das mit sich bringt.

Karin Mast vermietet eine Wohnung an zwei Flüchtlinge. Jetzt wehrt sich die 72-Jährige gegen den „bürokratischen Wahnsinn“, den das mit sich bringt.
Karin Mast hat „die Faxen dicke“, wenn sie sich mit einem Schreiben des Jobcenters auseinandersetzen muss.

Karin Mast hat „die Faxen dicke“, wenn sie sich mit einem Schreiben des Jobcenters auseinandersetzen muss.

Dirk Jochmann

Karin Mast hat „die Faxen dicke“, wenn sie sich mit einem Schreiben des Jobcenters auseinandersetzen muss.

Krefeld. Vor einem Jahr zögerte Karin Mast nicht lange. „Mein Mann und ich waren uns direkt einig, dass wir helfen wollen und die Wohnung für Flüchtlinge zur Verfügung stellen wollen“, sagt die 72-Jährige. Über Flüchtlingsrat und Caritas kam der Kontakt zu zwei Frauen zustande. „Das hat leider nicht geklappt, sie haben sich nicht verstanden und es gab auch Ärger im Haus“, erzählt Mast, während sie auf einem Tisch in ihrem Wohnzimmer etliche Unterlagen zurechtlegt.

Mast: „Dieser drohende Ton ist eine Frechheit“

Die 72-Jährige ließ sich nicht entmutigen. Seit Oktober leben in der Wohnung zwei Männer aus Eritrea, die besser zusammen klar kommen und dort in einer Wohngemeinschaft leben. „Sie sind wie Vater und Sohn, umgänglich und freundlich und besuchen jeden Tag einen Integrationskurs“, sagt Mast, die mit ihren neuen Mietern auch mal einen Kaffee trinken geht.

Jetzt kommen die Schreiben vom Jobcenter Krefeld ins Spiel, die die Vermieterin vor sich ausgebreitet hat. Ende März ging es los: „Anhörung zu einer Überzahlung“ ist der Titel eines dreiseitigen Papiers, dass der jüngere Mieter aus Eritrea Ende März per Post erhielt.

„Er spricht zwar schon ganz gut Deutsch, aber das verstehe ich auch nicht auf Anhieb, obwohl ich eine Begeisterung für die deutsche Sprache hege.“ Das, was da mit allerlei Paragrafen unterfüttert ist, klinge für Mast schon fast wie eine Drohung. Das Jobcenter fordert eine Stellungnahme des 20-jährigen Flüchtlings, da nach der Nebenkostenabrechnung sich für ihn ein Überschuss von 31,19 Euro ergibt. In dem Schreiben wird darauf hingewiesen, dass bereits „vorgesehen“ ist, die Leistungen für den Lebensunterhalt entsprechend zu kürzen.

Mast kann das nicht nachvollziehen. „Dieser drohende Ton ist eine Frechheit. Wenn man von den Flüchtlingen erwartet, dass sie die Sprache lernen und sich integrieren, empfehle ich, auch für Jobcenter-Mitarbeiter Sprachkurse einzurichten.“ Karin Mast antwortete der zuständigen Mitarbeiterin, um nach einer Kontoverbindung zu fragen, auf die sie die übrig gebliebenen Zahlungen überweisen kann. „Schließlich habe ich das Geld ja auch und nicht mein Mieter.“

Statt der 72-Jährigen zu antworten, bekam erneut der junge Mann aus Eritrea eine Forderung. Diesmal war auch eine Kontoverbindung angegeben. „Da hatte ich die Faxen dicke und habe das Geld einfach auf das angegebene Konto überwiesen, auch für den anderen Mieter“, sagt Mast.

Auf Nachfrage der WZ gibt das Jobcenter an, dass es sich bei dem Briefwechsel um einen normalen Vorgang handelt. „Wir haben ein Rechtsverhältnis mit dem Mieter. Wir dürfen uns gar nicht direkt an den Vermieter wenden. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um einen Flüchtling handelt oder nicht“, sagt Michael Becker.

Dass es bei den Briefwechseln mit Flüchtlingen zu Problemen in der Kommunikation kommt, könne der Sprecher des Jobcenters nachvollziehen. Dafür habe man im Jobcenter einen sogenannten „Integrationpoint“ eingerichtet, an dem Flüchtlinge beraten werden. Auch die zuständigen Sachbearbeiter seien ansprechbar. Mast wäre es lieber, wenn sich der Sprachgebrauch der Institution grundlegend verändern würde: „Das würde es auch Mitbürgern aus Deutschland erleichtern, die Schreiben zu verstehen.“

Leserkommentare (6)


() Registrierte Nutzer