33 000 Juden verloren in Babij Jar bei Kiew ihr Leben. Am Montag, 26. September, wird für sie in der Synagoge eine Gedenkstunde abgehalten.

Nathalia Wagner, Michael Gilad und Alla Trubnjakob-Johnen von der jüdischen Gemeinde sprechen über das September-Massaker von Babij Jar.
Nathalia Wagner, Michael Gilad und Alla Trubnjakob-Johnen von der jüdischen Gemeinde sprechen über das September-Massaker von Babij Jar.

Nathalia Wagner, Michael Gilad und Alla Trubnjakob-Johnen von der jüdischen Gemeinde sprechen über das September-Massaker von Babij Jar.

Andreas Bischof

Nathalia Wagner, Michael Gilad und Alla Trubnjakob-Johnen von der jüdischen Gemeinde sprechen über das September-Massaker von Babij Jar.

„Es war Jom Kippur, das höchste jüdische Fest, der Tag der Versöhnung, an dem die Juden im ukrainischen Kiew von deutschen Soldaten in das Massaker von Babij Jar getrieben wurden“, erinnert Michael Gilad, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Krefeld.

Viele Krefelder, die aus dem Osten stammen, gedenken der Opfer

Viele der rund 200 000 Juden in der ukrainischen Hauptstadt waren vor dem Einmarsch der Nazi-Truppen von den Sowjet-Behörden nach Osten, meist nach Sibirien, evakuiert worden, so Gilad. Der Massenmord an den verbliebenen, mehr als 33 000 Juden, geschah vor 75 Jahren, im September 1941.

In der jüdischen Synagoge in Krefeld wird es dazu am 26. September eine Gedenkstunde geben. Geschäftsführerin Alla Trubenjakob erklärt: „Viele Mitglieder unserer Gemeinde stammen aus der Ukraine oder Weißrussland. Fast alle haben Opfer durch die deutschen Besatzer zu beklagen. Viele davon wurden in Babij Jar erschossen.“

Nach dem September-Massaker hätten noch viele weitere Erschießungs-Aktionen stattgefunden. Trubnjakob: „Geschätzt wird, dass dort rund 100 000 Menschen den Tod fanden.“ Für Rabbiner Yitzchak Mendel Wagner war Babij Jar die Vorhölle zum Holocaust, zur systematischen Vernichtung der europäischen Juden in den Vernichtungslagern wie Auschwitz.

„Erst haben die Nazis die Bücher verbrannt, dann die Synagogen zerstört und den Juden das Fahrradfahren untersagt. Nirgendwo gab es den Aufschrei, nicht in Deutschland, nicht im Ausland. Was dann in Babij Jar geschah, war eine Folge davon.“

Dokumentiert wird das in einer bedrückend-intensiven Ausstellung, die ebenfalls in der Synagoge zu sehen ist. Erarbeitet hat sie der aus Kiew stammende Historiker M. Yankulin, der voraussichtlich an der Veranstaltung teilnehmen wird.

Ministerin Sylvia Löhrmann wird als Gast erwartet

Die Gedenkstunde findet in den Räumen der Synagoge an der Wiedstraße im Rahmen der Bildungspartnerschaft zwischen der Realschule Horkesgath und der NS-Dokumentationsstelle Villa Merländer statt. Veranstalter sind die Realschule und der Landschaftsverband Rheinland (LVR). Neben Oberbürgermeister Frank Meyer wird Sylvia Löhrmann teilnehmen, Ministerin für Schule und Weiterbildung sowie stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen.

Die Veranstaltung beginnt um 15 Uhr. In einer Diskussionsrunde sollen die Aspekte des kommunalen Erinnerns erörtert werden.

Vergangenheitsbewältigung: Schüler bereiten Fragen vor

28 Realschüler der Klassen 9d und 10d, die aus 17 verschiedenen Nationen stammen, werden Fragen und Thesen für diese Diskussionsrunde vorbereiten. Die Lehrer Matthias Schierbrand und Annette Viegener haben das fünfteilige Projekt begleitet. Auch Oberbürgermeister Frank Meyer und Ministerin Löhrmann werden an der Gesprächsrunde teilnehmen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer