Der Hilferuf kommt spät, vielleicht zu spät. Seit mindestens zehn Jahren schreitet der Niedergang des Casablanca-Kinos voran. Inzwischen ist aus dem einstigen Film-Palast ein hoffnungslos altmodisches Kinorelikt geworden, das Gefahr läuft, ins Muffige, Schäbige zu kippen.

Dennoch ist das Haus an der Lewerentzstraße für jene Filmfans ein Fixpunkt, die das Besondere suchen. Sie meiden bewusst die sterilen Multiplex-Bauten, die sowieso nicht die Filme zeigen, die sie sehen wollen. Wer Kinokultur erleben möchte, für den ist das Casablanca selbst in seinem jetzigen Zustand eine Heimat.

Der Hintergrund des Absturzes, den das ehemals rentable Lichtspielhaus erlebt hat, ist komplex: Er hat mit dem schwierigen Kinomarkt der vergangenen Jahre zu tun, mit Pech und rücksichtslos geführten juristischen Auseinandersetzungen, sicher auch mit manchem Fehler der Betreiber. Doch angesichts der dramatischen Lage ist die Ursachenforschung nebensächlich: Das Casablanca braucht Hilfe, und zwar schnell.

Falls in Krefelds einzigem Programmkino demnächst die Lichter ausgehen, wäre das tragisch - persönlich für die Kinofamilie Bourdoux, aber vor allem für die viel besungene Kulturstadt Krefeld. Der würde im Repertoire plötzlich die Filmkunst fehlen, und Cineasten müssten nach Düsseldorf oder Köln gondeln. In der Innenstadt würde neben dem Stadtbad ein weiteres Juwel vor sich hin gammeln.

Mehr noch als der mögliche Verlust zählen jedoch die Chancen, die ein saniertes Casablanca böte. Der große Saal, der seit fünf Jahren leer bleibt, ist ein Kleinod, wie es die Region nur noch in der Essener Lichtburg zu bieten hat. Ihn mit neuem Leben zu füllen, wäre großartig für Krefeld.

Diese Aufgabe ist enorm, aber lösbar. Wenn sich Bürger zusammenfinden, die Stadt ihnen zur Seite steht und die Kinoförderung einen weiteren Versuch der Unterstützung wagt, ist vieles möglich. Packen wir es an!

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