Seit Juli 2017 betreibt der Verein „Kette & Schuss“ die Gastronomie in der Alten Samtweberei. Nicht alles lief gut im ersten Jahr.

Seit Juli 2017 betreibt der Verein „Kette & Schuss“ die Gastronomie in der Alten Samtweberei. Nicht alles lief gut im ersten Jahr.
So sahen die Räume während der Bauzeit aus.

So sahen die Räume während der Bauzeit aus.

Die Vorstandsmitglieder des Vereins „Kette & Schuss“, Erkan Demiroglu, Markus Kossack, Simon Erath, Tim Fischer (von links), in ihrem Café.

Simon Erath, Bild 1 von 2

So sahen die Räume während der Bauzeit aus.

Sie haben eine Menge gelernt im vergangenen Jahr. Das Wichtigste: Ein Café zu betreiben – das macht man nicht mal eben so nebenher. Die Vorstandsmitglieder des Vereins „Kette & Schuss“ sind alle berufstätig in ganz anderen Jobs, und sie geben ehrlich zu: Wie viel Arbeit dahinter steckt, vor und nach der eigentlichen Arbeitszeit auch noch ein Café zu führen, das nicht nur Gastronomie, sondern auch Nachbarschaftstreffpunkt und Ort für Kulturveranstaltungen ist, das hatten sie vorher nicht gedacht. „Wir haben anfangs schon einige Fehler gemacht“, sagt Markus Kossack, Vorsitzender des Vereins. „Aber wir haben fleißig gelernt und werden nach unserem ersten Jahr nun in die zweite Klasse versetzt.“ Gefeiert wird die „Versetzung“, also das einjährige Bestehen des Cafés, am Freitagnachnachmittag.

Die Resonanz war seit der Eröffnung im Juli 2017 von Anfang an gut, blicken Kossack und seine Vorstandskollegen Erkan Demiroglu, Simon Erath und Tim Fischer zurück. Zahlreiche Nachbarn waren neugierig und schauten im Café vorbei, auch Gäste aus anderen Stadtteilen und umliegenden Kommunen. Viele sind bis heute treu geblieben. „Vor allem bei gutem Wetter besuchen uns viele Radfahrer“, berichtet der zweite Vorsitzende Simon Erath. Auch Vereine und Gruppen treffen sich in den Räumen im Erdgeschoss des Torgebäudes der Alten Samtweberei.

„Wir haben bis 1 Uhr nachts in der Küche gestanden und Bohnen gepult.“

Markus Kossack über den Küchenbetrieb in der Anfangszeit.

Sie alle haben natürlich nicht nur Durst, sondern oft auch Hunger. Das Café Lentz hat eine kleine Bistrokarte mit selbstgemachten Leckereien. Mittlerweile ist dafür ein Koch zuständig, in den ersten Monaten haben die Vereinsmitglieder selbst gekocht. „Mittwochs war unser erster Öffnungstag in der Woche“, erzählt Markus Kossack. „Am Dienstagabend ging es also nach Feierabend zum Einkaufen, anschließend standen wir bis 1 Uhr nachts in der Küche, haben Bohnen gepult und Eintöpfe gekocht, die wir dann zwei Tage lang aufgewärmt haben.“ Wenn er heute daran zurückdenkt, kann Kossack nur schmunzeln und selbst mit dem Kopf schütteln. „Ohne Koch geht es nicht“, ist er jetzt überzeugt. Um den Kuchen kümmert sich der Vereinsvorstand aber übrigens immer noch selbst. Tim Fischer steht regelmäßig morgens um 6 Uhr vor seiner Arbeit in der benachbarten Werbeagentur in der Küche und backt.

Neben dem Gastronomiebetrieb konnte der Verein das Café Lentz im ersten Jahr auch als Ort für Kulturveranstaltungen etablieren. Es gab schon Stummfilmabende ebenso wie Kurzfilmveranstaltungen für Kinder, einen israelischen Abend ebenso wie Folklore, Tanz, Konzerte junger Bands oder eine freie Bühne. Einen Raum für Studenten-Lerngruppen bietet das Café ebenso, gemietet werden können die Räume auch. Es ist also richtig Leben drin, im Café Lentz. Die Idee, Anlaufpunkt für viele verschiedene Leute zu werden, ist wahr geworden. „Dennoch waren wir vor zwei Monaten an dem Punkt, an dem wir überlegt haben, ob wir weitermachen“, gibt Markus Kossack zu. Wieso?

„Das Ganze ist ein unheimlicher Kraftakt, auch finanziell“, sagt er. Da sind etwa Nachzahlungen an die Stadtwerke zu leisten, da die Heizkosten im ersten Jahr höher waren als geplant. Eine neue Lüftung für die Küche muss auch her. All das macht es den Betreibern des Cafés nicht immer leicht – aber sie machen weiter. „Das Herz hängt einfach dran“, sagt Erkan Demiroglu.

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