Auf der Flucht vor dem IS ist die 14-jährige Tochter in Griechenland verloren gegangen. Der Krefelder Klaus Klinkhammer kämpft für das Wiedersehen.

Eine Familie aus dem Irak flieht vor dem IS und schafft es auf Umwegen bis nach Krefeld. Doch die Tochter sitzt noch in Griechenland fest. Klaus Klinkhammer will helfen.
Haliz’ Familie will sie so schnell wie möglich von Griechenland nach Krefeld holen. Doch das ist gar nicht so einfach.

Haliz’ Familie will sie so schnell wie möglich von Griechenland nach Krefeld holen. Doch das ist gar nicht so einfach.

Klaus Klinkhammer

Haliz’ Familie will sie so schnell wie möglich von Griechenland nach Krefeld holen. Doch das ist gar nicht so einfach.

Krefeld. „Wir haben schlimme Gesetze, dass eine 14-Jährige nicht zu ihrer Mutter darf“, sagt Klaus Klinkhammer. Seit fast einem Jahr setzt er sich für den Nachzug der minderjährigen Kurdin Haliz ein. Das Mädchen sitzt in Athen fest und darf bis heute nicht zu ihrer Mutter und ihren drei Brüdern nach Krefeld. Der Zufall brachte Klinkhammer mit der Familie in Kontakt.

Gemeinsam mit seiner Frau Ute ist der 76-Jährige jeden Mittwoch im Café Sarah, dem Willkommenscafé für Flüchtlinge an der Corneliusstraße. Das Ehepaar hilft Flüchtlingen bei Ämtergängen, erledigt Papierkram und steht bei Problemen zur Seite.

„Wir müssen das Kind sofort nach Deutschland holen. Aber wie?“

Klaus Klinkhammer

Mitte März vergangenen Jahres kam ein junger Mann auf sie zu und berichtete vom Schicksal seiner Schwägerin, eine Kurdin, die der religiösen Minderheit der Jesiden angehört. Die wird von der Terrororganisation „Islamischer Staat“ als Ungläubige verfolgt und ermordet.

„Davor war die Frau im Januar 2016 mit ihrem Mann und den vier Kindern aus dem Irak über Griechenland nach Deutschland geflüchtet“, erzählt Klinkhammer. Auf der Flucht verlor sie ihren 16-jährigen Sohn und die damals 13-jährige Tochter.

Der Sohn hat es mittlerweile nach Krefeld geschafft, doch von der Tochter fehlte zunächst jede Spur. „Minderjährige Kinder haben einen Anspruch auf Familiennachzug“, betont Klinkhammer und setzte alle Hebel in Bewegung, um Haliz ausfindig zu machen.

Über einen Onkel hat er die Nachricht erhalten, dass Haliz in einem Flüchtlingslager, einer ehemaligen Kaserne, vor Athen registriert ist. „Als Mädchen ganz allein in einem solchen Lager“, Klaus Klinkhammer ist entsetzt. Für ihn steht fest: „Wir müssen das Kind sofort nach Deutschland holen. Aber wie?“

Er nimmt Kontakt zur Deutsch-Evangelischen Kirchengemeinde in Athen auf und schafft es, dass Haliz das Lager verlassen kann. Seitdem lebt das Mädchen bei Hilde Hülsenbeck, einer Mitarbeiterin der Kirchengemeinde. „Das Lager muss sehr schlimm gewesen sein“, sagt Klinkhammer.

Die ersten vier Wochen habe Haliz kein Wort gesprochen und viel geweint. „Wir wissen nicht, was sie auf der Flucht und im Lager für Erfahrungen machen musste.“ Doch Haliz kann nicht einfach mit einem Ticket in den nächsten Flieger steigen und nach Deutschland reisen. „Zuerst musste ein Pass her.“ Den hat der Vater geschickt, der in der Zwischenzeit wieder in den Irak zurückgekehrt ist. Klaus Klinkhammer schickte das Dokument für 46 Euro Porto an die Botschaft nach Athen.

„Dann hieß es, die Mutter müsste vor dem Antrag auf Familiennachzug erst eine fristenwahrende Anzeige stellen“, erklärt Klinkhammer. „Dafür musste sie als Flüchtling bereits anerkannt sein, doch das war sie zu dem Zeitpunkt noch nicht.“ Außerdem stand ihr noch eine schwere Operation bevor.

Danach, Anfang September, erledigt sie mit dem Krefelder alle Formalitäten und erhält im November den Status des anerkannten Flüchtlings. Sie schickt am 8. Dezember alle Unterlagen nach Athen, in der Hoffnung, ihre Tochter Weihnachten wieder in die Arme schließen zu dürfen.

„Doch irakische Kinder dürfen nicht einfach so nach Deutschland geschickt werden“, sagt Klinkhammer. Die Folge: „Der ganze Vorgang muss erst vom Auswärtigen Amt geprüft werden, und zwar in Amman, der Hauptstadt Jordaniens.“ Klinkhammer weiß nicht, was er jetzt noch für Haliz tun kann.

Er hat sich nun bundesweit an die Presse gewandt, „um den Skandal öffentlich zu machen“. „Die deutschen Behörden haben es bis jetzt nicht zugelassen, dass das Mädchen wieder zu seiner Mutter kommt.“ Unerträglich für ihn.

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