Seit knapp 20 Jahren setzt sich das Frauenkulturbüro für die Förderung von Künstlerinnen ein. Mit Erfolg.

Krefeld. Frauen stellen insgesamt ungefähr ein Drittel der professionellen Kunst- und Kulturschaffenden in Nordrhein-Westfalen, dabei variiert der Anteil in den verschiedenen Kunstsparten erheblich. "Das ist schon besser als noch vor knapp 20 Jahren, aber nicht wirklich gut", sagt Ursula Theißen.

Sie ist die Leiterin des Frauenkulturbüros NRW, das 1991 im Auftrag des Landes angetreten ist, gezielt kulturschaffende Künstlerinnen zu fördern. Unter anderem durch die Einrichtung eines eigenen Titels im Landeshaushalt. Daran wird - ungeachtet politischer Mehrheitsverhältnisse - bis heute nicht gerüttelt.

Seit Beginn an hat das Frauenkulturbüro seinen Sitz in der Fabrik Heeder. Auch wenn es in Krefeld still um den Verein ist, auf Landesebene ist er umso aktiver. Ursula Theißen setzt sich zusätzlich seit 15 Jahren als stellvertretende Vorsitzende des Kulturrates NRW für die Förderung der Frauen in Kunst und Kultur ein. "Damit sind wir als Frauenkulturbüro inzwischen kulturpolitisch in der Verbandslandschaft spartenübergreifend vernetzt."

Fülle der Aufgaben ist nur mit freien Mitarbeiterinnen zu bewältigen

Wenn die einzige hauptamtliche Kraft von Wir spricht, meint sie ihr Team aus freien Mitarbeiterinnen. Das sind Anette Reker, Heidi Mathias und Sophia Boettcher-Willig. Ohne die, wäre die Mammutaufgabe nicht zu schaffen. Allein der Newsletter wird inzwischen in unregeläßigen Abständen an über 1000 Kulturinteressierte verschickt.

"Als unsere Förderinstrumente sind inzwischen der Künstlerinnenpreis des Landes und die Vergabe der Stipendien etabliert", sagt Sophia Boettcher-Willig. Die werden auch in diesem Jahr wieder vergeben. Näheres ist dazu ab März auf der eigenen Internetseite zu erfahren. Auf der besticht auch ein umfangreiches elektronisches Künstlerinnen-Verzeichnis, das von Jahr zu Jahr wächst.

Erstmals Dramatikerinnen-Preis für Seniorentheater ausgelobt

Das Frauenkulturbüro NRW e.V. wurde 1991 in Krefeld gegründet und institutionell vom Land gefördert. Die Stadt Krefeld unterstützt den Verein, indem sie die Büroräume in der Fabrik Heeder zur Verfügung stellt.

Mechthild Staudenmaier, Brigitte Speth und Inge Brand bilden den Vorstand, wobei die letzten beiden ihr Mandat aufgeben wollen. In der kommenden Mitgliederversammlung im April oder Mai wird deshalb ein neuer Vorstand gewählt.

Bereits jetzt hat das Frauenkulturbüro NRW vom Land die Budget-Zusage für nächstes Jahr erhalten. Für die Geschäftsführerin Ursula Theißen ein gutes Zeichen, schließlich will der Verein 2011 sein 20-jähriges Bestehen feiern.

Besonders stolz ist Ursula Theißen auf ein neues Projekt: den Dramatikerinnenwettbewerb NRW 2009 für Seniorentheater. "Mehr als fünfzig Ensembles spielbegeisterter älterer Menschen, überwiegend Frauen, zeigen in NRW eine große Bandbreite ambitionierter Amateurtheater-Arbeit." Ihre Spielfreude werde jedoch häufig durch den Mangel an geeigneten literarischen Vorlagen und die geringe Anzahl an weiblichen Rollen gebremst.

Das wird sich jetzt ändern. Im vergangenen November ist erstmalig von Frauenkulturbüro, Institut für Bildung und Kultur in Remscheid, Literaturbüro Ruhr in Gladbeck und FFT in Düsseldorf der ausgeschriebene Dramatikerinnen-Preis "Reif für die Bühne" an Almut Baumgarten verliehen worden. Den Preis überreichte der Staatssekretär für Kultur, Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff. Doch damit nicht genug: Baumgartens Stück "Silverday" wird vom Seniorentheater SeTa im Rahmen des Festivals "Herzrasen" vom 28.Juni bis 1.Juli im Hamburger Schauspielhaus uraufgeführt. Innerhalb einer Anthologie werden außerdem die fünf besten Wettbewerbsstücke veröffentlicht. Theißen: "Das ist ein Beispiel für eine gelungene Kooperation, bei der Projekte in der Kulturlandschaft verankert und einem neuen größeren Publikum vorgestellt werden." Und es ist nicht die einzige.

Im Rahmen des Förderwettbewerbs "Create.NRW 2009" ist das Projekt EMA (Economy meets Art) prämiert worden. Das ist eine Kooperation des Kreises Aachen, des Kunst- und Kulturzentrums Monschau, der dortigen Wirtschaftsförderung und des Frauenkulturbüros. Das EMA-Netzwerk will die Potenziale der bildenden Kunst nutzen und in drei Handlungsfeldern - Kunst als Instrument des Standortmarketing, Kunst und Tourismus sowie Unternehmen und Kunst - weiter entwickeln. Anregungen, von denen auch die Stadt Krefeld profitieren könnte.

 

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