Das neue Buch „Industriekultur – Krefeld und der Niederrhein“ bietet erstaunliche Fakten zur Blüte der Textil- und Stahlbranche.

Das neue Buch „Industriekultur – Krefeld und der Niederrhein“ bietet erstaunliche Fakten zur Blüte der Textil- und Stahlbranche.
Das Empfangsgebäude des Krefelder Hauptbahnhofs um 1880. Repro: Andreas Bischof

Das Empfangsgebäude des Krefelder Hauptbahnhofs um 1880. Repro: Andreas Bischof

Christoph Dautermann (v.l.), Museum Burg Linn, Historikerin Stefanie van de Kerkhof, Herausgeber Walter Buschmann und Stadtarchivleiter Olaf Richter präsentieren das neue Buch „Industriekultur“.

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Das Empfangsgebäude des Krefelder Hauptbahnhofs um 1880. Repro: Andreas Bischof

So mancher Krefelder wird es kaum für möglich halten, aber es gab eine Zeit, als die Stadt am Niederrhein den Nachbarn Düsseldorf überragte. Es war um 1860, und Krefeld zählte kurzzeitig mit 52.000 mehr Einwohner als die heutige Landeshauptstadt von NRW. Proportional gesehen wuchs keine Stadt in Deutschland zwischen 1840 bis in die 1860er Jahre so schnell wie das einstige Dorf unweit der Grenze zu den Niederlanden.

Nachzulesen sind solche Fakten im neuen Buch „Industriekultur – Krefeld und der Niederrhein“, das am Montag im Krefelder Stadtarchiv vorgestellt wurde. Zu den Autoren gehört auch der dortige Hausherr Olaf Richter. Er zeichnet in seinem Beitrag die Historie der Textilindustrie von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis in die 1880er Jahre nach. Besonders spannend: die Entwicklung im 19. Jahrhundert. Damals ließ die Seidenweberei Krefeld zu einer der reichsten Städte in Deutschland werden. 1849 wies Krefeld die höchste Webstuhldichte pro Einwohner auf, praktisch kam auf jeden Haushalt ein Webstuhl.

Das änderte sich dramatisch durch die Mechanisierung des Seidengewerbes ab 1880. Die Handwebstühle verschwanden, die Maschinenstühle in Fabriken dominierten fortan die Produktion.

Neben Samt und Seide auch Stahl und Chemie

Zu jener Zeit wurde das Stadtbild vom „Krefelder Weberhaus“ geprägt. Diese Gebäude waren auf die Bedürfnisse der Seidenproduktion ausgerichtet, insbesondere mussten die Webstühle hineinpassen. Laut der bisherigen Stadtgeschichtsschreibung ist dieser Haustyp so etwas wie eine Krefelder Erfindung. Christoph Dautermann, Vize-Chef des Museums Burg Linn, hält das in seinem Beitrag „Die Legende vom Krefelder Weberhaus“ für eine „überaus romantisch verklärte Ansicht“.

Dass Krefelds Industriekultur mehr als Samt und Seide zu bieten hat, wird im Buch ausgiebig gewürdigt. So finden sich Beiträge zur Stahlindustrie in Fischeln, die 1900 an den Start ging, und zum Chemiestandort in Uerdingen, der über Jahrzehnte hinweg von Bayer geprägt wurde.

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