Der Zoll stieß auf 4,5 Tonnen einer Chemikalie, mit der sich vermutlich Crystal Meth herstellen lässt.

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Da zunächst unklar war, welche Substanz am Dießemer Bruch gelagert wurde, rückte die Feuerwehr an.

Da zunächst unklar war, welche Substanz am Dießemer Bruch gelagert wurde, rückte die Feuerwehr an.

Die Bilder zeigen die Auswirkungen von Crystal Meth – zwischen den Aufnahmen liegen zweieinhalb Jahre.

Marc Monderkamp, Bild 1 von 2

Da zunächst unklar war, welche Substanz am Dießemer Bruch gelagert wurde, rückte die Feuerwehr an.

Krefeld. Der Zoll ist am Montagabend in einer Lagerhalle am Dießemer Bruch auf 4,5 Tonnen einer Chemikalie gestoßen, die im Verdacht steht, zur Herstellung von Drogen verwendet werden zu können. Da zunächst unklar war, um welchen Stoff es sich handelte, war die Feuerwehr alarmiert worden (die WZ berichtete). Die Polizei riegelte den Dießemer Bruch ab.

Letztlich konnte aber Entwarnung gegeben werden: Es handelte sich um ein weißes Pulver, das unter dem Namen Apaan seit einigen Monaten immer wieder in Deutschland auftaucht. „Es steht im Verdacht, ein Grundstoff für synthetische Drogen zu sein“, sagt Ulrich Schulze von der Zollfahndung in Essen.

„Das Pulver steht im Verdacht, ein Grundstoff für synthetische Drogen zu sein.“

Ulrich Schulze, Zollfahndung

Verboten ist die Chemikalie nicht – oder vielmehr noch nicht. Das wird sie möglicherweise, wenn der Gesetzgeber entsprechende Vorschriften erlässt. Meist kann er aber gar nicht so schnell reagieren, wie gefährliche und zur Drogenherstellung geeignete Substanzen nach Deutschland kommen. Deshalb musste der Zoll am Montagabend auch unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Aufmerksam geworden waren die Beamten bei einer gemeinsamen Kontrolle mit der Polizei, die am Montag mehrere Stunden lang an der Berliner Straße durchgeführt worden war. Dabei wurden Fahrzeuge herausgewunken und auf dem Parkplatz des Grotenburg-Stadions kontrolliert. Ein Lkw-Fahrer habe sich dabei sehr nervös verhalten und widersprüchliche Angaben gemacht, sagt Zollsprecher Alwin Bogan auf WZ-Anfrage.

Da ihm bei der Kontrolle kein Vorwurf zu machen war, durfte der Mann fahren. Allerdings folgten ihm Zollbeamte bis ans Ziel des Fahrers – das Mietlagergelände am Dießemer Bruch. Dort stießen sie dann auch auf eine garagengroße Box, in der sich der Stoff befand. Er konnte später als Apaan – die genaue chemische Bezeichnung lautet Alpha-Phenylacetoacetonitrile – identifiziert werden.

Polizei und Zoll haben bei einer gemeinsamen Aktion auf der Berliner Straße am Montag von 12 bis 20 Uhr Drogenkontrollen durchgeführt. 43 Fahrer wurden auf den Parkplatz der Grotenburg gebeten.

In drei Fällen wurde die Entnahme von Blutproben angeordnet, da es Hinweise darauf gab, dass die Fahrer Drogen eingenommen hatten. Darüber hinaus wurden zwei Anzeigen wegen Fahrzeugmängeln geschrieben und ein Verwarnungsgeld erhoben. Zwei Fahrer waren nicht angeschnallt.

Durch Drogenkonsum kommt es laut Polizei immer wieder zu schweren Unfällen.

Im Internet finden sich Hinweise darauf, dass aus Apaan etwa Methamphetamin hergestellt werden kann, das auch kurz als Meth, Crystal Meth oder mit Modenamen wie Yaba und Ice bezeichnet wird. Laut Pharmazeutischer Zeitung gehört sie zu den am schnellsten zerstörenden Drogen überhaupt, wobei für die zerstörerische Wirkung wesentlich die Verunreinigungen verantwortlich gemacht werden. Crystal wird geschnupft, geraucht, in Wasser gelöst intravenös injiziert oder auch rektal verabreicht. Apaan dient allerdings auch zur Herstellung von Medikamenten.

Im Internet finden sich Anbieter, die den Bezug der Substanz aus China vermitteln. So werden dort beispielsweise Einheiten von 25 Kilo des Alpha-Phenylacetoacetonitrile für je einen Dollar angeboten. Dass solche Rohstoffe zur Herstellung von Drogen meist aus China kommen, bestätigt auch die Zollfahndung.

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