Krefelds einziges Programmkino braucht ein Wunder, um zu überleben. Bürger wollen für die Rettung kämpfen.

wza_1500x987_579437.jpeg
Jürgen Bourdoux im großen Saal des Casablanca-Kinos, der vor fünf Jahren nach einem Wasserschaden geschlossen wurde.

Jürgen Bourdoux im großen Saal des Casablanca-Kinos, der vor fünf Jahren nach einem Wasserschaden geschlossen wurde.

Andreas Bischof

Jürgen Bourdoux im großen Saal des Casablanca-Kinos, der vor fünf Jahren nach einem Wasserschaden geschlossen wurde.

Krefeld. Wenn das Kino wirklich ein Ort für Wunder ist, muss jetzt dringend eines her. Das Casablanca, einzige Adresse für anspruchsvolle Filmkunst in Krefeld, steht vor dem Aus. "Wenn nicht bald etwas passiert, gehen hier die Gitter runter", sagt Betreiber Jürgen Bourdoux, dessen Familie das Kino seit Generationen führt.

Monat für Monat macht der Betreiber rund 7000 Euro Verlust

Zurzeit macht er mit dem Casablanca Monat für Monat zwischen 6000 und 7000 Euro Verlust, hinzu kommt ein Schuldenberg von rund 260 000 Euro, wie Bourdoux vorrechnet. "Die Banken haben uns viele Brücken gebaut", sagt er. "Aber der Druck wird immer größer."

Die Geschichte des Niedergangs ist lang und kompliziert. Jürgen Bourdoux erzählt sie stockend. Er hat 15 Jahre voller Chaos und Enttäuschungen hinter sich, ein langer Rechtsstreit hat ihn ruiniert. Hinzu kommen private Schicksalsschläge.

1995 war noch alles gut. Für 1,1 Millionen Mark wollte er das damals rentable Kino renovieren, es gab Eigenkapital und Fördergelder. "Doch die Planung ist ausgeufert", sagt Bourdoux. "Die Architekten haben sich in Traumwelten gestürzt." Nach Jahren des Hin und Her stritt er sich vor Gericht mit Planern und Handwerkern. Der Prozess, den ein Architekt angestrengt hatte, zog sich zehn Jahre durch die Instanzen. Am Ende musste der Betreiber 160 000 Euro zahlen, plus 40 000 Euro Prozesskosten.

Am 16. Dezember 2004 gaben Naturgewalten dem Kino den Rest. Nach einem Unwetter drang Wasser ins Dachgeschoss ein, im großen Kino kamen Teile der Decke herunter. Seit diesem Tag ist in dem prunkvollen samtroten Saal kein Film mehr gelaufen. "Nur mit dem kleinen Kino können wir auf Dauer nicht überleben", sagt Bourdoux.

Schon vor dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus als Kino genutzt, zuvor als Varieté-Theater.

Nachdem das Kino im Krieg zerbombt worden war, wurde es als "Primus-Palast" 1951 neu eröffnet. 1984 übernahm Jürgen Bourdoux die Geschäfte und wandelte das Haus in ein Programmkino um.

Ganz aufgeben will er dennoch nicht: "Ich glaube noch dran - aber es muss sich rechnen." Für eine Grundsanierung ist mindestens eine halbe Million Euro notwendig. Damit könnte die Heizung modernisiert, der große Saal saniert und neu bestuhlt werden. Es wäre die letzte Rettung für das Kleinod.

Erste Ansätze eines bürgerschaftlichen Engagements sind bereits da. Das Ehepaar Doris und Peter Thomaßen könnte sich vorstellen, einen Verein zu gründen, um das Kino zu retten. Die beiden suchen Mitstreiter. "Das Casablanca ist ein Stück Heimat für uns, ein lebenswerter Ort in Krefeld, der nicht verloren gehen darf", sagt Doris Thomaßen. "Dafür müssen die Bürger sich zusammentun."

Auch Jürgen Bourdoux hofft, dass die verfahrene Situation noch einmal in Bewegung kommt. Mit dem Fellini-Film "Schiff der Träume" hat er 1984 das Programmkino eröffnet: Sollte es nun kentern - es würde Bourdoux wohl das Herz brechen.

Wer sich an der Rettung des Kinos beteiligen möchte, kann eine Mail an folgende Adresse schreiben: thomassen-krefeld@t-online.de

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer