Politikunterricht reicht Amir Sallachi nicht. Der Achtklässler will etwas verändern. Darum engagiert er sich auch im Jugendbeirat.

Politikunterricht reicht Amir Sallachi nicht. Der Achtklässler will etwas verändern. Darum engagiert er sich auch im Jugendbeirat.
Marx, Goethe, Brecht – natürlich auch J.K. Rowling: Mit 14 Jahren hat Amir Sallachi vielleicht schon mehr gelesen, als manch einer seiner Lehrer am Gymnasium Horkesgath,

Marx, Goethe, Brecht – natürlich auch J.K. Rowling: Mit 14 Jahren hat Amir Sallachi vielleicht schon mehr gelesen, als manch einer seiner Lehrer am Gymnasium Horkesgath,

Dirk Jochmann

Marx, Goethe, Brecht – natürlich auch J.K. Rowling: Mit 14 Jahren hat Amir Sallachi vielleicht schon mehr gelesen, als manch einer seiner Lehrer am Gymnasium Horkesgath,

Goethes „Faust“, „Das kommunistische Manifest“ von Karl Marx, daneben „Der kleine Prinz“. Nur ein paar vereinzelte Comics und die Märchen von Walt Disney dazwischen verraten, dass dies doch das Bücherregal eines 14-Jährigen ist. Als ihm seine ältere Schwester Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ in die Hand drückte, habe er das Buch verschlungen, erzählt Amir Sallachi. Damals sei er noch in der Grundschule gewesen. „Bücher haben mich schon immer total begeistert.“

Recherchen zum Rentensystem, zu Kinder- und Altersarmut

So unterschiedlich wie die Geschichten in den Büchern in Amirs kleinem Zimmer, zuhause in dem Hülser Neubaugebiet, sind auch die Interessen des Achtklässlers, der das Gymnasium Horkesgath besucht. Erst vor kurzem hat er für seine Untersuchungen zur Schädlichkeit von Aluminium den zweiten Platz im Niederrheinentscheid von „Jugend forscht“ gewonnen, spricht fließend Persisch, die Muttersprache seiner Eltern, lernt Mandarin und Französisch – dabei sind Sprachen und Naturwissenschaften nicht Amirs größte Leidenschaften. „Mein großes Interesse gilt den Politikwissenschaften, Ökonomie und der Philosophie“, erzählt er und zieht Sahra Wagenknechts „Reichtum ohne Gier“ aus dem Regal. „Ich finde es inspirierend, wie sie offensichtliche Probleme in unserer Gesellschaft anspricht und Lösungen dafür aufzeigt.“ Das Rentensystem, Kinder- und Altersarmut.

„Ich beschäftige mich in meiner Freizeit unheimlich gerne mit den großen wirtschaftlichen Problemen unserer Gesellschaft, hauptsächlich mit dem Thema Armut. Mich hat es schon immer gewundert, warum in einem Land wie Deutschland Rentner von Altersarmut bedroht sein müssen und warum jedes fünfte Kind in Armut aufwachsen muss.“ Die Begeisterung, mit der er darüber spricht, macht die Tatsache wett, wie altklug das Ganze für einen 14-jährigen Schüler klingt.

Amir ist Mitglied im Jugendbeirat und bei der Bertelsmannstiftung

Amir möchte mehr als Fragen stellen, er will auch Antworten finden. „Ich weiß noch genau, wie ich mit zwölf Jahren auf ,Das kommunistische Manifest’ stieß und darauffolgend alle drei Teile des ,Kapitals’ wissensbegierig verschlang. Es reizt mich, einen ökonomischen Blick auf Probleme zu werfen und im Anschluss ein Lösungskonzept zu entwickeln.“ Da war es für den Gymnasiasten nur eine Frage der Zeit, selbst politisch aktiv zu werden. „Wenn man etwas ändern möchte, dann muss man auch über die Theorien der Bücher hinauswachsen und selbst etwas anpacken.“ Heute ist er Mitglied im Jugendbeirat der Stadt, in der Partei Die Linke und im Jugendexpertenteam der Bertelsmannstiftung.

WZ-Serie: Talente

made in Krefeld

Auch wenn es im Jugendbeirat nicht um die großen politischen Dinge im Leben ginge, wie Amir ein bisschen wehmütig erzählt, so könne man doch etwas bewirken. Neue Spielplätze im Stadtpark, eine Graffiti-Wand am Voltaplatz – auch auf die kleinen Dinge komme es schließlich an. „Je mehr Leute dabei sind, desto mehr kann man auch ändern“, sagt er und „deswegen bin ich so froh, dass es Gremien wie den Jugendbeirat gibt, die sich für Interessen der Jugendlichen in Krefeld einsetzen“.

„Nur wer sein Ziel kennt, der findet den Weg.“

Amirs (14) Lebensmotto

Schon jetzt freut sich Amir auf den Sommer, wenn er die Ergebnisse des Jugendexpertenteams der Bertelsmannstiftung vor Politikern und Journalisten in Berlin präsentieren kann. „Mein Traum wäre es, ein Buch zu schreiben und meine Ideen von sozialer Gerechtigkeit, einer Gesellschaft, in der jeder, der hier lebt, finanziell abgesichert ist, mit anderen zu teilen.“ Ein anderer: In Oxford Philosophy, Politics and Economics zu studieren; mit Büchern unter dem Arm von Vorlesung zu Vorlesung über den Campus zu laufen, bis spät in die Nacht zu lesen – Amir hat sich das alles schon genau ausgemalt. „Dazu nehme ich mir mein Motto zu Herzen“, sagt er: „Nur wer sein Ziel kennt, der findet den Weg.“

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer