Die Säle bleiben für Veranstaltungen offen. Stadt prüft eigene Gebäude.

fischeln/bockum
Im Herbst 2010 wurde im Saal des Fischelner Rathauses die Einweihung des Gebäudes vor 100 Jahren gefeiert. Das Haus an der Kölner Straße steht seit 1984 unter Denkmalschutz. Archiv

Im Herbst 2010 wurde im Saal des Fischelner Rathauses die Einweihung des Gebäudes vor 100 Jahren gefeiert. Das Haus an der Kölner Straße steht seit 1984 unter Denkmalschutz. Archiv

Dirk Jochmann

Im Herbst 2010 wurde im Saal des Fischelner Rathauses die Einweihung des Gebäudes vor 100 Jahren gefeiert. Das Haus an der Kölner Straße steht seit 1984 unter Denkmalschutz. Archiv

Krefeld. Aufatmen in Fischeln und Bockum: Veranstaltungen in den denkmalgeschützten Rathäusern beider Stadtteile werden nicht mehr dem Brandschutz zum Opfer fallen. „Über zweite Rettungswege oder Brandmeldeanlagen werden wir eine dauerhafte Nutzung sicherstellen“, sagte Eva-Maria Eifert vom Fachbereich Zentrales Gebäudemanagement in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Fischeln. Bis dahin werde es „Lösungen für jeden Einzelfall“ geben, zum Beispiel über Brandwachen der Feuerwehr.

Eifert hatte sich zuvor aus allen Fraktionen harte Worte anhören müssen. „Sie können nicht einfach Säle dicht machen, ohne Alternativen aufzuzeigen,“ sagte CDU-Sprecher Benedikt Lichtenberg.

„Wir sind in der Pflicht, besonders beim Thema Fluchtwege.“
Martin Linne, Planungsdezernent

Grund des Unmuts: Ende vergangenen Jahres hatte die Stadt mitgeteilt, dass nur noch maximal 40 Personen die Sitzungssäle in den Rathäusern Fischeln und Bockum nutzen könnten. Wegen des Brandschutzes sei kein anderes Verfahren möglich.

Erstes Opfer dieser Anordnung war der Bürgerverein Fischeln. Nachdem der traditionelle Jahresausklang im Rathaussaal wegen der städtischen Betriebsferien ausfallen musste, wurde der stattdessen geplante Neujahrsempfang ersatzlos gestrichen. „Ganz bitter für uns. Etwa 100 Leute wären gerne gekommen“, sagt Reiner Schütt, Chef des Bürgervereins.

Zuvor hatte das Thema Brandschutz bereits bei Kulturveranstaltern für Ärger gesorgt, sei es beim Jazzfestival und dem Flachsmarkt auf Burg Linn, im Haus der Seidenkultur oder im Werkhaus.

Leerstand Das Rathaus Fischeln wurde 1910 eingeweiht. In dem Gebäude gibt es 30 Räume. Über die Hälfte steht leer. Die Verwaltung arbeitet an einem Nutzungskonzept. Denkbar ist etwa, dass einige freie Zimmer im erhöhten Erdgeschoss durch den Fachbereich Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung genutzt werden.

Barrierefreier Zugang Um einen barrierefreien Zugang zum Rathaus zu schaffen, soll im Innenhof ein Aufzug gebaut werden. Fährt der nur bis zum erhöhten Erdgeschoss (hier befindet sich der Bürgerservice), kostet der Aufzug inklusive einer barrierefreien WC-Anlage 234 000 Euro. Geht’s hoch bis zum 1. Obergeschoss (Ebene Sitzungssaal), kostet die Anlage 309 000 Euro. Noch teurer wird es, wenn der Aufzug bis zum seit Jahren ungenutzten Dachgeschoss fährt. Hier wäre Platz für eine Arzt- oder Anwaltspraxis.

Grund dafür sind nicht verschärfte Gesetze, wie Planungsdezernent Martin Linne betont. Stattdessen habe das Loveparade-Unglück in Duisburg landesweit dazu geführt, dass „der Brandschutz neu diskutiert“ wird: „Wir sind in der Pflicht, besonders beim Thema Fluchtwege.“ Dabei sei nicht nur die Stadt in der Haftung, sondern auch jeder einzelne Mitarbeiter: „Die Gerichtsverfahren zur Loveparade zeigen, dass sich die Frage nach der Verantwortung tatsächlich stellt.“

Gleichwohl räumt Linne ein, dass die Umsetzung der Vorgaben vor Ort ihre Tücken hat: „Wir leben mit einem Bestand aus 100 Jahren. Deshalb lassen sich die Ziele nur Schritt für Schritt verwirklichen.“ Dies geschehe zurzeit vor allem in den eigenen städtischen Gebäuden.

Um in Fischeln abschließend für Sicherheit zu sorgen, favorisiert Eva-Maria Eifert eine Brandmeldeanlage. „Die kostet rund 35 000 Euro und kann bis zum Herbst installiert werden.“ Kai Günther von der Krefelder Berufsfeuerwehr versicherte, dass der Saal ohne Probleme von bis zu 100 Personen genutzt werden kann – wenn eine solche Anlage vorhanden ist.

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