Im Schönwasserpark gedeihen neben zahlreichen Ziergewächsen auch viele Lebensmittel.

Mag Zier-, aber auch Nutzpflanzen: Birgit Loy, die Leiterin des Botanischen Gartens vor einer Spinnenpflanze. Bild: DJ
Mag Zier-, aber auch Nutzpflanzen: Birgit Loy, die Leiterin des Botanischen Gartens vor einer Spinnenpflanze. Bild: DJ

Mag Zier-, aber auch Nutzpflanzen: Birgit Loy, die Leiterin des Botanischen Gartens vor einer Spinnenpflanze. Bild: DJ

Jochmann, Dirk (dj)

Mag Zier-, aber auch Nutzpflanzen: Birgit Loy, die Leiterin des Botanischen Gartens vor einer Spinnenpflanze. Bild: DJ

Krefeld. Im Botanischen Garten im Schönwasserpark können Besucher die farbenprächtige Vegetation bestaunen, die sich zu jeder Jahreszeit auf dem Gelände offenbart. Was nicht jeder weiß: Zwischen Stein- und Rosengarten, neben dem Gewächshaus oder dem Insektenhotel, wachsen auch zahlreiche Nutzpflanzen, die heute als Lebensmittel dienen – oder früheren Generationen gedient haben.

Wie zum Beispiel der „Stolze Heinrich“. Das Gewächs wird häufig als Unkraut wahrgenommen, weil es auch an Halden und Kippen vorkommt. Ältere Menschen Generationen nutzten es aber wie wir heute den Spinat. Direkt nebenan wächst der Rhabarber, dessen Blattstiele unter anderem zu Kompott verarbeitet werden können. „Vielen ist er zu sauer, ich liebe ihn“, sagt Birgit Loy, die Leiterin des Botanischen Gartens.

Die Erdnuss ist eine Bohne und zählt zu den Hülsenfrüchten

Auch ein sogenanntes Pseudo-Getreide findet sich hier: Der Buchweizen, genau wie der Rhabarber aus der Familie der Knöterichgewächse. Die Kulturpflanze ist bestens für glutenfreie Ernährung geeignet, dient aber auch als Zutat für Panas oder den in Nordamerika geschätzten Buchweizenpfannkuchen. Seinen Namen verdankt die Pflanze den bucheckernförmigen Früchten, die aber keine Eigenbackfähigkeit, wie sie der Weizen besitzt.

Nur einige Meter weiter wachsen verschiedene Bohnensorten, darunter auch Sojabohnen. „Für Vegetarier sind sie sehr wichtig, da sie einen hohen Eiweißanteil haben“, sagt Loy, die an dieser Stelle auch ein kleines Experiment durchführt: Erstmals hat sie die Erdnusspflanze im Botanischen Garten gesät, die – für viele nicht bekannt – keine Nuss, sondern auch eine Hülsenfrucht ist. „Sie schmeckt im frühen Stadium sogar so wie eine Bohne.“ Ihren Namen verdankt sie dem Umstand, dass die Früchte in der Erde wachsen.

Einige Meter weiter gedeihen Kartoffeln, Tomaten, Paprika und Tabak sowie ein großer und bunter Blühstreifen mit verschiedenen Getreidearten wie Weizen, Hafer, Roggen und Dinkel. Ein echter Blickfang ist die Bitterorange, auch Pomeranze genannt. Der große Baum bildet orangenähnliche Früchte, die allerdings deutlich bitterer und kleiner sind. Darum werden sie unter anderem für Marmelade genutzt. Schalen und Saft werden aber auch für die Herstellung des Likörs Curaçao und von Bitterorangenlimonade benötigt. Auch in der Parfümerie wird die Bitterorange verwendet.

Der Botanische Garten am Sandberg 2 a ist täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Bei schöner Witterung gibt es sonntags und feiertags ab 11 Uhr in der mobilen Cafeteria Kaffee und Kuchen. Im Botanischen Garten in wissenschaftlichen Abteilungen und Themengärten rund 5000 Pflanzenarten aus aller Welt – europäische, amerikanische und asiatische Laubgehölze sowie Nadelbäume bilden den äußeren Rahmen der 3,6 Hektar großen Gartenanlage.

Hobbygärtner hat der Botanische Garten zahlreiche Angebote im Programm. Insbesondere für Familien mit Kindern ab sieben Jahren gibt es am Sonntag, 28. September, von 14.30 bis 17 Uhr, die beliebte Erlebnisführung samt Gestaltungswerkstatt „Explodiergurke & Co“. Eine Anmeldung dafür ist beim Kinder- und Familienbüro unter Telefon 861 666 oder per E-Mail erforderlich. Dort gibt es auch weitere Informationen zu den Angeboten.

Direkt hinter ihr steht im Botanischen Garten eine mächtige Araukarie, auch unter den Namen Chilenische Schmucktanne oder „Affenschwanzbaum“ bekannt. Seine nährstoffreichen Früchte, die piñones (Pinienkerne), ähneln optisch und geschmacklich einer Mandel.

Amarant war Hauptnahrungsmittel für Inka, Maja und Azteken

Mais und Hirse wachsen wenige Meter weiter, ebenso wie die Wegwarte – älteren Generationen als Bestandteil des Kaffee-Ersatzes Muckefuck bekannt. Die Wildform wird aber auch als Salat genutzt. Das immer beliebter werdende Pseudogetreide Amarant ist ebenfalls zu finden. Es zählt zu den ältesten Nutzpflanzen der Menschheit und diente bereits Azteken, Inka und Maya als Hauptnahrungsmittel.

Auch Möhren, Zwiebeln und Rote Beete sind vertreten

Heimisch wird es dann im Bauerngarten: Der Wildkohl stellt den Ursprung für die weiteren Kohlarten da, die im Botanischen Garten wachsen: Rot- und Grünkohl, Kohlrabi, Rosenkohl, Brokkoli, Weiß-, Spitz- und Blumenkohl sowie der in Italien beliebte Palmkohl stehen auf wenige Quadratmetern dicht beieinander. Auch gewöhnliche Pflanzen wie Möhren, Zwiebeln und Rote Beete sind vertreten.

Besondere Erinnerungen weckt dagegen Stielmus, das immer seltener auf dem Esstisch zu finden ist. Im benachbarten Apothekergarten steht der Salbei in voller Blüte. Seine Nutzungsarten sind vielfältig – häufig wird es als Gewürz und für medizinische Zwecke genutzt.

Auch im Bereich der Teiche im Botanischen Garten zeigen sich einige Lebensmittel, darunter Reis oder die Wassernuss, die früher gegessen wurde, heute aber fast nur noch als Viehfutter genutzt wird. Schatten spendet dagegen der Feigenbaum, dessen köstliche Früchte gerade kurz vor der Reife stehen. Red

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer