1800 Menschen mussten rund um den Lewesweg evakuiert werden. Die Entschärfung dauerte keine halbe Stunde.

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Entschärfer Jost Leisten mit der amerikanischen Fünf-Zentner-Bombe.

Entschärfer Jost Leisten mit der amerikanischen Fünf-Zentner-Bombe.

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Entschärfer Jost Leisten mit der amerikanischen Fünf-Zentner-Bombe.

Krefeld. Der Teich ist Geschichte. Dort, wo einst das Feuchtbiotop im beschaulichen Garten einer Stahldorfer Familie war, klafft jetzt ein gut ein Meter tiefes Loch. Darin: Eine Fünf-Zentner-Bombe mit rostiger Hülle, aber ohne Zünder. Den hat Jost Leisten in seiner Hand. Er ist gerade aus der Grube geklettert und grinst die heranströmende Menschengruppe an.

Dieses Bild kennt der Entschärfer des Kampfmittelbeseitigungsdienstes nur zu gut: Nach einer guten halben Stunde der absoluten Ruhe herrscht jetzt ordentlich Trubel. In seiner Hand lässt er den Detonator des Zünders hin und her rollen und beantwortet geduldig Fragen.

Um kurz nach 10 Uhr am Morgen hatte Leisten in dem Garten am Lewesweg in Stahldorf damit begonnen, den Zünder des amerikanischen Sprengkörpers aus dem Zweiten Weltkrieg herauszuschrauben. "Das ist der kritischste Augenblick", sagt er. Ein Roboter kommt diesmal nicht zum Einsatz: Werkzeug und ein großer Hebel reichen, um den Zünder aus der mehr als 60 Jahre unter der Erde liegenden Bombe herauszuschrauben.

Dass die am Mittwoch gefunden worden war, ist einem Nachbarn zu verdanken: Er wollte eine Bohrung für eine geothermische Anlage durchführen lassen. "Dabei wird das Gelände fünf Meter rund um die Bohrstelle untersucht", erläutert Kai Günther von der Krefelder Feuerwehr.

Auf einem Luftbild war routinemäßig nachgeschaut worden, ob hier zur Kriegszeit eine Bombe niedergangen sein könnte. Der Verdacht bestätigte sich. "Das Biotop hat einen flachen und einen tiefen Teil. Nur per Zufall war der flache Teil genau über der Bombe angelegt worden - sonst wären wir heute nicht hier", sagt Günther.

1800 Menschen mussten die Häuser verlassen

Rund 1800 Menschen in einem 250-Meter-Radius um die Fundstelle mussten deshalb Wohnungen und Firmen verlassen. In den betroffenen Bereichen waren Handzettel verteilt worden, und die Polizei machte Durchsagen. Wer blieb, wäre notfalls von den Ordnungshütern zwangsweise weggebracht worden. "Dazu müsste aber bekannt sein, wo sich noch jemand in seiner Wohnung aufhält. Überall geklingelt wird nicht", so Kai Günther.

Ganze Straßenzüge 500 Meter um die Bombe herum wurden gesperrt - darunter die Obergath, die zwischen Kölner und Gladbacher Straße abgeriegelt wurde. 24 Menschen suchten die Betreuungsstelle auf, die in der Stahldorfschule eingerichtet worden war. Darunter waren auch einige, die mit Krankenwagen abgeholt worden waren, unter anderem ein Wachkoma-Patient. "Das machen wir kostenlos - Service der Stadt", sagt Günther. Glück hatten die Theodor-Heuss-Schüler: Wegen der Bombenentschärfung fiel für sie der Unterricht an diesem Tag aus.

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