Einem Krefelder Paar wurde ein Lkw voller Hausrat gestohlen. Die beiden Lehrer fühlen sich von Polizei und Justiz im Stich gelassen.

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Vieles ist in der neuen Wohnung von Jürgen Neuberg und Barbara Münzenberg schon eingeräumt. Doch der Umzugsunternehmer hat 50 Kartons und viele Wertgegenstände einbehalten.

Vieles ist in der neuen Wohnung von Jürgen Neuberg und Barbara Münzenberg schon eingeräumt. Doch der Umzugsunternehmer hat 50 Kartons und viele Wertgegenstände einbehalten.

Dirk Jochmann

Vieles ist in der neuen Wohnung von Jürgen Neuberg und Barbara Münzenberg schon eingeräumt. Doch der Umzugsunternehmer hat 50 Kartons und viele Wertgegenstände einbehalten.

Krefeld. Umzüge sind kein Vergnügen. Erst recht nicht, wenn sich über Jahre mehr Hausrat angesammelt hat, als Freunde und Bekannte an einem Tag schleppen können. Viele nehmen daher die Dienste einer Umzugsfirma in Anspruch und erwarten eine Rundum-Sorglos-Lösung: Ein paar kräftige Männer packen ruckzuck alle Kisten und Möbelstücke in einen Lkw und fahren die Sachen von A nach B. Das kostet etwas, vermeidet aber Stress und schont den Rücken.

Das dachten sich auch Barbara Münzenberg und Jürgen Neuberg, als sie im Frühsommer des vergangenen Jahres zusammenziehen wollten. Kurz darauf waren sie um rund 50 voll bepackte Kartons und zahlreiche Wertgegenstände ärmer.

Was war passiert? Das Paar hatte von mehreren Unternehmen Kostenvoranschläge eingeholt und sich letztlich für die Firma Umzug Georg mit Sitz in Mönchengladbach entschieden. „Uns hat überzeugt, dass der Inhaber uns einen Festpreis von 2500 Euro für beide Wohnungen garantiert hat“, erzählt Münzenberg, Pfarrerin im Schuldienst am Berufskolleg Vera Beckers.

Nach dem ersten Tag gab es eine Anzahlung von 1.100 Euro

Doch am Umzugstag stellte sich heraus, dass der Unternehmer, Sawas Moisiadis, den Aufwand für den Umzug wohl unterschätzt hatte: „Abends war meine Wohnung zwar fast ausgeräumt“, sagt Münzenberg. „Die meines Partners aber erst zur Hälfte.“ Sie ließen sich zu einer Anzahlung von 1100 Euro überreden – der Umzug sollte am darauf folgenden Samstag fortgesetzt werden.

Moisiadis ist auch tatsächlich mit zwei Helfern bei Jürgen Neuberg aufgetaucht und hat seine Wohnung im dritten Stock ausgeräumt. Doch dann geschah das für Neuberg Unfassbare: „Ich dachte, die machen unten auf der Straße eine Pause“, erzählt er. „Als ich dann mal aus dem Fenster gesehen habe, waren die Männer samt Lkw weg.“

 Am 4. Juni 2010 will das Paar eigentlich umziehen, doch ein Tag reicht nicht aus. Also kommt der Unternehmer am 11. Juni nochmals mit ein paar Helfern – an diesem Tag verschwindet er auch mit dem Lkw. Münzenberg und Neuberg erstatten Anzeige.

Am 23. Juli bekommt das Paar Post. Der zuständige Krefelder Staatsanwalt bestätigt den Eingang des Falls und übermittelt ein Aktenzeichen. Am 9. August ändert er den Straftatbestand von Unterschlagung in Erpressung um und gibt den Fall an die Gladbacher Staatsanwaltschaft ab. Diese erklärt am 28. September, nicht zuständig zu sein, der Fall landet wieder in Krefeld. Am 17. Dezember wird er dort vorläufig eingestellt.

Und mit ihnen unzählige Kisten, Teppiche, zwei Waschmaschinen, ein Flachbildfernseher und zahlreiche weitere Gegenstände.

Ein Anruf beim Umzugsunternehmer ergab, dass dieser „lediglich von seinem Pfandrecht Gebrauch mache und mehr Geld wolle“. Er verdoppelte ohne weitere Absprachen die vereinbarte Summe auf knapp 5000 Euro und warf die so entstandene neue Rechnung sogar noch bei Neuberg und Münzenberg in den Briefkasten.

„Wir fühlen uns total allein gelassen.“

Jürgen Neuberg

Das Paar erstattete Anzeige, doch lange passierte nichts. Erst mehr als einen Monat später bekamen Münzenberg und Neuberg Post vom zuständigen Staatsanwalt, der den Eingang der Angelegenheit bestätigte. Der für das Paar äußerst frustrierende Rest der Geschichte ist schnell erzählt: Nach ein bisschen Zuständigkeitsgerangel wurde das Verfahren am 17. Dezember vorläufig eingestellt. „Angeblich, weil der Aufenthaltsort des Mannes nicht zu ermitteln sei“, sagen Neuberg und Münzenberg. Dafür haben sie allerdings nur ein Kopfschütteln übrig.

„Wir haben noch mehrmals mit Moisiadis telefoniert“, erzählen sie. „Und einmal ist er sogar bei uns zu Hause aufgetaucht – mit der Polizei.“ Der Grund: Er forderte seine Umzugskartons zurück, deren Leihgabe Bestandteil des Vertrags gewesen ist.

Hinzu kommt, dass der Umzugsunternehmer auch weiterhin im Internet und in Branchenbüchern Werbung für sich macht. „Außerdem haben wir das Kennzeichen vom Wagen seines Sohnes“, sagen Neuberg und Münzenberg. „Er war dabei, als der Unternehmer die Umzugskisten vorbeigebracht hat.“

Unternehmer ist sicher, im Recht zu sein

In ihren Augen gibt es also genug mögliche Ermittlungsansätze; die eine Behörde schiebe nur ihre eigene Untätigkeit auf die andere. „Die Staatsanwaltschaft begnügt sich damit, dass die Polizei den Mann angeblich nicht finden konnte“, sagt Neuberg. „Die Polizei wiederum sucht nicht so richtig nach ihm, weil die Staatsanwaltschaft beim Richter keinen Haftbefehl beantragt hat.“

Das Paar ist verzweifelt. „Zu dem Verlust unserer Sachen kommt jetzt auch noch der Vertrauensverlust“, sagt Neuberg. „Wir fühlen uns von Polizei und Staatsanwaltschaft total allein gelassen.“

Moisiadis selbst ist sicher, im Recht zu sein: „Ich habe den beiden mehrfach angeboten, ihre Sachen gegen Zahlung der ausstehenden Summe abzuholen“, sagt er auf Nachfrage der WZ. Da das nicht geschehen sei, habe er alle Sachen „vernichtet“. Seine Forderungen gegen das Paar beziffert Moisiadis auf 10 000 Euro. „Ich klage das ein.“ Seine Firma sei inzwischen pleite gegangen.

Dass Moisiadis zwischenzeitlich angeboten habe, die Kartons und Wertgegenstände abzuholen, bestreitet Neuberg. „Das ist einfach nicht wahr“, sagt er.

Immerhin: Es scheint wieder Bewegung in die Sache zu kommen. „Wir werden beim Richter Haftbefehl gegen den Mann beantragen“, sagt Oberstaatsanwalt Hans Dieter Menden, nachdem die WZ nachgehakt und gefragt hat, mit welcher Begründung das Verfahren eingestellt wurde.

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