Exoten sind Marc Blondin und Britta Oellers damit zwar nicht, aber das Signal kommt an: Gemeinsam für Krefeld.

CDU-Landtagsabgeordnete
Marc Blondin und Britta Oellers stimmen im Landtag nicht nur farblich überein.

Marc Blondin und Britta Oellers stimmen im Landtag nicht nur farblich überein.

Michael Passon

Marc Blondin und Britta Oellers stimmen im Landtag nicht nur farblich überein.

Krefeld. Das Büro wird geteilt, der wissenschaftliche Mitarbeiter Marcus Laßek ebenso. Klingt sympathisch, ist es auch. Exoten sind Marc Blondin und Britta Oellers damit zwar nicht im Düsseldorfer Landtag, aber das Signal kommt an: Gemeinsam für Krefeld. Dafür ist der Blick auf Rhein und Medienhafen schon etwas anderes als der aus dem ersten Stock in der Carl-Wilhelm-Straße. Und als wollten sie die Botschaft noch verstärken, tragen beide braune Schuhe, beigefarbene Hose, weißes Hemd und blaues Sakko. „Zufall“, lächelt Blondin, der in seiner Heimatstadt aufgrund der Boykott-Ankündigung für das „Fest ohne Grenzen“ derzeit nicht viel zu lachen hat.

Der sorgsam inszenierte Rückzug von dem Straßenfest, mit dem alle Beteiligten traditionell ein Zeichen gegen Faschismus und Nazis setzen, hat ganz Krefeld überrascht, nur die CDU nicht. Sie beruft sich auf ein Redemanuskript von Bürgermeisterin Karin Meincke aus dem Jahre 2011: „Die Grundlage unserer Gemeinsamkeit muss immer unsere freiheitlich-demokratische Rechtsordnung sein“. Und die spricht die CDU den Parteien DKP und MLPD heute ab. Es geht aber auch aktueller: Blondin hatte Bündnis-Organisator Knur Ende März darauf aufmerksam gemacht, dass man vor allem mit der DKP ein Problem habe.

Und warum haben Organisationen wie die Caritas, der SkF, Gewerkschaften oder das Bistum Aachen dieses Problem nicht? „Es steht uns nicht an, das zu beurteilen“, meint Blondin dazu. „Wir gehen davon aus, dass andere Teilnehmer mit ihrer Präsenz ehrenwerte Absichten verfolgen. Die Entscheidung, die getroffen wurde, ist eine Entscheidung für die CDU.“

Bleibt die Frage nach dem zuletzt lauten, in Teilen extrem rechtskonverativen CDU-Nachwuchs, der die Absage in den sozialen Medien zu einem nicht sehr reflektierten Rundumschlag gegen alles vermeintlich Linke nutzt. Beabsichtigte Steilvorlage oder endgültig außer Kontrolle geraten? Blondin laviert und lenkt um: „Es macht einen Unterschied, ob sich einzelne Privatpersonen, die unter anderem auch Mitglied in der CDU sind, im eigenen Namen in der von ihnen für richtig gehaltenen Weise auf Facebook äußern, oder ob der Fraktionsvorsitzende der Krefelder SPD verharmlosend von ,extremen Tendenzen’ in DKP und MLPD spricht.“ Und: „Merkwürdiges Zeug steht auf Facebook an vielen Stellen.“

„Wir müssen einen immensen Sanierungsstau lösen“

Zu merken ist jedenfalls: Sowohl Blondin als auch Oellers wollen sich trotz der Aufgaben im Landtag weiterhin intensiv um Krefelder Stadtpolitik kümmern. Auch in Tönisvorst soll es bald eine Anlaufstelle und lokale Zuarbeit geben. Allerdings gilt bei nur einer Stimme Mehrheit für Schwarz-Gelb am schönen Rhein: Landtag geht im Zweifel vor Stadtrat.

Man ist noch dabei, sich einzuschockeln, die Zeitpläne auszutesten, da passen die Ferien ganz gut. „Auch die Arbeitskreise hier müssen sich erstmal finden, es ist alles sehr spannend für uns“, sagt Oellers, die diese wahnsinnige Nacht mit Foto-Finish um das Direktmandat immer noch vor Augen hat. Das geht Marc Blondin ganz ähnlich, allerdings zieht langsam der Alltag ein. „Meine Söhne finden es jetzt auch nicht mehr so spannend, dass ich Abgeordneter bin.“

Als größte Herausforderung bezeichnen beide die wachsende Kinderarmut im Land, gerade Krefeld liegt in diesen Statistiken oft über dem Schnitt. Zuletzt hatte die CDA gefordert, die Krefelder Abgeordneten mögen dafür Sorge tragen, dass die Gelder aus dem SPD-Programm „Kein Kind zurücklassen“ weiterhin für Prävention zur Verfügung stehen. Das soll ein Schwerpunkt sein. Ein anderer ist der Erhalt beziehungsweise die Sanierung von wichtigen städtischen Immobilien wie Eishalle, Sportstätten insgesamt, Stadthaus oder Stadtwaldhaus. „Wir müssen einen immensen Sanierungsstau lösen und wissen noch nicht, was auf uns zukommt.“

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer