Wen die Bilder von Justyna Tuha an Graffiti erinnern, der macht ihr ein Kompliment.

Justyna Tuha vor ihrer riesigen Bretterwand im Museum.
Justyna Tuha vor ihrer riesigen Bretterwand im Museum.

Justyna Tuha vor ihrer riesigen Bretterwand im Museum.

A. Bischof

Justyna Tuha vor ihrer riesigen Bretterwand im Museum.

Krefeld. Vielleicht ist man ja in einen Hinterhof geraten, in ein schmuddeliges Viertel, in dem gelangweilte Jugendliche ihren Frust an Wänden austoben. Sie malen Buchstaben und Versatzstücke der Popkultur auf den Beton, ein Chaos von Linien, Gebilden und Assoziationen. "Wenn jemand sagt, dass ihn meine Kunst an Graffiti erinnert, ist das ein gigantisches Kompliment", sagt Justyna Tuha.

Die aus Polen stammende Künstlerin ist bei "Quer geschnitten" mit einer riesigen, im rechten Winkel aufgebauten Bretterwand vertreten, die von beiden Seiten mit großformatigen Drucken behängt ist. In Schwarz und Rot, den Farben "mit der stärksten Ausstrahlung", hat Tuha abstrakte Formen und Linien-Knäuel neben Gesichtern, Schriftzeichen und Symbolen angeordnet.

Die Idee, dass dieses scheinbar lose Sammelsurium von Gedanken, die Arbeit mehrerer streunender Sprayer sein könnte, gefällt Tuha. Sie mag keine Deutung vorgeben: "Die Geschichte kann sich jeder selbst zusammenbasteln."

Für sie verkörpern die beiden Seiten der Bretterwand Außen und Innen, Kosmos und Emotion. Die Arbeit, in der sie auch das Antlitz ihrer Tochter und einiger guter Freunde verewigt hat, ist sehr persönlich: "Jeder Künstler beginnt bei sich selbst", sagt die 53-Jährige, die in Krefeld und Düsseldorf arbeitet. "Dies ist eine Auseinandersetzung mit Dingen, die ich erlebt habe."

Näher darauf eingehen möchte Tuha nicht. Sie verrät immerhin, dass sie "seit mehr als 20 Jahren" in Deutschland lebt. Die Druckpressen, mit denen sie in Polen gearbeitet hat, musste sie dort zurücklassen. Ihre Monotypien erstellt sie nun per Hand. Dünn trägt sie Druckfarbe auf einen Tisch auf, legt eine Papierbahn darauf und zeichnet auf die Rückseite.

Die WZ betrachtet in der Ausstellung "Quer geschnitten" im Kaiser-Wilhelm-Museum Kunstwerke gemeinsam mit dem Künstler. Dabei entsteht eine Serie lebendiger Portraits. Heute: die Künstlerin Justyna Tuha.

"Dabei entsteht ein von mir geliebter Schmutz", erklärt sie. Da die Farbe dazwischen tagelang trocknen muss, geht die Spontaneität verloren, bedauert Tuha. Dass die Bilder dennoch so aussehen, als wären sie aus dem Chaos der Gedanken aufs Blatt geflossen, ist ihre größte Stärke.

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