Eine Umfrage bei 200 Krefelder Betrieben nach verschiedenen Standortfaktoren soll Verbesserungen herbeiführen.

Eine Umfrage bei 200 Krefelder Betrieben nach verschiedenen Standortfaktoren soll Verbesserungen herbeiführen.
Professor Rüdiger Hamm von der Hochschule Niederrhein hat für die IHK eine Analyse des Standortes Krefeld vorgenommen und stellte die Ergebnisse vor.

Professor Rüdiger Hamm von der Hochschule Niederrhein hat für die IHK eine Analyse des Standortes Krefeld vorgenommen und stellte die Ergebnisse vor.

Andreas Bischof

Professor Rüdiger Hamm von der Hochschule Niederrhein hat für die IHK eine Analyse des Standortes Krefeld vorgenommen und stellte die Ergebnisse vor.

Die repräsentative Umfrage der Hochschule Niederrhein bei 200 Betrieben mit insgesamt 10 000 Beschäftigten im Auftrag der Industrie- und Handelskammer (IHK) ergab unter dem Strich als Schulnote eine Drei plus. „Da ist noch Luft nach oben“, kommentierte IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz die Ergebnisse bei der Präsentation der Analyse und erntete zustimmendes Nicken der gut 100 Vertreter aus Wirtschaft und Verwaltung.

Die Mahnung, Taten folgen zu lassen, fand jeder Teilnehmer auf seinem Platz: die Ankündigung der Auftaktveranstaltung für einen Aktionsplan für die Krefelder Wirtschaft am 9. Juli. Ziel ist es, die Standortfaktoren zu verbessern und Wachstum wie Beschäftigung zu fördern – mit einer Wirtschaft, die nicht meckert, sondern mitmacht, und einer Verwaltung, die sich in deren Belange hineinversetzt und diese unterstützt.

Steinmetz teilte sich die Präsentation der Analyse mit Professor Rüdiger Hamm von der Hochschule. Hamm erläuterte die Fakten zur Wirtschaftsstruktur und Entwicklung. Früher war Krefeld von der Textilindustrie geprägt, heute ist die Chemische Industrie die größte Industriesparte – und folgt nach Gesundheit und Soziales, Einzelhandel und Öffentlicher Verwaltung dennoch erst an vierter Stelle.

„Ich werde jetzt nicht über den Nachbarn Meerbusch herziehen, sondern diplomatisch um ihn werben.“

Frank Meyer, Oberbürgermeister zu Verhandlungen über das gemeinsame Gewerbegebiet

Im Vergleich zu NRW ist die Chemische Industrie in Krefeld überdurchschnittlich stark vertreten. In dem Aushängeschild der Stadt sind seit 2008 rund 1000 neue Jobs entstanden. Dagegen geht es mit zwei anderen Traditionsbranchen weiter bergab. Bei den Metallerzeugern (Platz 12) und Maschinenbauern (Platz 14) sind mehr als 2500 Jobs verlorengegangen.

Die mit Abstand beschäftigungsstärkste boomende Branche ist der Bereich Gesundheit und Soziales mit einem Plus von 4000 Beschäftigten seit 2008, was allein zwei Drittel der neuen Arbeitsplätze in Krefeld im Beobachtungszeitraum ausmacht.

Steinmetz schlüsselte anschließend die Umfrageergebnisse auf: 53 Prozent der Betriebe bewerten den Standort mit der Note Eins oder Zwei, 43 Prozent mit Drei oder Vier und die restlichen vier Prozent mit mangelhaft oder ungenügend. Dass die Unternehmen insgesamt zufrieden sind, liegt vor allem an der guten Lage, den Verkehrsanbindungen, der Aus- und Weiterbildungsstruktur sowie dem Schul- und Hochschulangebot.

Betriebe klagen über zu hohe Standortkosten

Bei der Standortqualität schneiden Naherholung und Freizeit, Kulturangebot und Freizeitmöglichkeiten gut ab, während Straßennetz, Stadtbild, Sicherheit und Parkplatzangebot negativ bewertet werden. Schlecht versorgt fühlen sich die Betriebe mit Internetverbindungen. Sie klagen zudem über zu hohe Standortkosten.

„Damit ist der Handlungsbedarf deutlich aufgezeigt“, zieht Steinmetz das Fazit und kündigt einen Aktionsplan an, bei dem sich auch ein neuer „Spirit“ zwischen Wirtschaft und Verwaltung entwickeln müsse. Steinmetz formuliert auch seine derzeit größte Sorge: „Die drohende Ablehnung des interkommunalen Gewerbegebiets an der Fischelner Grenze zu Meerbusch durch die Nachbargemeinde wäre ein katastrophales Signal für unsere Wirtschaft.“

Bei der anschließenden lebhaften Diskussion mischt Oberbürgermeister Frank Meyer leidenschaftlich mit. „Wir haben viele Gewerbeflächen verkauft“, lobt er, und will die noch vorhandenen oder brachliegenden Flächen schnellstmöglich entwickeln. Die Hoffnung auf das gemeinsame Gewerbegebiet mit Meerbusch hat er noch nicht aufgegeben. „Nicht draufhauen, sondern um Vertrauen werben“, möchte er. Sollte das gelingen, wäre später vielleicht auch eine Annäherung bei Ausbau und gemeinsamer Nutzung des Hafens möglich.

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