Die WZ startet mit einer neuen Serie zur Landtagswahl. Wir fragen die Kandidaten in deren Küche: „Welches Süppchen kochen Sie?“ Erster Koch: Benedikt Winzen.

Benedikt Winzen kocht für sein Leben gern. Doch hat er dafür zu wenig Zeit. Für die WZ macht er aber eine Ausnahme. Fotos (4): Dirk Jochmann
Benedikt Winzen kocht für sein Leben gern. Doch hat er dafür zu wenig Zeit. Für die WZ macht er aber eine Ausnahme. Fotos (4): Dirk Jochmann

Benedikt Winzen kocht für sein Leben gern. Doch hat er dafür zu wenig Zeit. Für die WZ macht er aber eine Ausnahme. Fotos (4): Dirk Jochmann

Flugs wird der Lauch geschnitten ...

... und das Hackfleisch angebraten.

Das Ergebnis mundet WZ-Lokalchef Michael Passon.

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Benedikt Winzen kocht für sein Leben gern. Doch hat er dafür zu wenig Zeit. Für die WZ macht er aber eine Ausnahme. Fotos (4): Dirk Jochmann

Krefeld. Der 14. Mai ist allgegenwärtig. Es gibt in Krefeld und Tönisvorst wohl keine Laterne, auf der nicht ein mehr oder minder ansprechendes Plakat verrät, wer der beste Kandidat für die Landtagswahl sein soll. Täglich versorgen die Parteien alle möglichen Nachrichtenkanäle mit ihrer politischen Haltung. Vereine und Organisationen holen die Kandidaten auf Podien. Aber wer sind diese Menschen wirklich? Sie sind Nachbarn, Vereinskollegen, Eltern, Krefelder eben. Die WZ hat die aussichtsreichsten Direktkandidaten zuhause besucht. In deren Küchen. Und augenzwinkernd werden sie gefragt: „Welches Süppchen kochen Sie?“

Im Falle von Benedikt Winzen ist es ein sozialdemokratisches. Und schmeckt anschließend im besten Fall nach Lauch, Hack und Käse. Wir sind gespannt. Der 33-Jährige lebt mit seiner Frau Christina und Töchterchen Hanna im Bockumer Feld. Hier, wo Selbstversorger früher riesige Gärten zugesprochen bekommen haben, wissen nur die wenigsten, wo das Katasteramt die Grenze zwischen Uerdingen und Bockum wirklich gezogen hat. Platz können die Winzens gebrauchen, im Spätsommer soll die kleine Hanna noch einen Bruder oder eine Schwester bekommen. Und dann ist da noch Carlsson, ein Terriermischling mit der inneren Ruhe eines Wespenschwarms. Carlsson freut sich über den ungewöhnlichen Besuch, wie neugierige Hunde das so tun. Dann geht’s mit Frauchen zum Austoben, Herrchen muss kochen.

Weg in die Politik ist früh vorgezeichnet gewesen

Winzens politischer Weg war vorgezeichnet, heute ist er sowas wie ein Hoffnungsträger der Krefelder SPD, ein großes Stück Zukunft, das von Vergangenheit getragen wird. Sein Vater war schon in der SPD, Polizist und Gewerkschafter. Und Benedikt dann Schüler des Uerdinger Ratsherrn Jürgen Hengst, dem er nun in der Fraktion vorsitzt, mit gerade mal 33. Früh gefördert wurde Winzen zudem vom verstorbenen Uli Hahnen, um ihm jetzt möglicherweise in den Landtag zu folgen. Kein Wunder, dass so ein Eigengewächs gern mal „Benni“ gerufen wird. Heute steht „Benni“, lustigerweise ein Riesenkerl, in seiner Küche und weint. Zwiebeln hatten noch selten Respekt, aber Winzen trägt’s mit Würde. Und er tut es mit einer bemerkenswerten Fingerfertigkeit. Zack, zack, zack, danach den Lauch, Pfanne raus, Hackfleisch dazu und erstmal bruzzeln. „Ich koche eigentlich echt gern, habe aber zu wenig Zeit“, sagt er, schaut an sich runter und schiebt hinterher: „Leider auch für den Sport.“

Im Garten hat sich Benedikt Winzen eine Fitness-Hütte eingerichtet. Mit Rad auf Rollen und TV-Anschluss. „Im Moment ist daran kaum zu denken. Aber bei mir verteilt sich das Gewicht ja auf die Länge.“ Da jammert einer auf hohem Niveau.

Groß sind sie alle bei Winzens. Der Landtagskandidat hat einen älteren Bruder und eine jüngere Schwester. Eine fünf Minuten jüngere Zwillingsschwester, die am Aschermittwoch auch endlich in die SPD eingetreten ist. „Wir wollten alle drei studieren und konnten es auch. Meine Eltern haben sicher nicht schlecht verdient, mussten dafür aber auch einiges entbehren. Andere Eltern können das erst gar nicht.“ Für die Befreiung von Studiengebühren trete er darum aus Überzeugung ein, meint er. Das sei ursozialdemokratisch. Wie die Förderung von Inklusion. Winzen selbst hat als Zivi auf dem Uerdinger Gymnasium einen blinden Jungen betreut. „Er hat dann Abi gemacht, ist heute Physiotherapeut.“

Zeit, Lauch-Zwiebel-Hack einzukochen. Messbecher raus, Fond rein. Die Stimmung, meint Winzen, sei bei der SPD derzeit tatsächlich bestens. „Wissen Sie, das Gute ist, im Moment reden die Leute wieder über Politik. Hinzu kommt, dass Krefeld der AfD klar gezeigt hat, dass es hier keine Unterstützung gibt. Was die teilweise auf ihren Plakaten haben, überschreitet mal wieder Grenzen. Die kleine Lilly vorm Kölner Dom, das geht gar nicht.“

Sport, das geht. Das ging immer. Aufgewachsen ist Benedikt Winzen zwar in Meerbusch, geschwitzt hat er aber am liebsten in Uerdingen. Bei den Leichathleten, im Ruderclub, sogar als Trainer. Der Schalke-Fan hat vieles probiert. „Ich dachte sogar mal, ich könnte Handball spielen. Bis ich mit jemandem gespielt hab’, der es wirklich konnte.“ Grinst, und rührt einen dicken Klecks Schmelzkäse ein. Immerhin darf sich der Bartträger offiziell Triathlet nennen. Das dürfen alle, die sich mal über die olympische Distanz gequält haben. 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 mit dem Rad, nochmal zehn zu Fuß. Respekt. Und noch mal Schmelzkäse.

Schweiß von gestern. Derzeit hat zwischen Job, Familie und natürlich Politik nichts mehr Platz. Winzen ist Firmenkundenbetreuer bei der Commerzbank in Düsseldorf. „Ich habe immer alles mit meinem Arbeitgeber vorausschauend besprochen und stoße auf viel Verständnis.“ Neben den ganzen Wahlkampfterminen ist Montag Politiktag, da nimmt sich der SPD-Fraktionsvorsitzende auch schon mal unbezahlten Urlaub und ist selten vor 22 Uhr zu Hause.

Da braucht es Verständnis, vor allem von Gattin Christina. Und von der kleinen Hanna. Darum gibt es auch Termine, an denen Nichtmal die Politik rüttelt. „Samstagmorgens gehen wir zusammen auf den Markt in Uerdingen. Hanna weiß natürlich schon genau, wo sie Wurst und Käse bekommt.“ Die Suppe jedenfalls ist fertig. Und dann zieht der Mann doch noch einen Spickzettel aus dem Besteckkasten, schaut drauf und freut sich: „Alles richtig gemacht.“

Und flugs angerichtet. Quatschen, kochen, erklären, zeigen, da kommen schon mal zwei Stunden zusammen. Die haben sich gelohnt. Die Suppe ist echt lecker.

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