Termine sind nur bis Freitagmittag möglich. Danach müssen Angehörige bis zum nächsten Werktag warten

Friedhof
Was in anderen Kommunen geht, ist in Krefeld unmöglich: Einen Beerdigungstermin auch am Wochenende festzulegen.

Was in anderen Kommunen geht, ist in Krefeld unmöglich: Einen Beerdigungstermin auch am Wochenende festzulegen.

dpa

Was in anderen Kommunen geht, ist in Krefeld unmöglich: Einen Beerdigungstermin auch am Wochenende festzulegen.

Krefeld. Es ist immer traurig, wenn ein enger Angehöriger stirbt. Passiert dies aber am Wochenende und in Krefeld, kann es auch noch ärgerlich werden. Denn hier gibt es, anders als in anderen Kommunen, keinen Notdienst, der sich um die Terminvergabe von Beerdigungen kümmert. Angehörige müssen also bis zu 70 Stunden auf einen Termin warten – kommt noch ein Feiertag hinzu, sogar bis zu 90 Stunden. Und dann kann es für Verwandte, die beruflich stark engagiert sind oder weit entfernt wohnen, richtig eng werden. Denn laut Bestattungsgesetz müssen Verstorbene innerhalb von acht Tagen beerdigt werden. Bleiben im schlechtesten Fall also gerade einmal vier Tage, um Karten zu verschicken, eine Raue vorzubereiten oder die Anreise nach Krefeld anzutreten.

„Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, auf das wir nicht stolz sein können“, sagt der Hülser Pfarrer Paul Jansen. Er hat die Situation als sehr belastend für die Angehörigen erlebt. Und auch für ihn ist es höchst unangenehm, bei einem Trauergespräch am Freitag Vormittag immer mit einem Auge auf die Uhr schauen zu müssen. „Ich empfinde das als sehr bedrückend, den Angehörigen sagen zu müssen, wir müssen uns jetzt beeilen, weil um 12.30 Uhr die Terminvergabe beim Friedhofsamt endet“, sagt er. Dies sei Steinzeit-Bürokratie.

In Meerbusch regele dies am Wochenende die Feuerwehr, in Münster kümmere sich ein Bestatter um alle Termine, sogar im kleinen Alsdorf bei Aachen hätten Bestatter einen Zugangscode für Online-Buchungen, sagt Jansen. Das Rechenzentrum in Kamp-Lintfort sei dagegen nicht in der Lage, diese Buchungen zu ermöglichen, wurde Jansen von Seiten der Verwaltung ausgerichtet.

Stadt lässt organisatorische Möglichkeiten prüfen

Auf Anfrage der WZ lässt die Stadt ausrichten, dass die Arbeitszeitregelungen der Mitarbeiter im Bereich Friedhöfe keine Wochenendeinsätze vorsehen und auch nicht geändert werden. Zur Zeit prüfe die Stadt aber die finanziellen und organisatorischen Möglichkeiten für eine Online-Buchung. Eventuelle Probleme im Bereich des Rechenzentrums will sie nicht bestätigen.

Jansen macht seinen Ärger mit einem drastischen Vergleich Luft. „In Krefeld kann man gegen Gebühr 24 Stunden lang das Wunschkennzeichen bestellen, aber bei einer Beerdigung muss man bis zum nächsten Werktag warten.“ Oder um es mit anderen Worten zu sagen: Wieso funktioniert in Alsdorf, was in Krefeld nicht möglich scheint?

Bei Erdbestattungen müssen mindestens 48 Stunden vom Zeitpunkt des Todes bis zur Beerdigung vergehen. Spätestens nach acht Tagen muss die Beerdigung vollzogen sein.
 

Ab 1. Oktober gilt eine neue gesetzliche Frist von zehn Tagen bis zur Beerdigung.

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