Einer osteuropäischen Gruppe gelang es, am Telefon Adressdaten zu ändern und sich eine EC-Karte zusenden zu lassen.

wza_1500x961_682847.jpeg
Horst König, dessen Computer gehackt worden war, hat eine dicke Akte über den Schriftwechsel mit der Postbank.

Horst König, dessen Computer gehackt worden war, hat eine dicke Akte über den Schriftwechsel mit der Postbank.

Dirk Jochmann

Horst König, dessen Computer gehackt worden war, hat eine dicke Akte über den Schriftwechsel mit der Postbank.

Krefeld. Als Hannelore und Horst König aus dem Urlaub zurückkehren, ist es mit der Erholung schlagartig vorbei. Ihre Abwesenheit haben Unbekannte genutzt, um das Girokonto des Ehepaars leerzuräumen. Weit über die Dispogrenze hinaus hatten Kriminelle mehrere tausend Euro erbeutet - ein Schaden, auf dem das Ehepaar König zu einem Großteil sitzengeblieben ist.

Die Masche, mit der sich offenbar eine osteuropäische Bande einen Zugang zu Konten verschaffte, ist eher ungewöhnlich. Die ermittelnde Berliner Staatsanwaltschaft wollte sich gegenüber der WZ dazu nicht im Detail äußern, bestätigte allerdings grundsätzlich die Vorgehensweise. Demnach gelang es den Kriminellen, Computerdaten auszuspähen und diese für Manipulationen beim Telefonbanking zu nutzen - die Täter ließen sich offenbar EC-Karten und neue Geheimzahlen von Postbank-Kunden zusenden.

Zähneknirschend einem Vergleich zugestimmt

Horst König aus Linn hatte zunächst geglaubt, dass es sich bei dieser Tat um einen Einzelfall handelt. Deshalb habe er sich mit der Postbank auf einen Vergleich geeinigt: Jeder trägt die Hälfte des Schadens. Zähneknirschend hatte König zugestimmt, um nicht auf dem kompletten Schaden sitzenzubleiben. "Erst viel später habe ich von der Berliner Polizei erfahren, dass es noch mehr Betroffene gibt", sagt König. Eine Tatsache, die die Staatsanwaltschaft bestätigt. Der Linner ärgert sich deshalb heute, dass er sich auf den Vergleich überhaupt eingelassen hat. Sein Anwalt hat Akteneinsicht beantragt, auf die er aber seit mehreren Monaten wartet.

Während die Postbank König nach eigenen Angaben vorwarf, er habe seine Daten nicht ausreichend geschützt und ihm fahrlässigen Umgang bei der Kontoführung unterstellte, sieht der Ingenieur das Problem genau auf der anderen Seite: "Ich war Bankräubern hilflos ausgeliefert, weil die Sicherheitslücke im Telefonbanking der Postbank so groß ist wie ein Scheunentor."

König schildert, wie die Täter in seinem Fall vorgegangen seien: Sein Computer wurde trotz Virenschutzes gehackt und das Online-Banking beobachtet. Dabei machten sich die Täter zunutze, dass die Geheimzahlen für Online- und Telefon-Banking nahezu identisch waren - die fürs Telefon-Banking hatte einfach eine Stelle mehr. "Als wir die PIN fürs Telefon-Banking erhalten hatten, waren wir ja aufgefordert worden, diese in eine leicht zu merkende Kombination zu ändern", berichtet Horst König. Daher die Ähnlichkeit.

Nachdem die Täter die Geheimzahl fürs Online-Banking kannten, war der Zugang zum Telefon-Banking nur noch reines Ausprobieren. "Mit Erfolg", wie König sagt. Weil keine zusätzlichen Sicherheitsabfragen erfolgen, gelang es den Tätern, zunächst die Adresse des Kontobesitzers auf eine Berliner Anschrift zu ändern. Dann forderte die Bande eine neue EC-Karte mitsamt neuer Geheimzahl an. Die Eheleute König bemerkten dies dadurch, dass ihrem Konto eine Gebühr belastet worden war. Auf ihre Beschwerde hin sperrte die Postbank die Karte. Einen Hinweis auf die Adressänderung gab es indes nicht.

Die Täter gaben aber nicht auf. Dreist orderten sie einfach noch einmal EC-Karte und Geheimnummer, was der Postbank trotz der Vorgeschichte offenbar nicht merkwürdig erschien. Da waren die Königs gerade in den Urlaub gefahren. Dass ihr Konto geplündert wurde, bemerkten sie deshalb erst viel später. Zu spät.

Postbank sieht keine neue Betrugsmasche

Die Postbank erklärte auf WZ-Anfrage, es sei eher ungewöhnlich, dass Online-Betrüger den Umweg über das Telefon-Banking versuchten. Hier liege "aktuell kein Hinweis auf Betrüger vor, die versuchen, mittels Telefon-Banking Kunden zu schädigen", so Postbank-Sprecher Jürgen Ebert. Dass es eine Vielzahl weiterer solcher Betrugsfälle gibt, könne er nicht bestätigen. Ebert sagt, dass die Geheimzahlen für Online und Telefon zwar nach Erhalt geändert werden sollten. Wenn diese allerdings vereinheitlicht würden, erhöhe sich das Risiko.

Horst König, der mehr als 30 Jahre Kunde der Postbank war, hofft jetzt, dass sein Anwalt aufgrund mehrerer solcher Betrugsfälle noch etwas für ihn und seine Frau erreichen kann - trotz des vorherigen Vergleichs.

Beim Telefonbanking können Kontostandsabfragen, Überweisungen und oft auch Wertpapiergeschäfte am Telefon erledigt werden.

Im Fall von Horst König konnten auf diesem Wege auch die Adresse geändert und eine EC-Karte mitsamt neuer Geheimzahl angefordert werden. Zusätzliche Sicherheitsabfragen wie Transaktionsnummern wurden nicht gefordert.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer