Verkehr: Viele Senioren wollen den Führerschein nicht abgeben, weil sie unabhängig bleiben möchten. Doch sie unterschätzen das Risiko.

wza_1500x1201_705682.jpeg
Viele Senioren hängen auch im hohen Alter an ihrem Führerschein

Viele Senioren hängen auch im hohen Alter an ihrem Führerschein

Archiv

Viele Senioren hängen auch im hohen Alter an ihrem Führerschein

Krefeld. Die 90-jährige Krefelderin Helma D. fährt kein Auto mehr, aber nicht aus eigenem Entschluss. Ihr Sohn hat veranlasst, dass ihr die Fahrerlaubnis entzogen wird - allerdings ohne ihr Wissen.

Die alte Dame hat sich nur schwer von ihrem Auto trennen können, da sie den Führerschein schon so lange besessen hat. Viel gefahren sei sie nicht mehr, "nur bis zum Friedhof und zurück". Nun ist sie auf andere Menschen angewiesen und hat damit einen Teil ihrer Freiheit verloren.

Rolf Rönsch vom Verkehrskommissariat Prävention, warnt, dass ab 50 Jahren Seh-, Hör, und Reaktionsvermögen abnehmen können und so eine Gefahr vom Fahrzeugführer ausgehen kann. Die Reaktionsfähigkeit sowie Hör- und Sehsinn nehmen im Alter ab

"Viele fahren noch im hohen Alter mit dem Auto, um ihre Mobilität zu wahren, gerade wenn Fahrradfahren nicht mehr möglich ist", sagt der Verkehrssicherheitsberater. Doch es sei gefährlich, wenn die Sinne und die Fähigkeit zur schnellen Verarbeitung nachlassen.

Aber nicht nur die natürliche Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit sei riskant, sondern auch Medikamente. "Oftmals sind die Nebenwirkungen nicht bekannt, gerade bei der Kombination von Präparaten", so Rönsch.

Im Jahr 2009 verunglückten 155 Senioren im Straßenverkehr, davon waren 22 Mitfahrer. Bei 64 Unfällen waren hingegen die Senioren selbst Verursacher.

Landesweit lag Krefeld 2009 auf dem vorletzten Platz der Senioren-Unfallstatistik. Mittlerweile liegen die Unfallzahlen bei Senioren wieder im Landesdurchschnitt.

Das Verkehrskommissariat Prävention ist gemeinsam mit der Verkehrswacht Krefeld auf vielen großen Veranstaltungen vor Ort und führt Seh- und Reaktionstests durch. In Planung sind Gesprächskreise für Senioren im Straßenverkehr. Das erste Modul geht bald in die Pilotphase.

Wenn ein Unfall passiert, sind die Folgen mit zunehmendem Alter gravierender, da die Heilungschancen sinken. Was vielen nicht bekannt ist: Alkohol wirkt im Alter stärker, da der Körper ihn nicht mehr so gut abbauen kann.

Ein weiterer Punkt sind die Verkehrsregeln: "Nach einiger Zeit sind die Regeln einfach nicht mehr abrufbar - beim Kreisverkehr, Beschleunigungs- oder Busstreifen", sagt der Verkehrssicherheitsberater. Die Lücken werden dann mit dem gesammelten Erfahrungsschatz ausgeglichen - was aber nicht unbegrenzt möglich ist. Dennoch: Die älteren Fahrer als generell schlechtere darzustellen, lehnt Rönsch ab.

Pro Jahr vergebe die Verkehrswacht etwa 25 Auszeichnungen für unfallfreies Fahren. Viele der Geehrten sind 25, einige 50 Jahre und ein paar 60 Jahre unfallfrei mit dem Pkw unterwegs. "Jetzt hat ein Fahrer eine Auszeichnung für 70Jahre unfallfreies Fahren beantragt", erzählt Rönsch. Wichtig sei es, ehrlich mit sich selbst zu sein und seine Fähigkeiten richtig einzuschätzen.

Nun sieht auch Helma D. ein, dass ihr Sohn "aus Vernunftgründen" handelte, obwohl sie selbst sich im Auto noch genau so sicher fühle "wie vor zehn Jahren". Sie kann nach eigener Ansicht noch gut und vorsichtig Auto fahren. Einen Unfall habe sie noch nie verursacht.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer