Fünf Vertreter der Krefelder Religionen diskutieren über ihr Gemeindeleben und über Gemeinsames.

Fünf Vertreter der Krefelder Religionen diskutieren über ihr Gemeindeleben und über Gemeinsames.
Bei der Ausstellungseröffnung im Rathaus wurde auch gesungen.

Bei der Ausstellungseröffnung im Rathaus wurde auch gesungen.

Andreas Bischof

Bei der Ausstellungseröffnung im Rathaus wurde auch gesungen.

„In Einheit leben – in Vielfalt glauben“ heißt die Ausstellung, die derzeit im Rathaus zu sehen ist. Unter diesem Motto fand jetzt eine Podiumsdiskussion mit fünf Vertretern von Religionsgemeinschaften statt. Moderiert wurde der Abend von Christina Schulte, Kuratorin der Ausstellung. Vor rund sechzig Zuschauern im Foyer des Rathauses begrüßte sie Ulrich Hagens von der katholischen City-Kirche St. Dionysius, Pfarrer Volker Hendricks, Vorsitzender des evangelischen Gemeindeverbands, Michael Gilad, Vorstand der Jüdischen Gemeinde, Mesut Akdeniz von der Union der Türkischen und Islamischen Vereine und Werner Batzke von der Mennonitengemeinde.

Zum Einstieg erzählt jeder Vertreter über die Aufnahme in die jeweilige Gemeinde: Die christliche Gemeinde nimmt neue Mitglieder durch das Sakrament der Taufe auf. Für die Jüdische Gemeinde ist die Abstammung entscheidend: Ist die Mutter Jüdin, gilt das auch für ihr Kind. Bei den islamischen Gemeinden handelt es sich um Vereine, bei denen sich jeder um eine Aufnahme bewerben kann.

Ein Thema, das alle bewegt, ist das des Austritts. Ulrich Hagens betont, dass die katholische Kirche streng genommen keinen Austritt kennt: Wer einmal getauft ist, bleibt dies ein Leben lang. Für die islamischen Gemeinden bestehe eine Diskrepanz zwischen den Mitgliederzahlen und Aktiven, die regelmäßig zum Freitagsgebet kommen, so Mesut Akdeniz.

Soziales Engagement zeigt den Stellenwert der Religionen

In der Jüdischen Gemeinde gibt es wenige Austritte, hier hat ein Austritt weitreichende Konsequenzen. So kann man nach einem Austritt sich nicht auf einem jüdischen Friedhof beerdigen lassen. Michael Gilad ergänzt, dass in seiner jüdischen Gemeinde auch die nicht jüdischen Partner und Kinder integriert werden. Im weiteren Verlauf der Diskussion kamen weniger die Unterschiede als gemeinsame Vorstellungen und Ziele zur Sprache. Die christlichen Kirchen sollen offene Orte für jeden sein.

In der Krefelder Innenstadt verstehen sich die Friedenskirche und die Dionysiuskirche als solche Orte. „Religion gibt Halt“, betont auch Michael Gilad. Mesut Akdeniz ergänzt, dass die Menschen auf der Suche nach einem inneren Frieden seien und die Gemeinden dabei eine Schlüsselrolle spielen. Religion hat für alle Teilnehmer eine gesellschaftliche Aufgabe, das zeige sich im sozialen Engagement.

Gegen Ende kommt der Begriff der Toleranz zur Sprache. Toleranz dürfe nie beliebig sein, so Hendricks. Für ihn hängt sie eng mit dem Verständnis für andere zusammen. „Wir kennen uns noch viel zu wenig“, betont er. „Wir müssen noch viel voneinander lernen“, ergänzt Werner Batzke. Toleranz muss für die Mennoniten immer eng mit Werten verbunden sein. Eine besondere Form der Toleranz in Krefeld erläutert Mesut Akdeniz. Der Dachverband der muslimischen Gemeinden in Krefeld sei deutschlandweit einmalig. „Krefeld ist vorbildhaft“, fasst die Moderatorin zusammen. Tatsächlich hat man am Ende der harmonischen Diskussion den Eindruck, dass das Motto der Ausstellung auch heute noch in Krefeld eine besondere Gültigkeit hat.

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