Flüchtlinge sind zu Gast beim Bündnis für Toleranz und Demokratie.

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Sabine Trebo und Ingeborg Krämer (v.r.) beim verspäteten Frühstück mit Flüchtlingen aus der Turnhalle an der Lindenstraße. Die beiden Frauen kümmern sich seit dem Einzug um die Bewohner.

Sabine Trebo und Ingeborg Krämer (v.r.) beim verspäteten Frühstück mit Flüchtlingen aus der Turnhalle an der Lindenstraße. Die beiden Frauen kümmern sich seit dem Einzug um die Bewohner.

Andreas Bischof

Sabine Trebo und Ingeborg Krämer (v.r.) beim verspäteten Frühstück mit Flüchtlingen aus der Turnhalle an der Lindenstraße. Die beiden Frauen kümmern sich seit dem Einzug um die Bewohner.

Krefeld. Youssef Yaserji ist in großer Sorge um seine Familie in Syrien. Der 44-Jährige hat Frau und vier Kinder in Aleppo zurücklassen müssen. „Jeden Augenblick kann ein Anruf mit schlimmen Nachrichten von meiner Familie kommen.“ Er selbst ist nach einer fast dreimonatigen Irrfahrt quer durch Europa im Dezember in der Turnhalle an der Lindenstraße gelandet. Über Stationen in der Türkei, Spanien, Berlin und Bielefeld kam er nach Krefeld.

Der Kfz-Meister hat im Bürgerkrieg alles verloren, Haus und Werkstatt, Freunde und Verwandte. Die Familie musste er aus finanziellen Gründen zurücklassen. Er hofft auf eine schnelle Abwicklung seines Asylverfahrens, um sie nachholen zu können. „Wir möchten uns hier in Deutschland unsere Zukunft aufbauen.“

Zu Beginn fehlte vieles in der provisorischen Unterkunft

Am gestrigen Sonntag sind er und rund 30 andere Flüchtlinge zu Gast im Bischof-Sträter-Haus an der Josefkirche. Das Bündnis für Toleranz und Demokratie in Person von Ingeborg Krämer und Sabine Trebo haben die 40 Bewohner der Turnhalle zum Brunch eingeladen. Es bildet den Auftakt der Internationalen Woche gegen Rassismus der gleichnamigen Stiftung.

Die beiden ehrenamtlichen Initiatorinnen sind auch fast täglich in der Asylunterkunft anzutreffen. Sie haben dafür gesorgt, dass das Leben dort einigermaßen erträglich ist.

Inge Krämer spart nicht mit Kritik an der Stadtverwaltung: „Anfangs fehlte es an allem. Als wir das erste Mal in die Turnhalle kamen, waren wir einfach beschämt. Nicht einmal die Mindeststandards waren erfüllt. Es war nicht menschenwürdig.“ Mittlerweile haben die Frauen für einen Fernseher gesorgt, eine Kaffeemaschine, Wasserkocher, Besteck, Tassen, Teller und Spülschüsseln.

Ihre Wäsche können die Flüchtlinge in der benachbarten Kindertagesstätte der Bürgerinitiative Rund um St. Josef waschen. Kontakte und Unterstützung finden die Asylbewerber in der Grundschule, den beiden Gymnasien Arndt und Fichte, in der Kirchengemeinde, beim Ringer- und dem Moscheeverein, Jugendliche helfen bei Sprachproblemen, wöchentlich wird ein Fahrdienst zum Arzt nach Hüls organisiert. All das fehlte im November, als die ersten Asylbewerber einzogen.

Youssef Yaserji beklagt aber auch fehlende Rückzugsmöglichkeiten, schlechtes Essen und mangelnde Sauberkeit. Wie er hoffen der Schneider Ali Mohammed (29), die Chemiestudentin Slava Koja (21), beide ebenfalls aus Aleppo, und der 27 Jahre alte Anwalt Samie Morad aus Damaskus, die Lindenstraße bald verlassen zu können.

Ob sie alle Ende März an die Westparkstraße ziehen werden, ist unklar. Einige Bewohner sollen in die Turnhalle an der Gerberstraße wechseln.

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