Noch reicht der Wohnraum in Krefeld aus, um die derzeit 520 Flüchtlinge unterzubringen.

Quartiere
Syrische und afghanische Flüchtlinge suchen derzeit verstärkt Schutz und Sicherheit in Deutschland.

Syrische und afghanische Flüchtlinge suchen derzeit verstärkt Schutz und Sicherheit in Deutschland.

dpa

Syrische und afghanische Flüchtlinge suchen derzeit verstärkt Schutz und Sicherheit in Deutschland.

Krefeld. Die Zahl der asylsuchenden Menschen in Krefeld steigt spürbar an. Während die zentralen Aufnahmeeinrichtungen des Landes ihre Kapazitätsgrenzen längst erreicht haben und händeringend nach Notquartieren suchen, ist die Stadt noch in der Lage, neu ankommende Flüchtlinge angemessen unterzubringen. Aber wie lange noch? Das wollte die WZ von Dezernent Roland Schiffer wissen.

Die Zahl der Asylsuchenden ist um 33 Prozent gestiegen

Die Auswirkungen des Bürgerkriegs in Syrien, die schlechte Sicherheitslage im kriegszerstörten Afghanistan sowie die sich zuspitzende Diskriminierung der ethnischen Gruppe der Roma und Sinti auf dem Balkan sind maßgebliche Gründe für den Anstieg. Zählte Krefeld Ende September 2011 noch rund 350 Asylbewerber, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhielten, so sind es zum gleichen Zeitpunkt 2012 bereits rund 520.

„Der Höchststand, der im Winter 2011/12 bei 470 Asylbewerbern lag, wird nun schon im Frühherbst deutlich überschritten – Tendenz weiter steigend“, sagt Schiffer. Vor allem Sinti und Roma suchten im Winter verstärkt in Deutschland Asyl, weil die Lebensbedingungen in ihren Heimatländern immer schwieriger würden. „Sie sind in erster Linie Wirtschaftsflüchtlinge und werden deshalb nach ein paar Wochen wieder abgeschoben.“

Die finanziellen Leistungen für Asylbewerber deshalb zu kürzen, wie es der Innenminister vorgeschlagen hat, hält er jedoch für einen Schnellschuss. Eher sollte die Politik über die Visabestimmungen nachdenken.

Die Schwankungen bei den Asylbewerberzahlen macht es schwierig, langfristig zu planen. Vier kleinere Übergangswohnheime gibt es derzeit noch in der Stadt, nachdem in der Vergangenheit große Einrichtungen mit bis zu 1000 Plätzen wie die an der George-C.- Marshall-Straße zugunsten dezentraler Unterbringung aufgegeben wurde. Der rapide Rückgang der Zuwandererzahlen in den vergangenen zehn Jahren begünstigte diesen Schritt.

Stadt muss 100 freie Plätze für Flüchtlinge vorhalten

Die derzeit in Krefeld wohnenden Asylbewerber stammen aus 40 verschiedenen Ländern. Ein großer Teil kommt mit 178 Personen aus den Staaten des ehemaligen Jugoslawiens. Weitere größere Nationalitäten, die vertreten sind: 51 Iraker, 41 Türken, 29 Afghanen, 28 Russen, 26 Libanesen und 22 Syrer.

Seit Dezember 2009 brauchen Besitzer eines Passes aus Serbien und Mazedonien kein Visum mehr, wenn sie in die Eurpäische Union und den Schengen-Rum reisen möchten. Im Dezember 2010 ist die Regelung auf Serbien/Montenegro und Albanien ausgeweitet worden. Viele Asylbewerber haben bereits während des Krieges im früheren Jugoslawien in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit ihren Eltern in Deutschland gelebt und wollen nun hierhin zurückkehren.

 Im Jahr 2000 musste die Stadt noch 1099 Asylbewerber und Flüchtlinge unterbringen. 2001 waren es 841 und 2002 schließlich 640. Im Sommer 2010 waren es nur noch 122 Flüchtlinge.

In diesem Sommer hat die Verwaltung ein neues Konzept zur Unterbringung von Flüchtlingen dem Sozialausschuss vorgelegt. Danach sind mindestens 100 freie Plätze vorzuhalten. Dazu darf die Verwaltung kurzfristig zehn Wohnungen anmieten. Doch die Entwicklung überrollt die Planung. Laut Schiffer werde derzeit über weitere Unterbringungsmöglichkeiten nachgedacht.

„Keineswegs darf diese Entwicklung wieder zu einer Unterbringung in Sammellagern wie in den neunziger Jahren führen“, mahnt Christoph Bönders, sozialpolitischer Sprecher der Grünen. Auch die Stigmatisierung von Roma und Sinti hält er für fatal: „Kein Mensch verlässt ohne Not seine Heimat.“

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