Weltweit reißt die Zahl der Flüchtlinge nicht ab. Doch in Krefeld ist die Zahl auf 122 Personen gesunken.

Die Ausstattung der Flüchtlingszimmer ist karg. Unser Bild zeigt Harald Ball (l.) vom Amt für Wohnungswesen und Christoph Bönders.
Die Ausstattung der Flüchtlingszimmer ist karg. Unser Bild zeigt Harald Ball (l.) vom Amt für Wohnungswesen und Christoph Bönders.

Die Ausstattung der Flüchtlingszimmer ist karg. Unser Bild zeigt Harald Ball (l.) vom Amt für Wohnungswesen und Christoph Bönders.

Auch Überschwemmungen, wie hier in Asien, sind ein Grund für Flüchtlingsströme.

abi, Bild 1 von 2

Die Ausstattung der Flüchtlingszimmer ist karg. Unser Bild zeigt Harald Ball (l.) vom Amt für Wohnungswesen und Christoph Bönders.

Krefeld. Mit einem kurzen, verstohlenen Blick auf die Besuchergruppe aus Sozialamts- und Pressevertretern schließen sich sacht aber nachdrücklich die Türen auf dem Flur. Braune und weiße Hände greifen nach den Klinken. Jeder der Gäste respektiert die Privatsphäre der 23 Menschen, die zurzeit in der Asylbewerberunterkunft an der Philadelphiastraße leben. Viele haben eine beängstigende, wahre Odyssee hinter sich, flohen aus politischen, wirtschaftlichen oder klimatischen Gründen, wie Überschwemmungen, aus ihrer Heimat.

Die Männer, Frauen und Familien kommen unter anderem aus Armenien, Bangladesch, China, Serbien oder Vietnam. Insgesamt 122 Männer, Frauen und Kinder leben in den fünf Krefelder Flüchtlingsheimen. Nach Ansicht der Grünen müssten es viel mehr sein, die hier eine neue Heimat finden können.

Grüne wollen, dass Krefeld mehr Flüchtlinge aufnimmt

"Deutschland stiehlt sich aus der Verantwortung, macht dicht", kritisieren sie die Bundesregierung. Deshalb werden die Politiker nach den Ferien einen Antrag in den Krefelder Rat einbringen, um sich mit rund 20 weiteren Kommunen in Deutschland solidarisch zu erklären und sich dafür einzusetzen, mehr Flüchtlinge aufzunehmen.

"Wir wollen uns als Kommune dazu ausdrücklich bekennen und unseren Teil beitragen, dass Schutzbedürftige, die sich in ausweglosen Situationen befinden, eine neue Heimat finden und eine Lebensperspektive erhalten", sagt Christoph Bönders, Ratsmitglied und migrationspolitischer Sprecher der Grünen. "Platz genug ist da. Die Flüchtlingszahlen sind in Deutschland so niedrig wie seit 30 Jahren nicht mehr." In Zeiten der Abschottung Europas und weltweit konstant hohen Flüchtlingszahlen, müsse Deutschland wieder seinen Teil der Verantwortung übernehmen, so Bönders weiter.

Vor 20 Jahren haben sich die Grünen schon für eine bessere Unterbringung von Flüchtlingen eingesetzt. 1993 hatte der Bund noch 2648 Flüchtlinge aus zahlreichen Staaten Krefeld zugewiesen. Ende 2001 gab es noch 673 geduldete Flüchtlinge in Krefeld. Davon lebten 120 Personen in dem maroden Kasernengebäude an der George-C.-Marshall-Straße in Linn mit tropfenden Wasserhähnen, renovierungsbedürftigen Sanitäranlagen und Heizungsausfällen im Winter. 2002 wurde die Unterkunft geschlossen.

"Save me" wird das Resettlement (Neuansiedlung) von Flüchtlingen in einem dazu bereiten Staat genannt. Nach dem UN-Flüchtlingskommissariat ist Resettlement der Transfer verfolgter Personen aus einem Staat, in dem die Betroffenen zunächst Schutz gesucht haben, in einen anderen Staat, der ihrer Aufnahme zugestimmt hat.

Nun sind es also noch 122 Flüchtlinge, die in den Asylbewerberunterkünften auf eine Niederlassungserlaubnis warten. An der Philadelphiastraße ist so viel Platz frei, dass im Erdgeschoss noch acht Obdachlose untergebracht sind. Auch wer in der Notschlafstelle an der Lutherstraße keinen Platz mehr findet, bekommt hier ein Bett.

Die Einrichtung ist spartanisch: Ein oder zwei Betten, eine winzige Küchenzeile, Schrank und Tisch. Auf dem kahlen Flur finden sich Gemeinschaftsküche und -duschen. An der Philadelphiastraße leben 23 Menschen aus 16 Nationen. Sechs Kinder sind darunter. Sonst gibt es hier nur Frauen. An der Luisenstraße wohnen nur Männer. Jetzt werden die zugigen Fenster zur Straße hin erneuert. "Ein Fortschritt", freut sich Bönders.

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