Seit 2008 haben sich die Zahlen auf dem Arbeitsmarkt deutlich verschlechtert. Vor allem bei den Jüngeren ist die Tendenz negativ. Es fehlt zunehmend an Ausbildungsplätzen.

ARGE, Metallbau Palmen, Krefeld; Industrie; Handwerk; Metall; Schweißen; Schweißer; Schweißgerät; Handwerker; Arbeit
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Bischof, Andreas (abi)

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Krefeld. Ingo Zielonkowsky versuchte erst gar nicht, die Zahlen schön zu reden. „Krefeld liegt leider unter dem Durchschnitt“, sagte der Leiter der Arbeitsagentur Krefeld bei Vorlage der Werte für das vergangene Jahr. „Wir erreichen lediglich das Niveau der Städte im Ruhrgebiet. Mit der Rheinschiene können wir nicht mithalten,“ so Zielonkowsky. Sowohl in NRW als auch bundesweit sei die Entwicklung am Arbeitsmarkt besser als in Krefeld.

„Die Arbeitgeber stehlen sich aus ihrer gesellschaftlichen Verantwortung.“

Ralf Köpke, DGB-Chef in Krefeld

Wie ernüchternd die Bilanz ausfällt, zeigt der Vergleich aktueller Zahlen mit den Daten aus dem Jahr 2008. In dieser Zeit hat die Zahl der Arbeitslosen in Krefeld und dem Kreis Viersen insgesamt stark zugenommen: von 21 212 auf 23 890 (jeweils zum Jahresende, siehe Grafik).

Während dies einer Zunahme um 12,6 Prozent entspricht, sieht die Lage bei den Jugendlichen noch erheblich düsterer aus: Hier kletterte die Zahl binnen fünf Jahren um 22 Prozent auf 2194 Personen. „Vor allem bei den Jüngeren unter 25 Jahren sind wir in Krefeld schlechter als im Land und im Bund“, sagte Zielonkowsky.

Kein Lehrling im Handwerk schafft die Note „Gut“ oder besser

Krefelds DGB-Chef Ralf Köpke wies darauf hin, dass sich die Differenz zwischen Lehrstellen und Bewerbern seit 2008 vergrößert hat. Rechnerisch stehen inzwischen für 100 Bewerber nur noch 60 Ausbildungsstellen zur Verfügung. „Jahr für Jahr gibt es weniger Lehrstellen. Die Arbeitgeber stehlen sich aus ihrer gesellschaftlichen Verantwortung“, so Köpke. Es sei wenig glaubwürdig, über Fachkräftemangel zu klagen und sich gleichzeitig aus der Ausbildung zurückzuziehen.

Laut Paul Neukirchen, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, trifft dies in seiner Branche nicht zu. „Wir haben die Zahl der Lehrstellen sogar erhöht“, so Neukirchen. Gerade die technisch anspruchsvollen Handwerksberufe in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik böten hervorragende Zukunftsperspektiven.

Auf dem Arbeitsmarkt in Krefeld und dem Kreis Viersen gab es im Dezember den saisontypischen Anstieg zum Jahresende. Die Zahl der Arbeitslosen erhöhte sich im Vergleich zum November um 104 auf 23 890. Die Quote betrug 8,8 Prozent. Im Jahresvergleich hat sich die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung um 1088 erhöht. Damals lag die Quote noch bei 8,4 Prozent.

Erheblich schlechter als im Agenturbezirk insgesamt sehen die Zahlen für die Stadt Krefeld aus. Dort waren im Dezember 12 805 Menschen arbeitslos, 50 mehr als im November und 900 mehr als vor einem Jahr. Die Quote in Krefeld kletterte im Jahresvergleich von 10,5 auf 11,2 Prozent.

Im Kreis Viersen wurden im Dezember 11 031 Arbeitslose gezählt, 54 mehr als im November und 188 mehr als ein Jahr zuvor. Die Quote erhöhte sich binnen eines Jahres leicht von 7,0 auf 7,1 Prozent. Den besten Wert im Kreis liefert der Bezirk Kempen (Kempen, Grefrath, Tönisvorst) ab: Dort lag die Arbeitslosenquote bei nur 5,9 Prozent.

Erstaunliches wusste Neukirchen über das Leistungsniveau der Auszubildenden zu berichten. Demnach hat im vergangenen Jahr keiner von 971 Lehrlingen mit der Note „Gut“ oder besser abgeschlossen. Die übliche Ehrung der Besten müsse ausfallen. Über die Gründe wollte der Geschäftsführer nicht spekulieren.

Arbeitsagentur: Logistikfirmen sind besser als ihr Ruf

Für 2014 rechnet Zielonkowsky mit einer stabilen Entwicklung. „Während Fachkräfte gefragt sind, erleben wir eine große Zurückhaltung der Betriebe, Arbeitslose mit geringen Qualifikationen einzustellen,“ so der Agenturchef. Angesichts des geplanten Abbaus von Stellen in einigen Krefelder Industriebetrieben fürchtet Ralf Köpke dagegen, dass die Zahl der Arbeitslosen weiter wächst.

Laut Zielonkowsky kann der Verlust von Beschäftigung in der Industrie durch neue Stellen im Bereich Dienstleistung aufgefangen werden. Dass sich in Krefeld Logistikfirmen ansiedeln wollten, sehe er sehr positiv. Der Vorwurf, Logistikfirmen würden nur große Flächen verbrauchen, aber keine Stellen schaffen, sei falsch. „In den Hallen arbeiten Menschen, keine Maschinen“, so Zielonkowsky.

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