Personal ist Mangelware, doch jetzt zahlt der Staat für zusätzliche Betreuer. Dennoch bleibt die Praxis umstritten.

Für demenzkranke Bewohner in Pflegeheimen gibt es zu wenige Betreuer. Arbeitslose sollen künftig aushelfen.
Für demenzkranke Bewohner in Pflegeheimen gibt es zu wenige Betreuer. Arbeitslose sollen künftig aushelfen.

Für demenzkranke Bewohner in Pflegeheimen gibt es zu wenige Betreuer. Arbeitslose sollen künftig aushelfen.

dpa

Für demenzkranke Bewohner in Pflegeheimen gibt es zu wenige Betreuer. Arbeitslose sollen künftig aushelfen.

Krefeld. Äpfel schälen, Hände halten, spazieren gehen: Dank der Pflegereform können Seniorenheime dafür zusätzliche Betreuer einstellen. Sie sollen sich um demenzkranke Bewohner kümmern. Eine gute Nachricht. Denn: Personal ist Mangelware. Und gerade für Demenzkranke fordern die Einrichtungen seit Jahren eine bessere Betreuung.

Es sei deshalb kaum vorstellbar, dass jemand an dem Angebot kein Interesse habe, meint Michael Lenzen, Heimleiter der Einrichtung Am Tiergarten. Von den knapp 1900 Heimbewohnern in Krefeld sind rund 70 Prozent demenzkrank. Nur wenige Heime wie Am Tiergarten und Wilhelmshof haben für diese Menschen bisher schon zusätzliche von der Pflegekasse bezahlte Betreuer.

"Es kommt auf die Menschen an. Da wäre es mir egal, ob es ein Steuerberater oder eine Reinigungskraft ist."

Christine Strobel, Kursana

Allen 23 Heimen steht ein Betreuer pro 25 Demenzkranke zu. Auswählen können sie den aus einem Pool der Arbeitsagentur. Ob arbeitsloser Schuhverkäufer, Steuerberater oder Altenpfleger ist zunächst egal. Das hat in den vergangenen Monaten für Aufregung gesorgt: Ein Jeder soll - wenn auch erst nach einer Weiterbildung - Demenzkranke betreuen?

"Dass die Arbeitsagenturen wollen, dass alles über sie läuft, ist verständlich", sagt Lenzen. Allerdings sei das nicht im Interesse der Heime. Und es ist, was viele nicht wissen, kein Muss: "Es geht auch ohne uns", bestätigt Stefan Leppkes von der Agentur. Heißt: Der Betreuer muss nicht zwangsläufig ein Arbeitsloser sein - und schon gar kein Quereinsteiger.

Krefelder Heime stellen Anträge, Bewerbungsverfahren laufen

Mittlerweile haben die ersten Krefelder Heime für ihre Bewohner Anträge bei der Pflegekasse gestellt. Nur so können sie prüfen, wie viele Betreuerstellen ihnen zustehen. Von 110 Anträgen wurden für das Heim Am Tiergarten bisher 50 abgesegnet - macht zwei Stellen. Beim Caritas-Altenheim Saassenhof werden es 1,5 und bei der Kursana Residenz wohl keine ganze Stelle. Die vier städtischen Altenheime gehen von insgesamt acht Stellen aus.

Damit die Pflegekasse für einen zusätzlichen Betreuer zahlt, müssen die Heime auch ein Konzept vorlegen, nach dem die neue Kraft arbeiten soll.

Das Altenheim am Tiergarten will das Nachtcafé ausbauen. Rund um die Uhr und auch am Wochenende sollen Demenzkranke hier betreut werden können. Die Kursana-Residenz möchte vor allem das Freizeitangebot ausbauen: töpfern, Obst einwecken, Blumenkästen bepflanzen.

Um die zu besetzen, laufen bereits Bewerbungsverfahren. Drei Heime machen das laut Agentur tatsächlich über den Pool. "Ich kann nicht davon ausgehen, dass die Personen fachlich ausgebildet sind", sagt Jürgen Müller, Heimleiter vom Saassenhof. Vielmehr könne er damit das niederschwellige Angebot ausbauen. Denn nur 70 der 180 Arbeitslosen im Pool haben eine pflegerische Ausbildung.

Arbeitslose als Demenzbetreuer: Einige Heimleiter sind skeptisch

Andere Einrichtungen wie Kursana arbeiten erst einmal Initiativbewerbungen ab. Grundsätzlich seien Betreuer aus dem Pool aber nicht tabu: "Es kommt auf die Menschen an", sagt Leiterin Christine Strobel. "Da wäre es mir egal, ob es ein Steuerberater oder eine Reinigungkraft ist."

Lenzen ist da weiter skeptisch. "Ich halte nichts davon, irgend jemanden, sofern er zwei Beine hat, in eine Einrichtung zu holen." Er will eine ausgebildete Kraft. Ein Altenpfleger sei zwar zu teuer, den könne man mit der 33000 Euro-Pauschale der Pflegekassen nicht bezahlen. Aber ein Heilerziehungspfleger sei durchaus drin.

Anträge, Bewerbungen, gegebenenfalls die Weiterbildung: Nach diesem Hürdenlauf werden im kommenden Monat die ersten Demenzbetreuer loslegen. Bangen müssen noch die Heime, die auch bisher schon Demenzbetreuer haben. Lenzen: "Ende Januar oder im Februar wird sich entscheiden, ob wir diese neben den neuen zusätzlichen Betreuern behalten können."

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