Die von der Stadt geplanten Schritte wären für viele Initiativen in Krefeld das endgültige Aus.

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"12.000 Euro sind indiskutabel", sagt Manfred Coelen (Pappköpp)

"Wo soll das Geld herkommen?", fragt sich Georg Dammer (Werkhaus)

"Wenn das durchkommt, ist hier Schluss." Peter M. Heeser, GKK

Ilka Jaroch, Bild 1 von 4

Krefeld. Im Haushalt wird das Plus kaum auffallen: Nicht einmal 200 000 Euro gewinnt die Stadt Krefeld, falls sie künftig von Vereinen und Verbänden ortsübliche Mieten kassiert. Doch für viele Initiativen in Kultur, Sport, Sozialbereich und Brauchtum würde die Erhöhung das Ende bedeuten.

Allein drei freie Bühnen müssten wohl vollständig aufgeben: das Theater Hintenlinks, das Theater am Marienplatz und die Krieewelsche Pappköpp. Teilweise müssten sie künftig das Geld, das sie als Förderung von der Stadt bekommen, in doppelter Höhe an den Kämmerer zurück überweisen. „Das wäre das Aus“, sagt Pit Therre, der in Fischeln seit 35 Jahren Theater macht und plötzlich mehr als 30 000 Euro Miete zahlen müsste. „Ich bin verblüfft, dass man das plötzlich als Kriterium heranzieht“, erklärt Therre. „Seinerzeit war die Stadt froh, dass die leerstehende Schule belebt wurde.“

„Das können wir auf keinen Fall stemmen.“

Peter Gutowski, Theaterleiter

Solche Geschichten gibt es für viele der nun betroffenen Gebäude. Auch das Theater Hintenlinks bekam seine Lagerräume an der Anrather Straße vor 20 Jahren als „Übergangslösung“ angeboten. Die Räume haben keine Heizung und keine Toilette, sie sind in miserablem Zustand. Nun will die Stadt fast 6000 Euro Jahresmiete dafür. „Das könnten wir auf keinen Fall stemmen“, sagt Theaterleiter Peter Gu-towski. „Dann müssten wir den Spielbetrieb aufgeben.“

WZ-Mundart-Autor Manfred Coelen vom Marionettentheater Pappköpp hält die geforderte Jahresmiete von 12 000 Euro für „indiskutabel“. Bislang fließen für die ehemalige Sporthalle an der Peter-Lauten-Straße 6000 Euro jährlich an die Stadt – und nicht nur 500 Euro, wie die Verwaltung in einer Vorlage schreibt.

„Unser Mietvertrag mit der Stadt läuft im Januar nach fünf Jahren aus“, berichtet Coelen. „Wir hoffen, dass es bei einer moderaten Erhöhung bleibt.“ Die Pappköpp hätten allerdings das Glück, nicht von dem Theater leben zu müssen. Das sei bei anderen in der freien Szene nicht so. „Für die wären die neuen Mieten ohne eine andere Form der Förderung eine Katastrophe“, so Coelen.

Das Gebäudemanagement hat bisher 18 Objekte geprüft. In keinem Fall wird eine Miete gezahlt, die der ortsüblichen Höhe entspricht. In sieben Fällen wird keine Miete gezahlt. Der Fachbereich will „zeitnah alle weiteren bestehenden Vertragsverhältnisse analysieren und in die Gesamtübersicht einfließen lassen“.

Auch in der Kunstszene hinterließe die Mieterhöhung Spuren, etwa bei der Gemeinschaft Krefelder Künstler (GKK) an der St.-Anton-Straße, die 13 384 Euro zahlen müsste. „Wenn das durchkommt, ist hier Schluss“, sagt deren Vorsitzender Peter M. Heeser. „Die GKK hat keine Einnahmen.“ Neben dem Ausstellungsbetrieb müsste auch die Artothek eingestellt werden. „Wir machen das seit Jahrzehnten für die Bürger dieser Stadt“, sagt Heeser. „Und wenn es zerstört wird, würde es Jahrzehnte dauern, es neu aufzubauen.“

„Wir machen hier Sozialarbeit – das ist kein Wirtschaftsbetrieb“

Auch im sozialen Bereich, etwa bei der Caritas und bei Emmaus, wären die Folgen unabsehbar. Das Spielhaus Dießem (SpieDie), betrieben vom Werkhaus, wäre bei einer Miete von 16 600 Euro nicht zu halten. „Wir haben Verträge, in denen die Mietfreiheit festgeschrieben ist“, erklärt Geschäftsführer Georg Dammer. „Sollte die Stadt das infrage stellen, stellt sie das ganze Angebot in Frage.“ Bei der Übernahme habe man das Haus in Eigenleistung aufwendig saniert, ruft Dammer in Erinnerung. „Wo sollte jetzt das Geld für die Miete herkommen? Wir machen hier Sozialarbeit – das ist kein Wirtschaftsbetrieb.“

Im Bereich Brauchtum wäre unter anderem das Oppumer Schützentrommlercorps betroffen. Statt 511,20 sollen für die Nutzung des Sportlerheims als Jahresmiete 2540,10 gezahlt werden. „Nicht tragbar. Das können wir auf keinen Fall bezahlen“, sagt der Vorsitzende Thomas Klein. „Die Instrumente kosten schließlich auch Geld. Wenn die Stadt diese Miete verlangt, geht es bei uns sicher nicht weiter.“

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