Wen wird der Stellenabbau treffen? Nicht einmal der Betriebsrat kann die Frage beantworten. Gewerkschafter sind entsetzt über Vorgehensweise der Geschäftsführung.

Der Firmenhauptsitz des Siempelkamp-Konzerns in Krefeld. Das Unternehmen will deutschlandweit 350 Stellen streichen.
Der Firmenhauptsitz des Siempelkamp-Konzerns in Krefeld. Das Unternehmen will deutschlandweit 350 Stellen streichen.

Der Firmenhauptsitz des Siempelkamp-Konzerns in Krefeld. Das Unternehmen will deutschlandweit 350 Stellen streichen.

Siempelkamp

Der Firmenhauptsitz des Siempelkamp-Konzerns in Krefeld. Das Unternehmen will deutschlandweit 350 Stellen streichen.

Krefeld. So etwas haben selbst langjährige Gewerkschafter wie der Krefelder IG-Metall-Chef Ralf Claessen und der DGB-Vorsitzende Ralf Köpke noch nie erlebt. Als der Sprecher der Siempelkamp-Geschäftsführung am vergangenen Freitag die Presse über einen Abbau von deutschlandweit 350 Stellen im Konzern informierte, war der Betriebsrat nicht einmal vage in Kenntnis gesetzt. Erst nach dem Termin wurden die Betriebsratsvorsitzenden der Gießerei und der Maschinenfabrik am Standort Krefeld über die allgemeinen Pläne unterrichtet.

Viele Kollegen aus Gießerei und Maschinenfabrik erfuhren aus den Medien von den geplanten Kürzungen. Allein in der Gießerei ist von 130 die Rede. „In den Gesichtern, die ich gesehen habe, war einfach nur die pure Angst zu sehen“, sagt Claessen über seinen gestrigen Vorort-Termin im Unternehmen. Dort war eine außerordentliche Mitgliederversammlung angesetzt, die fünf Stunden dauerte. „Wir sind alle betroffen und geschockt“, sagt der Gewerkschafter, „aber natürlich nicht absolut blauäugig – dass etwas passieren würde, war allen klar.“

Gerüchte hatte es in den verschiedenen Unternehmensbereichen an der Siempelkampstraße bereits seit Monaten gegeben. Dass es der Gießerei schlecht geht, war seit August/September offenkundig. Der Auftragsrückgang war massiv. „Aber die Höhe des Abbaus war auch für den Betriebsrat überraschend“, sagt Thomas Dittmann, Betriebsratsvorsitzender der Gießerei. „Mit so vielen Stellen hätten wir nicht gerechnet.“

Nach WZ-Informationen sollen die Pläne bis Ende 2017 umgesetzt sein

Gleichzeitig betont er, dass über das Ausmaß aber noch zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat verhandelt werden müsse. Es sei noch zu klären, ob und wie sich Kündigungen verhindern lassen könnten, indem Mitarbeiter beispielsweise früher in Rente gingen oder ähnliches. „Wir werden alles versuchen, um noch etwas umzubiegen“, so Dittmann. Über den zeitlichen Rahmen solcher Verhandlungen könne man nur spekulieren. Für Donnerstag hat die Geschäftsführung nun erst einmal einen Info-Termin für die Belegschaft der Gießerei angesetzt. Nach WZ-Informationen will die Geschäftsführung ihre Pläne bis Ende 2017 umgesetzt haben.

„Ob die Internationalisierungs-Strategie Erfolg haben wird, ist noch zu beweisen“, sagt Claessen über die nun vorgesehene weitere Verlagerung von Aufträgen auf die Standorte in Tschechien und China. „Erst einmal hat man nur viel Geld investiert, um da zu produzieren.“

Das Gros der 350 Stellen, die abgebaut werden sollen, soll in Krefeld wegfallen, einige weitere in Mülheim und im bayerischen Wolfratshausen. Neben den 130 Stellen in der Gießerei an der Siempelkampstraße und Arbeitsplätzen in der Maschinenfabrik ist auch die Tochter Sico betroffen.

Allein in Nordrhein-Westfalen sind in den vergangenen drei Jahren 35 Gießereien geschlossen worden.

Der neue SPD-Vorsitzende Raph-Harry Klaer hat sich bereits an die Gewerkschaft gewandt und Unterstützung angeboten. „Solche Gesten tun den Arbeitnehmern in dieser Situation gut“, sagt der DGB-Vorsitzende Ralf Köpke, „auch wenn die Politik nicht viel tun kann.“

Was DGB-Mann Ralf Köpke an dem Vorgehen der Firmenleitung besonders irritiert, ist die Kurzarbeit, die für die Gießerei seit Januar läuft und für die Maschinenfabrik ab März im Gespräch war. „Kurzarbeit ist ein Mittel, mit dem man Stellenabbau verhindern will. Im Januar Kurzarbeit zu beantragen und im Februar Stellen streichen zu wollen, finde ich schon sportlich“, so Köpke, dem dabei auch aufstößt, dass für die Kosten „die Agentur für Arbeit und damit jeder Steuerzahler aufkommt“.

Für den Standort Krefeld sei der Verlust von Jobs in dreistelliger Höhe „eine Katastrophe“. In den vergangenen zwei Jahren seien in der Stadt 1500 industrielle Arbeitsplätze verlorengegangen. Vor kurzem hatte Köpke einen weiteren mittelfristigen Verlust von 500 weiteren Stellen angekündigt. „Dass es allerdings mit den ersten so schnell gehen würde, hatte ich nicht gedacht.“

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